TITUS
Hans Mair, Das Buch von Troja
Part No. 6
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Book: 6  
Daz sehst buch, wie daz der küng Priamus schikt seinen sun Paridem mit volk gen kriechen, daz er in schaden tet


Sentence: 1     Line: 5  Do nu der küng Priamus sicherlich hört von Anthenor, daz im die kriechen ye woltend hazz tragen, und daz si wider in und die seinen sich also hetend erzaigt, und daz ir gemüt nit moht erwaicht werden, daz im sein swester wider würd, do gedaht er in seinem mut, wie daz er ain grozz volk mit vil schiffen den kriechen ze schaden Line: 10  in ir land (schikt).
Sentence: 2     
aber sagan du küng Priame, waz dich betrug, daz du deinen geruten mut nit mohtist ziehen, daz du hetist gemach gehebt, und daz du dich nit zugt von den bösen gedenken, und daz du nit kundist verdrüken daz unreht, daz dir vor vilen jarn waz beschächen, du haust nit angesächen alz der weiz man spriht:
Sentence: 3     
der sicher und Line: 15  wol stat, der sol sich nit weigen, wann wer sitzt uf ainer ebniu, der mag nit vallen.
Sentence: 4     
du woltist dich aber lauzzen uf ainen zweifel, und daz du den lüten dich gebist zu ainer sach, daz man lang zeit must von dir sagen, wann ez den lüten lustlich ist ze hörn, so man von solhen sachen sagt. Line: 20 


Wie der küng Priamus besant all sein fürsten und herrn und het iren rat



Sentence: 5     
Der küng Priamus besant all sein fürsten und herrn dez lands, und auch daz volk der stat ze Troy in den balast Ylion, und sprach zu in also:
Sentence: 6     
säht, alz von meinem und iurm rat Anthenor gesant ist gen Line: 25  kriechen, daz er wider fordert mein swester Exionam, daz der hazz den wir wider si haund, und daz wir krieg und streit vermeident fürbaz hin, der ist komen alz ir wol wizzent, und wie man im hät alz üppiclich geanttwurt und haund nit bedaht den grozzen schaden, den si uns getaun haund, und mainend uns noch grözzer schaden ze Line: 30  tun, daz si doch mit den worten erkantend, daz si uns unreht Page: 44   Line: 1  hetend getaun.
Sentence: 7     
nu gelaub ich, wir siend mit der hilff der götter mähtiger dann si.
Sentence: 8     
so habend wir ain vest und wolbehüt stat, ob halt der mertail der wellt wider uns wär.
Sentence: 9     
wir habend auch mangen fraidigen und mänlichen ritter ze ross und ze fuss, die zu fehten wol ge\lert Line: 5  sind.
Sentence: 10     
wir habend auch aller kost genug, also daz uns nihtz gebriht zu dem krieg.
Sentence: 11     
darumb düht mich gut, ob ez iu gefiel, daz wir wider unser veind unser kraft übtend, und daz wir unser volk ettwa schiktend zu schaden in ir land, und daz wir si also unwizzend überzugend, da mit wir in grozzen schaden mugend tun, ee Line: 10  daz si sich zu weir mohtend setzen.
Sentence: 12     
nu ist disiu sach also gestalt, daz iur ieglicher leib und leben wagen sol, ob wir unser schaden ettwaz mohtend werden ergetzt, und sol auch nit ersreken, daz si ettwenn unser vordern haund angesigt, wann ez ist nit niu, ob der, der ist obgelegen, hin nach underleit.
Sentence: 13     
Line: 15  All die do stundend, geviel dez küngs rat wol, und erzaigtend sich in allen sachen willig sein dem küng.
Sentence: 14     
dez ward der küng Priamus fro, und stund im do sein sin und mut, wie er sich an den kriechen moht errechen, und gab in do allen früntlichen urlaub, und belaib er und sein sun in dem balast.
Sentence: 15     
do waz auch Hector, wann er waz komen Line: 20  von dem land Panonia, und do rett der küng mit in allen, aber ee er die red anhub, do begozz er die waung mit zehern und sprach:

