TITUS
Lamprecht, Alexander (Basler Bearbeitung)
Part No. 10
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Chapter: 18  
Alexander tötet Nectanabus


Verse: 437     Als küng Pilip ersach
Verse: 438    
des kindes frümdikeit, er sprach

Verse: 439    
'lieber sune min,
Verse: 440    
mir ist lieb die kreffte din,

Verse: 441    
doch eines dinges turet mich,
Verse: 442    
daz du mir niena bist gelich.'

Verse: 443    
do Ollipya erhort
Verse: 444    
... disse wort,

Verse: 445    
sy hies balde springen,
Verse: 446    
Nektanibus heimlich bringen.

Verse: 447    
als er nun komen was,
Verse: 448    
zuͦ im sprach Ollipyas

Verse: 449    
'meister, ich han gesant nach dir,
Verse: 450    
daz du erfindest, lieber, mir,

Verse: 451    
was nun der küng, min her, hab
Verse: 452    
gedacht mit einer rede: do der knab

Verse: 453    
Alexander vor im gieng,
Verse: 454    
den er lieplich umb vieng,

Verse: 455    
er sprach 'ich mine die kreffte din
Verse: 456    
und hasse daz niut bist gelich der fruͦwen min.'

Verse: 457    
als Nektanibus daz erhort,
Verse: 458    
der küngin forcht er zerstort.

Verse: 459    
'Ollipya, du solt früede tragen,
Verse: 460    
ich wil dir sicherlichen sagen,

Verse: 461    
daz guͦt sind die gedenk sin
Verse: 462    
gen dir und dem kindelin.'

Verse: 463    
an der selben stund
Verse: 464    
Nektanibus begund

Verse: 465    
eins sternen war nemen,
Verse: 466    
der im wol begonde zemen.

Verse: 467    
er sprach 'ich sich an dem stern
Verse: 468    
daz und dem kind müessen mern

Verse: 469    
aller einer selikeit.'
Verse: 470    
nun stund der knab gemeit,

Verse: 471    
Alexander, by in da;
Verse: 472    
er sprach 'vatter min, la

Verse: 473    
mich wissen, macht du gesehen
Verse: 474    
an den sternen, was dir sol geschehen ?'

Verse: 475    
'ja, vil liebes kint, wol.'
Verse: 476    
'vatter, so weist du oͮch wol,

Verse: 477    
wie din dot sol geschehen?'
Verse: 478    
'ja, das wil ich dir verjhehen:

Verse: 479    
ich stirb von dem eigen kint min.'
Verse: 480    
'das mag anders niut gesin,

Verse: 481    
vatter?' 'bis an allen wan.'
Verse: 482    
'der kunst wolt ich gerne künde han.'

Verse: 483    
Nektanibus sprach aber do
Verse: 484    
'des bin ich an dir vil fro:

Verse: 485    
so gang ze nacht mit mir,
Verse: 486    
was ich sich, daz züeg ich dir.'

Verse: 487    
nun giengen si vil trat
Verse: 488    
des nachtes mit enander spat.

Verse: 489    
Nektanibus vor gieng
Verse: 490    
uf dem graben, der do vieng

Verse: 491    
umb die selbi statt guͦt.
Verse: 492    
er sprach mit wisem muͦt

Verse: 493    
'Allexander, kint min,
Verse: 494    
sich an der sternen schin,

Verse: 495    
sich, wie trureklichen stat
Verse: 496    
Hercules, und früede hat

Verse: 497    
Mercurjus, der liechtte stern.
Verse: 498    
Jovis stot oͮch, des wil ich wern,

Verse: 499    
in ganczer früeden prise.'
Verse: 500    
do also der wisse

Verse: 501    
über sich ze himel sach,
Verse: 502    
Alexander schuͦf im ungemach:

Verse: 503    
er sties in in den tieffen graben.
Verse: 504    
'du alter schalk, daz solt du haben,

Verse: 505    
daz [du] wissen wilt so wol
Verse: 506    
am himel, was geschehen sol.'

Verse: 507    
Nektanibus sprach,
Verse: 508    
do im geschach daz ungemach

Verse: 509    
'kint, wiltu der worheit jhehen,
Verse: 510    
ich seit dirs, als es ist beschehen:

Verse: 511    
jch stirb von minem kind.'
Verse: 512    
Alexander, der geswind,

Verse: 513    
sprach 'bin ich denn der sunne din?'
Verse: 514    
'ja, daz hab uf die triuwe min.'

Verse: 515    
hie mit nam er sin ende.
Verse: 516    
nach disser missewende

Verse: 517    
Alexander kam in riuwe;
Verse: 518    
er gedacht an vetterliche triuwe

Verse: 519    
und nam in an den arm sin;
Verse: 520    
er truͦg in für die küngin.

Verse: 521    
als in Ollipya ersach
Verse: 522    
erschrokenlich sy sprach

Verse: 523    
'was treist du, lieber sun min?'
Verse: 524    
'Nektanibo, den meister din.'

Verse: 525    
'we mir' sprach Olinpyas
Verse: 526    
'er din rechtter vatter was.'

Verse: 527    
die red was Allexander leit.
Verse: 528    
er sprach 'frouw, ivwer tumpheit,

Verse: 529    
hand ir gevolget sere
Verse: 530    
wider iuch und iuwer ere.'

Verse: 531    
ze der rede kuͦnd sy stil getagen.
Verse: 532    
do hies si Nektanibum tragen,

Verse: 533    
die vil leide ...
Verse: 534    
da er begraben wurd.





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