TITUS
Hans Mair, Das Buch von Troja
Part No. 7
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Book: 7  
Das sibent Capitel sagt, wie Paris kam gen kriechen und da nam die kunigin Helena


Sentence: 1     Ez waz an der zeit, daz diu sunn gieng in daz zaichen Thaurus.
Sentence: 2     
d, r Line: 10  monat ist der may, in dem sich alliu fruht erhebt us der erd, und in der zeit sich die bawnen beklaident mit grünem laub, und daz feld mit graz.
Sentence: 3     
also kom Paris und Deyphebus von Panonia, und brahtend mit in driu tusend guter ritter, die all mänlich und in streiten wol warend gelert.
Sentence: 4     
do het in der küng haizzen beraiten XXII Line: 15  grozzer schiff, und dar ain allez, dez man b, d, rfft.
Sentence: 5     
also hiez der küng Priamus Anthenor und Eneam und Polidamam, Anthenors sun, daz si sich mit Paris und Deyphebus beraitend ze varn gen kriechen.
Sentence: 6     
daz gelobtend si im getriulich.
Sentence: 7     
do hiez der küng all, die uf die vart warnd geordent für in komen nd sprach also zu in:
Sentence: 8     
ez ist nit Line: 20  notdurft fürbaz, von unser sach vil red mer ze tun, wann ir wol wizzent, waz mir mein gemüt darzu zwingt, daz ich iu, h schik gen kriechen, umb den grozzen schadenden si uns getaun haund.
Sentence: 9     
so ist aber daz daz gröst, wie ich mug wider gewinnen mein swester Exionam, und wie ir die möhtend wider bringende sullt ir inn er\zaigen Line: 25  all iur manhait, wann von ir wegen habend wir reht sach wider den, der si da hellt.
Sentence: 10     
so wizzt ir auch wol, wie uns die kriechen so gar wider rehtz beschadet haund.
Sentence: 11     
darumb sullend wir daz reht enpfor nemen und sullend uns mänlich wappen wider si.
Sentence: 12     
darumb man ich und haizz iuch, wie ir ymmer mugt, daz ir gedenkt nach meiner swester, Line: 30  wann wir die schand fürbaz nit mer leiden wellend.
Sentence: 13     
ez ist auch Page: 54   Line: 1  nu diu zeit komen, daz unser veind innan sullend werden iur mänlichen frumkait.
Sentence: 14     
ir sullt auch dez sicher sein, ist daz iu die götter helfend, daz ir vollbringt meinen willen, daz ir allsamd fürbaz von mir sullend gereichet werden, umb iurn dienstlich hoff auch, Line: 5  ez sullend all da ann von iu ersreken, und daz si irem grozzen schadenden si von iurn ritterlichen swerten werdend leiden, lang zeit müssend wainen.
Sentence: 15     
und ze vollfüren disi sach, so sullt ir Paridem haben zu ainem herrn und zu ainem hapt2nan.
Sentence: 16     
darnach sullt ir haben Deyphebum, den andern nach Paris.
Sentence: 17     
die zwen sullend auch in Line: 10  allen sachen Anthenor und Lneam zu irem rat nemen.
Sentence: 18     
also nam diu sprauch ain end.
Sentence: 19     
darnach gieng daz volk allez in diu scheff.
Sentence: 20     
Paris und Deyphebus namend urlaub von dem küng und hiezzend die anker ziehen uss dem wazzer, und die segel uf rihten, und schifftend in dem namen der götter jonis und veneris uf daz mer, und furend alz Line: 15  lang, biz daz si mit gesund komend in die inseln Sparsas und Cicladas in dem land Romani, und do si also furend für die inseln, und sich rihtend zu dem land kriechen, do begeget in ain scheff, da waz uf ain mehtiger küng von kriechender hiez Menelaus, und wolt varen zu der stat Pira zu dem hertzogen Nestor.
Sentence: 21     
der selb küng Line: 20  Menelaus waz dez küngs Agarnenon bruder, und hetend ain weib, hiez Helena.
Sentence: 22     
diu selb Helena waz zu den zeiten diu schönst in allen landen, und het zwen brüder, die hiezzent Castor und Pellux, die warend baid zu der zeit in der stat Samestar, und hetend bi in irer swester Helena tohter, diu hiezz Hermiona.