Sentence: 16     
Ir lieben sun, gedenkt ir nimmer in iurm sinn iur fordern tod, die fänknuss Exione, die da unerlich wirt gehalten bei iurn lebendigen tagen, und ir doch alz mehtig sind.
Sentence: 17     
ez wär doch wol und Line: 25  reht, daz ir iuch soltend ze mut setzen, wie daz ir iur forder rächend, und wolt ir ez nit durch iren willen tun, so solt ir ez doch von meinen wegen tun, wann ich davon so grozz leiden täglichen trag, daz ir mir doch von natürlicher triu wegen billich sullend helfen tragen, wann ich iu von jugend uf haun erzogen, biz daz ir all Line: 30  ze mannen worden sind.
Sentence: 18     
und kert sich do gen dem Hector und Page: 45   Line: 1  sprach:
Sentence: 19     
und du aller liebster sun Hector, wann du bist der erst geborn under deinen brüdern, so tu, daz ich dich haizz, und biz gehorsam meinem gebot.
Sentence: 20     
du solt allain sein ain fürst und ain leiter diser sach, und all dein brüder, und auch alz unser volk sol dir Line: 5  undertenig sein.
Sentence: 21     
ich waizz, daz du mit deiner kraft die hofertigen und die übermütigen kanst drüken.
Sentence: 22     
so wil ich mich nu fürbaz hin diser sach nitz annemen, und wil dir die bürdiu legen uf deinen rüggen, wann du mit deinem leib vil arbait maht erleiden, daz ich nit getun mag von blödiclait meiner natur, wann ich komen bin in Line: 10  daz alter.
Sentence: 23     
also tet der küng ain end seiner red.


Sentence: 24  
Wie der mänlich Hector gab ainen rat seinem vater dem küng Priamus



Sentence: 25     
Dez vaters rat anttwurt Hector und sprach: lieber herr der küng und vater, ez ist nit menschlich, und ist wider menschlich natur, der nit gedenkt sich ze rechen gen dem, der im laid hät getaun.
Sentence: 26     
Line: 15  und ist daz wir, alz wir geborn sind von grozzem adel, und den grozz schand ist beschächen, wann darnach und die lüt geborn sind, darnach ist ir schand grozz oder clain, sind begernd uns an unsern veinden ze rechen, so sei wir von natur nit böser dann ander lüt, wann man sicht, daz ain unvernünftig tier daz tut.
Sentence: 27     
lieber vater nu ist Line: 20  kainer under iurn sunen, der alz billich sull begern rechen den tod seiner fordern alz ich, wann ich der erst bin an der geburt, darumb sol ich auch der erst sein, der unser veind sol innan bringen, daz mir ir tod laid ist, und daz ich ir noch mit meiner hand alz vil wil erslachen, daz die kriechen meiner mänlichen ritterschafft Line: 25  müssend enpfinden.
Sentence: 28     
doch beschaider küng, ich wil iuch bitten, daz ir iu solt setzen in iuren sin, daz ir weislich und witzlich in disen sachen wellend bedenken den anvank, daz mitel und daz end.
Sentence: 29     
ez ist nit ain weiser rat, der in seiner sach niur bedenkt den anvang, und nit bedenkt daz end.
Sentence: 30     
waz hilfft daz ainem, der leiht an dem Line: 30  anvang wol tut, und daz ez leiht an dem end übel gat, so wär Page: 46   Line: 1  vil wäger, er hät vor davon gelauzzen.
Sentence: 31     
daz ist ain guter anvang, da daz end gut wirt.
Sentence: 32     
disiu wort, lieber herr, haun ich darumb gesprochen, daz iur grozziu begird iuch nit verweiz, wann solich krieg und streit vast zweifelich sind, ob ez übel oder wol gang.
Sentence: 33     
ir wiz\zend Line: 5  auch wol, lieber herr, daz diu zwai tail diser wellt sind den kriechen undertenig, und daz si so vil guter mänlicher ritter haund, die ze mal gut sind ze fehten, und daz si ze mal grozz gut haund.
Sentence: 34     
ez ist diu maht dez trittails dez ertreichs, daz da haizzt Asia, daz iur ist, nit alz grozz alz ir maht ist, wie daz Line: 10  sei, daz in Asia vil lüt sind, si sind aber ze fehten nit mänlich.
Sentence: 35     
ez ist auch on zweifel war, ist daz wir uns unversinneclich wellend wider die, di mähtiger sind dann wir werffen in ainem krieg, daz wir dann kaum Mugend zu ainem guten end raichen.
Sentence: 36     
unser sach, diu ietz in alz guter ru und gemach ist, warumb beger wir Line: 15  die ze verkeren.
Sentence: 37     
sicherlich ez ist Exiona nit mit ainem also grozzen lon zu erlösen, daz durch der willen, daz die götter nit enwellend, leiht der mertail oder wir all mugend werden erslagen.
Sentence: 38     
mit verdäkten worten dünkt mich, sei ez nit unzimlich, daz wir Exiona ungelük verdrükend, diu alz vil jar und alz lang zeit ist Line: 20  dar inn gewesen, und die der tod moht in kurtzen tagen ertötten, und daz uns allen wär ain ewigiu ru.
Sentence: 39     
lieber vater, ez sol iur gnad nit gelauben, daz ich dise red tu von forht wegen oder von blödikait meins hertzen.
Sentence: 40     
ich fürht nit anders dann künftig ungelük, und daz daz zepter iur kron mit ungelük sich nit verker.
Sentence: 41     
also Line: 25  swaig der bescheiden und der mänlich ritter Hector.
Sentence: 42     
Ditz ist der rat, den der ander sun Paris gab seinem vater

