TITUS
Lamprecht, Alexander (Basler Bearbeitung)
Part No. 24
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Chapter: 95  
Alexander belagert Tyros


Verse: 1001    gen Tiryus gezogen ward,
Verse: 1002    
die ze besiczene erkos.

Verse: 1003    
do er mengen helt verlos.
Verse: 1004    
..............................

Verse: 1005    
daz mer einhalb dar umb flos.
Verse: 1006    
die stat was an guͦtte rich

Verse: 1007    
si was wol einer mile breit.
Verse: 1008    
Daryo waren sy under dan.

Verse: 1009    
Allexander sinen botten sant
Verse: 1010    
in die stat: woltte sy des gezemen

Verse: 1011    
Daz sy in ze einem heren woltten nemen,
Verse: 1012    
des wolt er inen dank sagen

Verse: 1013    
und williges herzy tragen.
Verse: 1014    
die burger waren helt guͦt,

Verse: 1015    
sy enbutten im hin wider iren muͦt:
Verse: 1016    
sy forchten die wer klein,

Verse: 1017    
sin wille und sin mein
Verse: 1018    
ducht sy gar ein wicht;

Verse: 1019    
sy bedoͤrfften sin ze heren nicht,
Verse: 1020    
geruͦcht er in friuntlichen muͦt:

Verse: 1021    
ir kleinot und ir guͦt
Verse: 1022    
wolten sy im schenken,

Verse: 1023    
des solt er sich bedenken.
Verse: 1024    
..............................

Verse: 1025    
do Allexander die botschaft vernam
Verse: 1026    
von zorn er nider sas,

Verse: 1027    
bi sinem leben er sich vermas,
Verse: 1028    
er woltte sy haben sunder dank.

Verse: 1029    
da nach niut lang
Verse: 1030    
sant er siner fürsten dry

Verse: 1031    
.............................
Verse: 1032    
wider in die stat ze hant.

Verse: 1033    
er hies den besten duͦn bekant:
Verse: 1034    
war sy ir sine tetten,

Verse: 1035    
daz sy den versmacht hetten,
Verse: 1036    
den die Roͤmer müesten ze einem heren han

Verse: 1037    
und alle die krieschen lant under tan.
Verse: 1038    
.............................

Verse: 1039    
do die burger vernomen disse mer,
Verse: 1040    
.............................

Verse: 1041    
sy hiengen die botten all gelich.
Verse: 1042    
do Allexander daz erhort,

Verse: 1043    
all sin froͤd ward zerstort.
Verse: 1044    
er umbzoch die stat zehant,

Verse: 1045    
die zelt sluͦg man uf daz land.
Verse: 1046    
und mit schiffen uf dem mer

Verse: 1047    
mit sturm muͦt er sy ser,
Verse: 1048    
mit fiure er sy ser twang

Verse: 1049    
..............................
Verse: 1050    
oͮch wertten sy sich vestenklich

Verse: 1051    
..............................
Verse: 1052    
..............................

Verse: 1053    
zwenzig tusing der inren was.
Verse: 1054    
si sluͦgen im so vil sines heres,

Verse: 1055    
daz die ende des meres
Verse: 1056    
wurdent da von bluͦt rot.

Verse: 1057    
den usseren det oͮch gros not
Verse: 1058    
ein wint, der wester hies

Verse: 1059    
und daz mer dike reis:
Verse: 1060    
hundert schiff er im versankt;

Verse: 1061    
das volk alles ertrank.
Verse: 1062    
do Allexander kos die not,

Verse: 1063    
..............................
Verse: 1064    
des sturmes hies [er] abbe lan,

Verse: 1065    
die schiff in die hab gan.
Verse: 1066    
der wisse bedachte ...

Verse: 1067    
..............................
Verse: 1068    
..............................

Verse: 1069    
grosse buͦm er do gewan,
Verse: 1070    
die hies er ze samen machen

Verse: 1071    
..............................
Verse: 1072    
ze obnen hoch den dürnen da,

Verse: 1073    
wen man es getriebe so na,
Verse: 1074    
daz man die büem sigen lies

Verse: 1075    
und uf die muren steis,
Verse: 1076    
daz man zuͦ in moͤchte gan

Verse: 1077    
..............................
Verse: 1078    
einloff tusing sins hers

Verse: 1079    
sant er enhalb des mers
Verse: 1080    
und hies die buͦm vellen

Verse: 1081    
und bergfrid dar stellen.
Verse: 1082    
was der bumen gefiellen,

Verse: 1083    
daz si die machten ze kiellen.
Verse: 1084    
als Arabite daz befunden,

Verse: 1085    
(die den von Tiryus wol guͦttes gunden)
Verse: 1086    
sy wurden übles muͦtes gen Allexanders manen,

Verse: 1087    
die woltten sy triben danen.
Verse: 1088    
sy namen in vil sweri pfand:

Verse: 1089    
siner besten wigant
Verse: 1090    
ersluͦgen sy tusent oder me.