Sentence: 23     
do die von Troy Line: 25  sauchend daz scheff, daz ez sich von in kert het, do mohtend si anander nit erkennen.
Sentence: 24     
also furend die von Troy für sich und komend in ain insel, diu hiez Cytarea und gehört zu kriechen.
Sentence: 25     
diu insel noch hiut von den schiff löten haizzt Cyper.
Sentence: 26     
do stundend si uf daz land, und hiezzend iriu schiff binden zu dem gestat, und Line: 30  wurffend ain die anker.
Sentence: 27     
in der selben insel Cyterea waz von Page: 55   Line: 1  alten zeiten gemaht ain tempel, in der er der göttin Venus, mit grozzem reichtum und mit grozzer gezierd, wann daz volk, daz da umb gesezzen waz, nach haidnischen sitten hätend an die göttin grozzen glauben, und erbutend ir grozz er, und hetend da alliu jar Line: 5  ain groz hochzeit, wann si offt von der selben göttin anttwurt hätend, umb waz si si fraugtend.
Sentence: 28     
nu waz ez dez mals an der zeit, daz diu selb fest waz in dem tempel.
Sentence: 29     
darumb kom von allen landen, die da bei laugend, über all mauss grozz volk da hin, und vollaistend da ir ieglicher, waz er der göttin Venus het gehaizzen.
Sentence: 30     
do diu sach Line: 10  Paris also erfur, do berait er sich und Deyphebus in künklichiu gewand, und die seinen all mit im, und gieng in den tempel, und nach seinen lant sitten, mit ainveltigem sinn vor dem volk allem daz da stund und mit andehtigem gebät legt er daz opfer uf den altar, in grozzem gold und silber.
Sentence: 31     
nu waz der selb Paris der aller schönst Line: 15  und bazz geleibst vor in allen.
Sentence: 32     
und do in daz volk in dem tempel an sacli, da nam si all grozz wunder von seiner schön, und von seinen köstlichen claidern, und fraugtend all, wer er wär.
Sentence: 33     
doch zu dem lesten sagtend in sein diener, daz er hiez Paris und wär dez küngs Priamus sun von Troy, und daz er komen wär von seins vaters haizzen Line: 20  gen kriechen, mit vil seinen dienern, also daz er vordern solt an die küng von (kriechen) sein swester Exionam, die die selben küng von kriechen gabend dem küng Thalamon, do si dem küng Lamadonta, dez küngs Priamus vater, die ersten stat lroy erstörtend, und den küng erslugend, und do si die selben Exionam und vil ander frawen Line: 25  fürtend in ditz land.
Sentence: 34     
do disiu mär kom under daz volk, do ward vil von gerett.
Sentence: 35     
nu erschullend disiu mär bald in diu land, do kom diu red auch für Helenam, wie daz Paris komen wär in den tempel.
Sentence: 36     
von dez schön ward ir vil gesagt.
Sentence: 37     
do siu daz also vernam, do ward ir diu begird also erwegt, daz siu iren mut verwandelt, alz der weib Line: 30  sitt ist, so si hörend sagen von frömden gesten, und gedaht ir, Page: 56   Line: 1  wie siu auch komen möht in die inseln zu der fest, daz siu auch gesächen möht den haptman dez volks von Frigia.
Sentence: 38     
ez ist aber ain grozz übel, daz man zu solhen festen komt, wann wa vil lüt ze samen komend, und da man solhiu spil mit tantzen, singen und andern sachen Line: 5  treibt, do wirt vil leiht ettlicher frawen mut enz(int, daruss ir nit vil eren gat, und ander lUt komt zu grozzem schaden.
Sentence: 39     
also beschach der Helena, diu waz diu schönst ob allen frawen.
Sentence: 40     
darumb fragt si der maister und spriht:
Sentence: 41     
sag an Helena, waz hat dich betrogen, daz du von deinem hus furist, da dein man nit da haim waz, von ainer sol\hen Line: 10  clainen sach, daz du mohtist sächen ainen frömden man.
Sentence: 42     
du mohtist dich auch leiht haben wider zogen, daz du dein scham hetist behalten in deinem reich.