Sentence: 43     
Paris, der ander sun dez küngs, der het wol vernomen diu wort Hectoris, der stund uf und sprach also: hör, lieber küng und vater, ez bedarff unser kainer nit fürhten, daz wir ainen krieg anhebend Line: 30  wider unser veind.
Sentence: 44     
wir sind doch alz stark, alz mähtig, und alz Page: 47   Line: 1  reich, so habend wir ain alz gut stat, alz ir ainiu in der wellt ist, darumb bedarff niemand gedenken, daz er uns kainen schaden bringen mug.
Sentence: 45     
lieber herr, tund frölich, daz ir gesprochen haund, und schikend iur volk, daz si beschedigend die kriechen, die uns unser volk Line: 5  mit grozzem unreht haund erslagen und beraubt.
Sentence: 46     
ich bitt auch, lieber herr, daz ir mich haizzent varn (mit in), wann ich wol waizz, daz die götter wellent, daz ich den kriechen grozzen schaden und schand tu, und daz ich der höchsten frawen ain wirt gefangen bringen in iur land, mit der ir leiht mugt wider gewinnen iur swe\ster Line: 10  Exionam, und ist daz ir mich fraugt, wie ich daz wizz, dez gib ich iu ain zaichen, daz ich von den göttern haun vernomen.
Sentence: 47     
ez sind nit vil tag, daz ich waz von iurm gebot in der innern India, do diu sunn iren lauff het in dem zaichen Cancer.
Sentence: 48     
da rait ich an ainem freitag durch iagen uf ainen wald mit vil iegern, und Line: 15  do kom ich frü in den wald, und do die ieger lang in dem wald mit vil arbaiten suhtend, do fundend wir nihtz, daz uns wär ze iagen.
Sentence: 49     
do nu diu sunn kom über mitten tag und sich nachet zu der vesper, da kom von gelük ain hirss für mich in der vinstriu dez walds, den maint ich ze vachen und eilt im nach, aber der hirss von Line: 20  seinem snellen lauf kom mir alz weit vor, daz ich in nu nit mer moht gesähen, wann er kom in diu vinstriu dez walds, der do hiez Yla, und hät im allain nach geeilt, wann all mein gesellen het ich verlorn.
Sentence: 50     
nu waz ich alz müd worden von der arbait, daz ich liez von dem hirss, wann mein ross waz allez waiz vor swaizz.
Sentence: 51     
Line: 25  waz solt ich fürbaz tun, ich stund ab und band daz ross an ainen baumen.
Sentence: 52     
darnach legt ich mich uf daz gras, an den schatn under ainen baumen, und tet von mir daz swert und den bogen, und nam den köcher under daz haupt.
Sentence: 53     
zu stund kom mir ain süsser slauff, und slieff alz senft, daz mich düht, ich het all mein tag nie vor Line: 30  geslauffen.
Sentence: 54     
do kom für mich in dem slauff Mercurius der got Page: 48   Line: 1  und fürt mit im drei göttin, Venus, Pallam und Junonem und sprach zu mir:
Sentence: 55     
ich haun die drei göttin für dich braht, ez ist under in ain krieg erhabt, und den haun si gelauzzen an dein urtail.
Sentence: 56     
die drei göttin saussend in ainer wirtschafft, da ward für si geworffen ain apfel, Line: 5  der waz von köstlichen sachen berait, da waz mit kriechischen bustaben an geschriben, daz diu schönst under in solt den apfel haben.
Sentence: 57     
nu maint ir yeglichiu, daz sie sei diu schönst, und daz ir der apfel sull werden.