Verse: 1091    
.................................
Verse: 1092    
als Allexander daz vernam,

Verse: 1093    
er kos vier tusent siner man.
Verse: 1094    
mit den fuͦr er selber dan

Verse: 1095    
uf den berge ze Libam.
Verse: 1096    
daz gessese bevall er ze hant

Verse: 1097    
einem fürsten, was Berdix genant,
Verse: 1098    
und einem, hies Glasat,

Verse: 1099    
die warent im triuw und stet.
Verse: 1100    
Allexander da bewart

Verse: 1101    
..............................
Verse: 1102    
bis daz werk ward bereit

Verse: 1103    
..............................
Verse: 1104    
von Tiryus die burger

Verse: 1105    
erfuͦrn endlich die mer,
Verse: 1106    
daz Allexander danen was.

Verse: 1107    
sy fuͦren us mit gewalt,
Verse: 1108    
vil vast sy sich rachen:

Verse: 1109    
ein kastell sy im brachen.
Verse: 1110    
...............................

Verse: 1111    
mit fiur komen sy dar zuͦ.
Verse: 1112    
sluͦgen und hiengen

Verse: 1113    
alle die sy viengen.
Verse: 1114    
etlich kunden mit listen

Verse: 1115    
sich selb also fristen:
Verse: 1116    
sy sangten sich in des sewes grund,

Verse: 1117    
daz sy den tag nieman sach,
Verse: 1118    
und komen wider us gesunt.

Verse: 1119    
................................
Verse: 1120    
die von Tiryus namen die wider vart

Verse: 1121    
..............................
Verse: 1122    
Allexanders fürsten verhuͦben in daz burg tor

Verse: 1123    
da beschach ein hertter strit vor,
Verse: 1124    
des manig burger engalt:

Verse: 1125    
zwie hundert wurdent ir gevalt,
Verse: 1126    
die andren entrunen in die stat.

Verse: 1127    
der strit sust ein ende hat.
Verse: 1128    
ze der zit oͮch Allexander kam,

Verse: 1129    
aller erst huͦb sich die rechtte not.
Verse: 1130    
Allexander mit grossen krefften

Verse: 1131    
hies die schiff ze samen hefften
Verse: 1132    
mit hiuten wol bedeket

Verse: 1133    
..............................
Verse: 1134    
daz sy kein fiur forchtten

Verse: 1135    
und dar under wurchtten,
Verse: 1136    
was sy ze schaffen hatten.

Verse: 1137    
................................
Verse: 1138    
die mur hies er brechen

Verse: 1139    
...............................
Verse: 1140    
dar nach vellen in daz mer.

Verse: 1141    
dar wider was der inren her
Verse: 1142    
gar kreftig und gros.

Verse: 1143    
..............................
Verse: 1144    
alle die den sturm an sahen,

Verse: 1145    
für war sy daz jahen,
Verse: 1146    
daz mer wurde also bluͦt var

Verse: 1147    
...............................
Verse: 1148    
Allexander ward ein leider gast.

Verse: 1149    
die türn, die stuͦnden vast
Verse: 1150    
................................

Verse: 1151    
wurden in daz mer gezogen,
Verse: 1152    
sy brachen der besten muren ein

Verse: 1153    
................................
Verse: 1154    
die bergfrid hies er spanen

Verse: 1155    
obnan zuͦ den muren dar,
Verse: 1156    
daz sin werlich schar

Verse: 1157    
moͤchtte luͦffen zuͦ in uf die mur.
Verse: 1158    
do ward der sturm aber sur.

Verse: 1159    
Allexander kam uf die wer
Verse: 1160    
ze obrest und gebot dem her,

Verse: 1161    
daz sy bi der erden
Verse: 1162    
den ersten sturm liessen werden.

Verse: 1163    
nun sach er an der zinen stan
Verse: 1164    
den herzogen, dem Diryus was under tan.

Verse: 1165    
den gern schos er durch in,
Verse: 1166    
daz er viel von der muren hin.

Verse: 1167    
Allexander det einen sprung,
Verse: 1168    
nach im manig helt jung

Verse: 1169    
vom berffrit uf di zinen
Verse: 1170    
..................................

Verse: 1171    
etlicher sprang disen sprung,
Verse: 1172    
daz er sin niemer ward gesunt.

Verse: 1173    
die mur brachent sy uf die erden
Verse: 1174    
..............................

Verse: 1175    
do ward es wol wit,
Verse: 1176    
sich huͦb der herste strit,

Verse: 1177    
..............................
Verse: 1178    
wan man vant da keinen zagen,

Verse: 1179    
man mocht oͮch mengen schuͦwen
Verse: 1180    
durch den helm verhoͮwen.