Sentence: 43     
ez hat aber vil wib verweiset von iren eren, daz si alz gern gaund, da man frömd lüt sol schauwen.
Sentence: 44     
ez sol auch ainem ieglichen weib nit liebers sein, dann daz siu Line: 15  belaib in irem hus.
Sentence: 45     
ez versunk nimmer kain schiff, wär daz ez all zeit stund an dem gestat, also daz man daruf nit für in frömdiu land.
Sentence: 46     
also hastu Helena getaun.
Sentence: 47     
du woltist varn uss deinem palast in den tempel, zu sächen ainen frömden man, und woltist daz verdeken mit dem, daz du spreht, du woltist ettwaz gelübt laisten, die Line: 20  du hetist getaun den göttern, davon allez kriechen land in grozzen schaden kom, und davon auch diu grozz stat Troy ward erstört.
Sentence: 48     
waz sol man mer sagen.
Sentence: 49     
Helena hiez zu ir komen ir diener, und hiez si beraiten kost, und waz si bedorfft, siu wolt varn in die inseln Cyterea zu dem tempel der göttin Venus.
Sentence: 50     
diu insel lag nit Line: 25  verr von irem küngreich, wann ez waz ain clainer wäg hin über uf dem mer.
Sentence: 51     
da ward nit lenger gebiten, wann man braht dar diu ross.
Sentence: 52     
also kom Helena mit iren dienern an daz mer ze mal köstlich und fur da über in die inseln.
Sentence: 53     
do ward siu von dem volk der selben gar erlich empfangen alz ain fraw und ain küngin dez lands.
Sentence: 54     
do gieng Line: 30  siu in den tempel, ze vollaisten ir gelübt mit grozzem opfer Page: 57   Line: 1  daz si dar braht.
Sentence: 55     
do daz ward gesagt dez küngs sun Paris, daz Helena, dez küngs Menelaus weib, wär komen in den tempel.
Sentence: 56     
nu hät Paris vor langen zeiten gehört, wie daz diu selb Helena wär diu schönst in allen landen, und do er si ansach, do ward er in der Line: 5  minne göttin (tempel) mit der minn enzünt, daz er sein gesiht also an si gelegt, daz er alliu iriu gelider, ains nach dem andern, inneclich besinnt -- do kunt er anders nit vindeh, dann alz er si solt machen nach allem seinen willen, so kund er si anders nit haben gemaht.
Sentence: 57     
und gefiel im uss der maussen wol und begund, so er Line: 10  best moht, mit fug zu ir nachen, und do er Helenam mit seinen augen bliken in ir augen begund schiezzen, do ward Helena wider Paris auch enzünt, daz er ir bazz waz gevallen, dann kain man, den siu vor ie het gesächen.
Sentence: 58     
nu gefiel der selb Paris Helena also wol, daz si kain aht het uf all die kurtzweil, die man da traib, und Line: 15  waz all ir sin und gedank nit anders, dann wie si ir gnug moht sächen an seiner gestalt.
Sentence: 59     
also waz auch wider umb dem Paris.
Sentence: 60     
nu mohtend si anander irs willen mit den worten nit innan bringen, und mustend daz tun mit den augen bliken, daz ain zaichen ist der lieb, und het iettweders dein andern gern gesagt seinen willen.
Sentence: 61     
doch zu dem Line: 20  lesten begund Helena mit den augen dem Paris winken, daz er sich zu ir fügt.
Sentence: 62     
nach dem zaichen fügt sich Paris, daz er under dem volk kom zu Helena.
Sentence: 63     
do rett siu mit im und er mit ir mit stillen worten, daz siu baidiu wol verstundend, daz si mit der minne strik also gefangen warend, daz si begertend, in gehaim zu anander ze komen.
Sentence: 64     
Line: 25  darnach schied Paris Mit Helena urlaub mit seiner gesellschafft us dem t-pel.
Sentence: 65     
und do er uss dem tempel gieng, do sach im Helena nach, alz lang siu in gesächen moht mit iren süssen pliken.
Sentence: 66     
do waz Paris auch frölich, doch het in diu minn mit iren striken gefangen mit der lieb Helena.