Sentence: 58     
daz sind si gangen hinder dich, welchiu du haist die schönsten, diu sol den apfel haben, so gehaizzt dir ir ieglichiu Line: 10  grozz gaub, wann du daz uss gesprihst.
Sentence: 59     
ist daz du die göttin Junonem haist die schönsten, so maht si dich den gewaltigesten under allen herrn.
Sentence: 60     
ist aber, daz du der göttin Pallas sprihst der schön, so maht si dich ainen maister aller menschlichen kunst.
Sentence: 61     
ist aber, daz du Venus der schön sprihst, so wizz, daz du zu deinem lon die aller Line: 15  schönsten und mächtigesten frawen, die zu kriechen in dem land ist, wirst bringen in ditz land.
Sentence: 62     
so ich nu dis gelübt und dis gaub von Mercurio vernam, ich anttwurt im also, daz ich darüber kain urtail sprach, ez wär dann, daz sich die göttin all drei bloss vor meinen augen lauzzend sächen, also daz ich si von ainem lid zu dem an\dern Line: 20  mug merken, so mag ich dann ain reht urtail geben.
Sentence: 63     
do sprach der got mercurius:
Sentence: 64     
daz sol sein.
Sentence: 65     
also legtend die göttin diu claider von in, und do ich si also bloss vor mir sach, und eben war nam der gestalt irs leibs, do duht mich, daz Venus wär die aller schönste und ich sprach, daz siu billich wär fraw diss apfels.
Sentence: 66     
dez ward Venus Line: 25  ze mal erfräut und sprach haimlich zu mir:
Sentence: 67     
Paris, waz dir Mercurius hät verhaizzen von mir, dez solt du sicher sein.
Sentence: 68     
also schiedend si von mir.
Sentence: 69     
ze stund erwaht ich von dem slauff.
Sentence: 70     
lieber herr und vater, gelaubst du, daz der götter gelübt nihtz sei.
Sentence: 71     
sicherlich ich waizz, und wen dez nit, ist daz ir mich schikt gen kriechen, Line: 30  daz ich dannan bring ain edel mähtig frawen, nach dem gehaizz Page: 49   Line: 1  der göttin.
Sentence: 72     
darumb lieber vater, ist, daz du mich schikst, so wizz, daz dir dein hertz erfräwt wirt.
Sentence: 73     
also tet er seiner red ain end.
Sentence: 74     
Deyphebus der dritt sun gab disen rat
Sentence: 75     
Line: 5  DArnach stund uf der dritt sun Deyphebus, dem maht man ain still zu seiner red.
Sentence: 76     
er sprach also:
Sentence: 77     
aller liebster küng, wär daz, daz ainer der ain sach mut hät ze getun, solt für gedenken all künftig schaden, die im davon ze leiden wärend, so wär muglich, daz sich nimmer kain man underwund kainer mänlichen sach.
Sentence: 78     
wann wär, daz der Line: 10  buman all zeit bedäht, wie vil im die fogel dez saumen nemend, den er wurft in die erd, er gesauwet leiht nimmer korn.
Sentence: 79     
darumb, lieber vater, haizzend die schiff beraiten, mit den ir iur volk schikend gen kriechen, wann mein bruder Paris rat mag niemand widersprechen.
Sentence: 80     
ist, daz er wirt nach der götter gehaizz ain edel frawen von krie\chen Line: 15  bringen in iur land, so mugt ir leiht mit der selben wider haben iur swester Exionam, von der wegen ir und all die iurn sind komen in grozz scham und schand, und habend auch die lüt in allen landen von uns ze reden.