Verse: 1181    
manig ritter an der stund
Verse: 1182    
ward durch sin halsberg wund,

Verse: 1183    
der oͮch lüczel genas.
Verse: 1184    
die slege man mit nide mas.

Verse: 1185    
durch schiltte sluͦgen die scharfen gern,
Verse: 1186    
die mangem datten hercze seren,

Verse: 1187    
der damit durchstochen ward
Verse: 1188    
..............................

Verse: 1189    
so mengen leitt er uf die wal,
Verse: 1190    
daz ir waren anne zal.

Verse: 1191    
do lag der dotten also vil
Verse: 1192    
..............................

Verse: 1193    
daz ... nieman
Verse: 1194    
mochtte wol gegan.

Verse: 1195    
die von Tire sunder der schand
Verse: 1196    
rachen wol ir hant:

Verse: 1197    
sy sluͦgen wunden wit.
Verse: 1198    
mit einem hertten strit

Verse: 1199    
durch brach sy Allexander schar
Verse: 1200    
und wider umb und komen dar

Verse: 1201    
zer porten wider iren dank.
Verse: 1202    
do ward ein ungefüege drang

Verse: 1203    
bis zer burg komen in.
Verse: 1204    
Allexander muͦst hie vor sin;

Verse: 1205    
die bortte er mit nide bestuͦnd,
Verse: 1206    
als noch die frechen tuͦnd.

Verse: 1207    
die het dry dürn veste,
Verse: 1208    
dannen wurden geschriben die geste,

Verse: 1209    
des ward Allexander zornhafft.
Verse: 1210    
...............................

Verse: 1211    
mit sinen fürsten er sich besprach
Verse: 1212    
umb den schaden, der im geschach.

Verse: 1213    
er sprach 'bedenken iuch bi zit,
Verse: 1214    
wand ir froͤmde helde sit:

Verse: 1215    
gewunen sy den überhang,
Verse: 1216    
so sind wir jemer me geschant.'

Verse: 1217    
der rat, der do ward getan,
Verse: 1218    
den wil ich iuch wissen lon:

Verse: 1219    
si reitten, daz er über se
Verse: 1220    
sant bald nach helffe me

Verse: 1221    
und von eichin spangen
Verse: 1222    
hies würken starke mangen,

Verse: 1223    
daz man mit werffen breche
Verse: 1224    
..............................

Verse: 1225    
die mangen waren schier bereit
Verse: 1226    
...............................

Verse: 1227    
niun und sibenzig wurden dar gestalt,
Verse: 1228    
die wol wurffen mit gewalt

Verse: 1229    
mit vollen wol geseillet.
Verse: 1230    
si wurden geteillet

Verse: 1231    
an driun end für die stat;
Verse: 1232    
Allexander bat

Verse: 1233    
Allexander kunt einen funt:
Verse: 1234    
er machte kriechs fiur ze stund,

Verse: 1235    
er schuͦf, daz wasser und issen bran;
Verse: 1236    
des warf er so vil in die stat,

Verse: 1237    
daz er si det aller wer mat.
Verse: 1238    
si muͦsten von den zinen gon

Verse: 1239    
.................................
Verse: 1240    
.................................

Verse: 1241    
sy trungen gen den bortten.
Verse: 1242    
Allexander brach sy mit nide nider,

Verse: 1243    
do mocht niemand wider.
Verse: 1244    
doch leid er grossi not,

Verse: 1245    
im beleib meng held dot.
Verse: 1246    
die stat wer im gewessen diur

Verse: 1247    
dene daz kreischy fiur.
Verse: 1248    
er kam in die stat gerant

Verse: 1249    
................................
Verse: 1250    
die sinen wolt er rechen,

Verse: 1251    
die türn hies er brechen,
Verse: 1252    
er gedach an sin swer:

Verse: 1253    
der besten burger
Verse: 1254    
hies er driu dusing vahen

Verse: 1255    
blenden und hahen
Verse: 1256    
gen den fürsten drin,

Verse: 1257    
die er hatte gesant vor hin in.
Verse: 1258    
des siges, den er do gewan,

Verse: 1259    
wer er ein bedacht man.
Verse: 1260    
des wer er niut gewesen fro

Verse: 1261    
...............................
Verse: 1262    
wand der sinen dot gelag

Verse: 1263    
...............................
Verse: 1264    
me den in Tirye der stat

Verse: 1265    
................................
Verse: 1266    
Ein küng hies Apollonyus,

Verse: 1267    
der stiffte die stat ze Tiryus,
Verse: 1268    
Anttyobus in veriagte,

Verse: 1269    
dar umb, daz er im sagtte
Verse: 1270    
und im des sante brieff,

Verse: 1271    
daz er sin dochter besleiff.
Verse: 1272    
Tiryus ist oͮch die stat

Verse: 1273    
..............................
Verse: 1274    
do got der heidnin dochter lost

Verse: 1275    
von des boͤssen geistes rost.



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