Sentence: 67     
und do er kom zu seinen schiffen, do hiez er für Line: 30  sich komen die besten, die er mit im hät uss gefürt, und sprach Page: 58   Line: 1  zu in also:

Sentence: 68     
O Ir mänlichen, ez ist iu allen wol kunt, umb waz sach uns mein herr und vater hät gesant gen kriechen.
Sentence: 69     
ez ist daz gesetzlich sein sin, daz er möht wider haben mit allem unserm fleizz sein swester Line: 5  Exionam, und ob daz nit möht gesein, so solt wir doch die kriechen beschedigen, alz verr und unser vermugend wär.
Sentence: 70     
nu säht ir all wol, daz ez uns urunuglich ist, daz wir si haim ze land bringen mugend, wann wir wol wizzend, daz siu ist in der gewalt dez mähtigen küngs Thalamon, der uns si nit wider geit on grozzen streit, wann er si Line: 10  ze mal lieb hät.
Sentence: 71     
so sei wir auch nit alz mähtig, alz wir ietzo hie sind, daz wir kain stat mit gewalt mugend besitzen oder im sust mit gewalt in seinem land kainen schaden mugend getun, wann in seinem land ist ze mal vil volks.
Sentence: 72     
doch ist daz überflüzzig, daz uns die götter hie haund erzaigt in disem land, und daz sullend wir nit Line: 15  ungedankt uf nemen.
Sentence: 73     
wir sächend all in diser insel, da wir mit der götter hilff ein komen sind, (daz) zu diser fest komen sind die besten lantlüt von dem land kriechen und auch der mähtigesten grösten frawen, under den allen ist Helena, dez küngs Menelaus weib.
Sentence: 74     
so ist auch der tempel mit grozzem reichtum von gold und von silber Line: 20  aller erfüllt.
Sentence: 75     
ist nu, daz wir wallend in den tempel, und daz wir die, di darinn sind, gefangen mugend bringen in unser gewalt, und auch daz gut, daz da ist, daz wirt uns ain grozziu er und nutz, nit allain von der vänknuss der lüt wegen, mer auch von dez übertreffenden gutz wägen, daz in dem tempel ist, davon wir all reich mugend werden.
Sentence: 76     
Line: 25  ist, daz ez iu gevallend ist, so main ich, wann diu naht kom, daz wir uns dann all sullend wappen, und daz wir haimlich komend in den tempel, und all, die wir da findend, ez sei weib oder man, die sullend wir all gefangen füren in unsriu schiff, und sonderlich Helenam.
Sentence: 77     
ist, daz wir die gefangen bringend gen Troy, so wirt uns daruss ain sicher Line: 30  trost, daz der küng Priamus gegen ir wol mag wider gewinnen Page: 59   Line: 1  sein swester Exionam.
Sentence: 78     
nu sach iur ieglicher, waz in disen sachen ze tun sei, ee daz uns diu weil verzogen werd.
Sentence: 79     
also tet er seiner red ain end.

Sentence: 80     
DO waz vil, die da stundend, den diu red gefiel, so waz ez vil, den Line: 5  ez nit gefiel ze tun.
Sentence: 81     
doch zu dem lesten gefiel ez in ze tun, und wurdend dez über ain, wann diu naht kom, und der maun seinen schein hät verborgen, daz si dann mit gewappeter hand komend in den tempel -- do diu naht kom, und der maun seinen schein liezz, do komend die von Troy verstolen in den tempel, und hätend doch iriu scheff Line: 10  gelauzzen in guter hut.
Sentence: 82     
und all, die si da fundend, die fürtend si gefangen in iriu scheff, und waz si gutz da fundend, und beraubtend den tempel allez dez gutz und der gezierd, diu dar inn waz.
Sentence: 83     
die küngin Helena und all die iren fieng Paris mit seiner hand, wann er kain widersprechen an ir vand.
Sentence: 84     
siu hät in lieb, darumb waz ez ir Line: 15  lieb und nit laid.
Sentence: 85     
also fürt er si in diu schiff, und liez si da behüten, und loff wider an den raub.
Sentence: 86     
do ward ze mal ain grozz geschrai von den gefangen in der naht, und aller maist von den, die ee woltend sterben, ee si gefangen würdend gefürt.