Sentence: 81  
Helenus der vierd sun gab disen rat


Sentence: 82     
Line: 20  HElenus, der vierd sun dez küngs, darnach und Deyphebus ain end tet seiner red, stund uf und sprach also: mächtiger küng und vater, durch die er der götter, so laund die grozze begird, die ir haund wider iur veind iu nit betriegen.
Sentence: 83     
ir wizzend wol, daz ich mit der hilff der götter gesetzlich gelert bin in der kunst, mit der man Line: 25  künftig sach waizz ze sagen, daz Jur weisshait woll waizz, von Vil sachen, die ich iu vor gesagt han.
Sentence: 84     
ez waizz auch iur gnad wol, daz ich iu nie kain künftig sach gesagt haun, diu nit war sei worden.
Sentence: 85     
darumb, lieber herr, tund alz wol, daz Paris nit var gen kriechen, wann wizzend sicherlich, ist daz Paris vert gen kriechen, also daz Line: 30  er in schaden tut, oder daz er ain der edeln und mächtigen fra\wen Page: 50   Line: 1  bringt her in iur land, daz dann disiu mähtigiu stat Troy von grund uf erstört wirt von den kriechen, und daz wir all iur sun, die von iu komen sind, und auch der mertail iur bürger werdend geben in den tod.
Sentence: 86     
darumb rat ich iu, lieber herr, daz ir iur sin davon Line: 5  ziehend, davon ir grozz laid, schaden und arbait mugend haben, wann daz ist iu allez sicher, ist daz, daz Paris vert gen kriechen.
Sentence: 87     
darnach sass er trurig an sein stat.


Troilus der sun gab disen rat seinem vater



Sentence: 88     
DO der weiz und witzig Helenus disiu wort also het getaun, do ward Line: 10  aller der die do stundend mut zweifelich, und wurdend dez Ber ersrekt.
Sentence: 89     
davon ward von in allen ain still, daz niemand nihtz sprach.
Sentence: 90     
zu den selben worten sprach Troylus, der jüngst sun dez kiings, do er sach, daz der küng und all die do stundend also von Helenus red betrübt warend:
Sentence: 91     
o, ir edeln und ir mänlichen, warumb sind ir be\tr(ibt Line: 15  von der red ains klainen priesters.
Sentence: 92     
ez ist ain aygenschaft der priester, daz si in sullend fürhten, und nit sind gefüg zu streiten.
Sentence: 93     
von dez wegen.
Sentence: 94     
begernd si nit dann wol leben, und daz si mit essen und trinken vertreibend ir zeit.
Sentence: 95     
ez sol auch kain weiser, witziger man gelauben, daz iemand künftigiu ding mug sagen, wann daz Line: 20  ist niur in dem gewalt der götter.
Sentence: 96     
ez sol Helenus, der im also fürht, varn in die tempel der götter, daz er in da dien, und lauzz uns ander, die da vor rehter scham begernt ze rechen die schand, diu iu beschächen ist.
Sentence: 97     
o du edler küng und vater, warumb bistu betrübt uf Helenus wort, haizz diu schiff beraiten und allez daz volk Line: 25  daz man darzu bedarff, wann (wir) fürbaz solich schand und laster nit leiden sullend, die uns die kriechen getaun hand, on erzaigen unser maht gen in.
Sentence: 98     
also swaig der mänlich Troylus.
Sentence: 99     
dez wort und manhait lobtend all, die da stundend.
Sentence: 100     
do wat ain end der sprauch.
Sentence: 101     
darnach gieng der küng mit seinen sunen ze tisch.
Sentence: 102     
Page: 51   Line: 1  DO daz mal ain end nam, und der küng mit seinen sunen sazz in dem sal und waz inneclich girig ze vollfüren seinen mut, do hiezz er seinen sun Paridem und Deyphebum für sich komen und hiezz si, daz si ze stund furend in daz land Panonia, und da nement die aller be\sten Line: 5  und mänlichsten ritter, die si fundend, daz die mit in furend gen kriechen.
Sentence: 103     
und dez selben tags ritend si uf die vart.
Sentence: 104     
darnach an dem andern tag hiez der küng Priamus alz sein volk von der stat komen zu ainer sprauch.
Sentence: 105     
und do si komend, do sprach er zu in also:
Sentence: 106     
o ir lieben und ir getriuen bürger, ez ist iu und mir gnug Line: 10  offenbar, wie vil wir schanden, schaden und smähait von den kriechen haund geliten, von der sach wegen auch alliu land haund ze reden, so mag ich auch kain ru haben von dez wegen, daz mein swester Exiona also gehandelt wirt.
Sentence: 107     
nu wizzt ir wol, daz ich darumb den weisen man Anthenor sant gen kriechender ist komen mit solher Line: 15  anttwurt, alz ir wol wizzt.
Sentence: 108     
ez ist aber sicher ain war wort, daz man übel mit übel muss vertreiben, darumb haun ich gedaht, meinen sun Paridem schiken mit grozzem volk gen kriechen in daz land, daz er in da nach seiner vermugend grozzen schaden tu, und ob er mug, daz er ain edel mähtig frawen bring in ditz land, ob wir mit der selben Line: 20  lösen möhtend mein swester Exionam.
Sentence: 109     
daz wil ich doch nit tun, dann mit iur aller rat, wie daz ist, daz die sach inneclich mich antreff, so trifft ez iuch all gemainlich an.
Sentence: 110     
waz dann die gemaind an trifft, daz sol auch mit der gemaind rat volbraht werden.
Sentence: 111     
also tet der küng seiner red ain end.
Sentence: 112     
do swigend all, die da stundend. Line: 25 