Sentence: 87     
von dem geschrai ward daz volk in dem castell erwekt, daz lag da bey uf ainem Line: 20  berg ob dem tempel.
Sentence: 88     
do kom ir vil geloffen, die ir leben gern hätend behalten.
Sentence: 89     
also stund daz volk uf in dem castell, und wappetend sich all, und luffend her ab wider die von Troy.
Sentence: 90     
ez waz auch in dem castell vil jungs und streitbers volks, und die luffend mänlich und ritterlich an die von Troy, und zwungend si herticlich hinder Line: 25  sich weichen und gedahtend, ob si ir gefangen mohtend ledig machen.
Sentence: 91     
da ward ain grozzer streit, davon vil der totten fielend, doch zu dem lesten die von Troy, der doch mer dann vierstund alz vil waz, komend ze mal zu samen.
Sentence: 92     
da gab daz volk die fluht.
Sentence: 93     
do eiltend in die von Troy nach mit erzükten swerten biz an den berg.
Sentence: 94     
da ward ir vil Line: 30  erslagen.
Sentence: 95     
die andern komend in daz castell.
Sentence: 96     
also hät der Page: 60   Line: 1  streit ain end.
Sentence: 97     
do giengend die von Troy frölich zu den schiffen und liezzend gar nihtz, daz gut waz, in dem tempel.
Sentence: 98     
von dem raub gewunnend si überflüssig gut.

Sentence: 99     
Also sauzzend si in iriu schiff mit den gefangen und mit dem gut Line: 5  und zugend uf ir sägel, und furend gelüklich alz lang tag und naht, biz daz si komend in daz land zu Troy, in ain castell, daz lag sehs meil von Troy, daz hiez Thenodon.
Sentence: 100     
do stundend si uf daz land, und giengend in die stat.
Sentence: 101     
do wurdend si frölich von den iren und mit grozzen eren enpfangen.
Sentence: 102     
do nu Paris also frölich kom in die stat, Line: 10  do schikt er dem küng ainen boten, der im sagt, daz er wol gesund mit allen den seinen komen wär gen Thenodo, und daz er im auch sagt all sach, wie ez im ergangen wär, reht alz der, der bei den sachen wär gewesen.
Sentence: 103     
zu der red ward der küng Priamus gesetzlich erfräwt und hiezz daz sagen den mähtigesten und dem volk allen in der stat.
Sentence: 104     
Line: 15  die hätend da grozz hochzeit und fräud.
Sentence: 105     
alz nu Paris waz ze Thenodo mit der küngin Helena, diu da under andern gefangen ze mal trurig waz, wann si all zeit ir liehtiu wenglin und ir brust begozz mit iren zehern, da mit siu bewaint den küng iren mantir bruder und auch daz land.
Sentence: 106     
also waz si mit emssigen süffzen on essen Line: 20  und on trinken.
Sentence: 107     
daz hät Paris ze mal für übel, und gieng zu ir mit süzzen und milten worten.
Sentence: 108     
da mit moht er doch daz inner iaid Helene nit in kain fräud verkeren.
Sentence: 109     
do ward er erzürnet und sprach zu ir also:
Sentence: 110     
waz ist daz liebiu fraw, daz ir all tag iuch selb betrubt mit grozzem laid, und davor nimmer kain ru habt.
Sentence: 111     
wer möht daz laid Line: 25  all zeit mit gedult hörn, alz du tust naht und tag.
Sentence: 112     
gelaubstu nit, daz ez dir schad sei an deinem leben.
Sentence: 113     
wann hätistu alz mangen tropfen wassers getrunken, alz du zeher haust gewaint.
Sentence: 114     
du möhtist alz vil wassers in deinem leib nit enthalten.
Sentence: 115     
darumb mauss dez wainens und lauzz dez zeherns und nimm ainen geruten mut, wann Line: 30  dich in meins vaters reich niemand tarr betreiben noch kainen Page: 61   Line: 1  der deinen, die gefangen sind.
Sentence: 116     
du wirst auch in allem den eren gehalten alz diu aller mähtigest.
Sentence: 117     
ez sullend all die gefangen, die du haist, ledig und los wandeln in disem land, und mugend alz sicher fürbaz in disem land sein, alz ob si da haim wärnd in Line: 5  irem land.
Sentence: 118     
zu den worten anttwurt im Helena, und straich die zeher ab irem antlüt:

Sentence: 119     
Ich waizz wol, herr, ich well oder nit, so muss ich doch erfüllen deinen willen, wann diu weiplich kraft mag nit widerstaun der menlichen maht, und sunder in der gefänknuss.
Sentence: 120     
waz nu mir und den Line: 10  andern gefangen gutz von iemand widerfur, der hät sicher den gedingen, daz er von den göttern darumb enpfahen wird grozz gnad und wird, wann ez ist ain ieglichem frumen menschen natürlich, daz er mit gefangen lüten hab ain mit leiden, so gevellet ez auch wol den göttern.
Sentence: 121     
Line: 15  DO sprach Paris zu ir:
Sentence: 122     
o du aller edlesten fraw, allez daz du gebiutest, daz wirt gesetzlich on allen zweifel vollbraht, und nam si do ze stund bi der hand, do wärt siu sich ain clain, und fürt si mit im an ain stat, do all sach mit grozzer kost und reichtum waz geordet, und da si füglich von allen sachen mit anander mohtend Line: 20  gereden, und sprach do Paris ze stund zu ir also:
Sentence: 123     
gelaubstu nit, liebiu fraw, seit daz daz der götter will ist und woltend ez also, daz du von den deinen komist her in ditz land, daz dir der wächsel sull schädlich sein, oder daz du nit alz grozzen wollust und reichtum hie mugist gehaben alz in deinem land, oder mainst du Line: 25  nit, daz ditz land litoy nit fruhtbarer oder reicher ist dann Achaia daz land, da du inn bist gewesen.
Sentence: 124     
du solt auch nit gelauben, daz ich dein künklich wirdikait well unerlich swächen, sicherlich du solt wirdiclich gehalten werden in allem disem land.
Sentence: 125     
ich hoff auch, daz du mich nit ring haltist, wann ich deinen man an dem adel Line: 30  wol geleich bin oder leiht besser.
Sentence: 126     
darumb solt du mich haben Page: 62   Line: 1  für deinen man, so wil ich dich halten für mein liebiu frawen, und wil dich ymmer halten für mein elich weib.
Sentence: 127     
du solt dir kain ersreken dar ab nemen, ob du daz clain künkreich, da du inn gewesen bist, geist umb disiu mähtigiu land, wann disem künkreich Troy sind Line: 5  vil land in Asia undertenig, diu land alliu dir müssend undertenig werden.
Sentence: 128     
darumb lauzz dir nit laid sein umb deinen man, wann mir an dem adel kainer mag geleichen, noch von manhait ist mir kainer nie obgelägen.
Sentence: 129     
von den flammen deiner minn bin ich aller enzünt.
Sentence: 130     
davon, von dem du aller liebst wirst gehalten, von dem wirt dir auch Line: 10  diu gröst er erboten.
Sentence: 131     
darumb, liebiu fraw, hör uf ze wainen, und lauzz fürbaz dein clag, und bitt dich, daz du in der sach erhörist mein bät.

Sentence: 132     
DO anttwurt im Helena und sprach:
Sentence: 133     
wer mag wainen gelauzzen, der mit alz grozzem laid ist umbfangen.
Sentence: 134     
ich wolt, daz diu götter mein Line: 15  sach anders hätend gemachet, seit ez aber anders nit gesein mag, so muss ich dein bät erhörn, wann ich mich deins willen nit mag erweren.
Sentence: 135     
und ze stund ward si wainen und süfftzen.
Sentence: 136     
do stillt si Paris aber mit süssen Worten und nam do früntlich urlaub von ir und schuff do, daz man ir wol pfleg mit essen und trinken und mit Line: 20  aller kurtzweil.
Sentence: 137     
und do diu naht ain end nam, und daz lieht dez tags begund uff gaun, do hiez Paris Helenam die künklichen claider anlegen, die er ir hät haizzen beraiten, und hiez ir da ziehen ain schön pferd mit ainem guldin satel, und der zaum und gerait waz allez gemaht von seiden und edliu gestain.