Ain ritter hiez Pantheon gab dem küng disen rat



Sentence: 113     
DO stund uf ain ritter, der hiez Pantheon, der hät gehebt ainen vater, der waz gehaizzen Euforbius, der waz ain maister aller kunst, der stund vor den küng und sprach also:
Sentence: 114     
o edler und weis er küng, ich bin der, der gesetzlich und warlich getriu ist iurn gnaden, und Line: 30  waz ich da red, daz sol iur gnad verhörn, alz von ainem getriuen Page: 52   Line: 1  diener.
Sentence: 115     
ez waizz iur wirdikait wol, daz mein vatter Euforbius waz mer dann hundert und achtzig jar alt, und waz ze mal wol gelert in phylosophia, und wizzt auch wol ze sagen künftigiu ding.
Sentence: 116     
der hat mir offt für war gesagt, ist daz iur sun Paris vert gen kriechen, und Line: 5  daz er da raublich ain weip nimt, daz dann disiu edliu mähtigiu stat Troy von grund uf erstört wirt von den kriechen.
Sentence: 117     
so werdend ir und all die iurn iemerlich ertöt.
Sentence: 118     
darumb aller witzigester küng, volgend meinen worten, wann ez nit gut ist, der ainen weisen rat versmäht, aller maist in den sachen, da mit iur wirdikait nit Line: 10  Wirt bekrennkt, wann ich fürht, disiu sach sei iu ain ewiger val.
Sentence: 119     
ir solt iur gerut leben nit so gar uf ainen zweifel setzen, und ziehend davon iurn mut, und verzerent fürbaz hin iur alt tag mit lieb und mit gnaden, und wellend ir nit enbern, ir wellt volk schiken gen kriechen, so schikend doch ainen andern dar, dann iurn Line: 15  sun Paris.
Sentence: 120     
zu den worten dez selben ritters ward ain grozz murmel under dem volk, daz da stund.
Sentence: 121     
hät man dem gefolget, so möht Troy diu stat noch staun.
Sentence: 122     
aber daz da sein muss, daz kan niemand erwenden.
Sentence: 123     
doch zu dem lesten komend si all über ain, daz Paris solt varn gen kriechen.
Sentence: 124     
do diu red kom für dez küngs tohter Cassandram, Line: 20  daz sich der rat bestet het, daz Paris solt varn gen kriechen, da ward siu schreien und iamerlich gebärn, reht alz siu von sinnen komen wär und sprach also:

Sentence: 125     
O Du edliu grozziu mähtigiu stat Troy, wie haund die götter ie so groz laid über dich lauzzen ergaun, daz du so gar in kurtzer Line: 25  zeit must erstört werden, und dein hoch türen so gar genidert.
Sentence: 126     
und siu sprach zu irer muter:
Sentence: 127     
o du unseligiu Hecuba, und auch du unseliger küng Priamus, waz mugend ir getaun haun, daz iu so gar grozz laid künftig ist.
Sentence: 128     
warumb lauzzend ir Paridem meinen bruder varn gen kriechender ain ursach wirt also grozzen übels.
Sentence: 129     
siu mant Line: 30  und bat iren vater mit grozzem wainen, daz er Paridem nit Page: 53   Line: 1  liez varn gen kriechen, wann sicher ir all und iur sun werdent iamerlich erslagen, und diu edel stat erstört, daz sag ich iu war, so wizzt ir wol, daz ich gesetzlich gelert bin in aller kunst und sunder in der kunst, da man künftig sach von waizz ze sagen.
Sentence: 130     
der küng Line: 5  wolt sich daran nit kern, und hiez diu scheff beraiten, davon im her nach grozz übel und schad kom.



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This text is part of the TITUS edition of Hans Mair, Das Buch von Troja.

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