Sentence: 138     
daruff sass Line: 25  Helena.
Sentence: 139     
darnach sätzt man all gefangen uf pferd, ieglich nach dem und er waz, und die mustend vor reiten, darnach ritter und kneht, darnach Paris und Deyphebus, Anthenor, Eneas und Polidamas, und die besten, die bey in warnd rittend all mit anander und geselltend die küngin Helenam mit grozzen eren und mit grozzer Line: 30  gezierd, und schiedend also von dem castel Thenodo und ritend Page: 63   Line: 1  sittlich gegen der stat Troy.
Sentence: 140     
und do si nachen kamend zu der stat, do kom in der küng Priamus engegen mit vil seiner diener und mit vil grozzen herren, und enpfieng do die seinen frölich, und do er kom zu Helena, die enpfieng er riit ainem frölichen angesiht, und Line: 5  bot sich ir williclich ze tun allez, daz siu gebüt.
Sentence: 141     
do si nu komend zu der stat tor, da waz über all mauss vil volks und hätend grozz fraud mit allerlay kurtzweyl.
Sentence: 142     
do stund der küng Priamus von seinem ross, und mit im all die mähtigesten, die da warnd, und nam den guldin zügel, der da lag an Helena zaum, und fürt si ze füasen Line: 10  biz in seinen balast.
Sentence: 143     
waz tet man darnach.
Sentence: 144     
do hät iederman grozz fräud, und mahtend all grozz wirtschafft und hochzeit, darumb daz Paris und die seinen wol gesund warnd komen von kriechen.
Sentence: 145     
do nu erschain der ander tag, do fürt der küng Priamus Helenam in den tempel der göttin Pallas und do swur Paris, daz er si haben wolt für Line: 15  sein elich weib.
Sentence: 146     
do mahtend die von Troy der fräud noch mer und schuffend da anders nit aht tag, dann daz si tribend allerlay kurtzweyl.

Sentence: 147     
DO Cassandra, dez küngs tohter, vernam disiu mär, daz Paris hät Helenam genomen zu ainem elichen weib, do ward si grulich und iemer\lich Line: 20  schreien und sprach also:
Sentence: 148     
o ir unseligs volk von Troy, warumb habt ir so grozz fräud von Paridis hochzeit, davon iu künftig ist alz grozz übel, und von dez wegen wirt ez nottürft, daz ir iuch und iur kind, die ir vor iu iemerlich werdend sächen sterben, müssend sächen sterben.
Sentence: 149     
ez werdend auch iur frawen vil Line: 25  beraubt irer mann.
Sentence: 150     
o du hochiu edliu stat Troy, wie wirstu so gar von grund erstört.
Sentence: 151     
o ir armen müter, wie werdend ir so vil laids besliezzen in iurm hertzen, wann ir werdend sächen iur kind zerren us iurem leib, und ir werdend sächen abstachen ain lid nach dem andern.
Sentence: 152     
o du army muter Hecuba, wa mahtu ymmer die zeher genemen, da Line: 30  mit du dein sun must bewainen, die all werdend ertöt mit dem Page: 64   Line: 1  swert.
Sentence: 153     
o du blinds volk, daz du nit waist deinen iemerlichen tod.
Sentence: 154     
warumb traibt ir nit Helenam von irem unrehten man, und haizt si bald wider geben irem rehten mann, e daz daz swär swert über iuch kom.
Sentence: 155     
maint ir nit, daz iu vor sei ain grozz leiden, von dem wir Line: 5  all zu dem lesten müssend sterben.
Sentence: 156     
o du unseligiu Helena, wie bist du uns geborn so zu grozzem laid.
Sentence: 157     
o ir armen bürger, treibent Helenam uss iur stat, ist daz ir iur leben wellend behaltende nu Cassandra disiu wort mit iamer und schreien tet, und wolt auch davon von irs vaters rat nit lauzzen, do hiezz si der küng fachen, und Line: 10  smiden in eysiniu keten, und hiez si tun in ain closter, da waz si vil zeit inn.
Sentence: 158     
hät aber der küng und daz volk von Troy gefolget irem rat, so wär ez in darzu nie komen.


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This text is part of the TITUS edition of Hans Mair, Das Buch von Troja.

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