TITUS
Author: Konr.Meg. 
Konrad von Megenburg
Work: Nat. 
Das Buch der Natur


On the basis of the edition
Konrad von Megenberg,
Das Buch der Natur.
Die erste Naturgeschichte in deutscher Sprache,
hrsg. v. Franz Pfeiffer,
Stuttgart 1861

entered by Koyka Stoyanova,
Berlin, 1997;
TITUS version by Jost Gippert,
Frankfurt a/M, 28.2.1998 / 21.6.1998 / 30.8.1999 / 3.10.1999 / 1.6.2000 / 2.3.2003





Page: 1 
[Prolog]


Chapter / Strophe: 1  
Line: 1    Ain wirdig weibes krôn,
Line: 2    
in welhem klaid man die ansiht,
Line: 3    
sint ir tugentleicheu werc an kainem end verhandelt;
Line: 4    
si stêt geladen schôn
Line: 5    
(diu wârhait pilleich ir des giht)
Line: 6    
reht als ain engadischer reb, ob der sein fruht niht [wandelt.
   
Chapter / Strophe: 2  
Line: 1    
Sam tuot diu edel kunst:
Line: 2    
in welher sprâch man sei durchkift,
Line: 3    
doch ist si unverhawen an ir selben mit der zungen;
Line: 4    
geit ir diu red ir gunst,
Line: 5    
vingerzaigt auf si diu schrift,
Line: 6    
diu red schol unverschertet sein, mit clârhait schôn [umbslungen.
   
Chapter / Strophe: 3  
Line: 1    
In herzen ligt gedanch
Line: 2    
beslozzen gar mit guoter tür,
Line: 3    
daz sloz wirt aufgeslozzen ganz mit rehter rede slüzzel.
Line: 4    
kain red vâht redens vanch:
Line: 5    
ob ich der wârhait füezel spür,
Line: 6    
sleuzt si nicht auf gedenke gar, si rüert umbsunst den [drüzzel.

Page: 2  
Chapter / Strophe: 4  
Line: 1    
Ez sprichet manig man,
Line: 2    
mein tummer sin sei, daz ich trag
Line: 3    
die kunst von lateinischer sprâch in däutscheu wort [behüllet.
Line: 4    
ich würk daz ich kan.
Line: 5    
wen des verdriez, der sei ân clag
Line: 6    
und vlieh mein wunderleicheu werch, seit im dar ab [nu wüllet.
   
Chapter / Strophe: 5  
Line: 1    
Ez truog Jeronimus
Line: 2    
von hebraisch in lateines wort
Line: 3    
ganz waz diu wibel sinnes hât und auch von andern [zungen;
Line: 4    
sam truog Boethius
Line: 5    
von kriechisch in lateines hort
Line: 6    
mit fleiz waz Aristotiles het in die kunst gedrungen.
   
Chapter / Strophe: 6  
Line: 1    
Alsô trag ich ain puoch
Line: 2    
von latein in däutscheu wort,
Line: 3    
daz hât Albertus maisterleich gesamnet von den alten.
Line: 4    
gelust dich des, daz suoch:
Line: 5    
ez ist von manger dingen hort,
Line: 6    
diu uns gar wirdicleichen sint in der nâtûr behalten.




Page: 3  
Book: I     I.
Line: 1    
Line: 2    
VON DEM MENSCHEN IN SEINER GEMAINEN
Line: 3    
NATUR.



Line: 4    
GOT beschuof den menschen an dem sehsten tag nâch
Line: 5    
andern crêatûren und hât in beschaffen alsô, daz seins we\sens   5
Line: 6    
stük und seins leibes gelider sint gesetzet nâch dem
Line: 7    
satz der ganzen werlt, wan in dem menschen ist vernunft
Line: 8    
als in dem engel und kain ander crêatûr hât vernunft ân
Line: 9    
den engel und den menschen, und dar umb ist kain tier
Line: 10    
gelernich mit rehter kunst als der mensch ist. auch wegt   10
Line: 11    
diu sêl des menschen leib von stat ze stat recht als der
Line: 12    
himelweger tuot den himel. mit dem geleicht der mensch
Line: 13    
dem himel. auch als diu sunn ze mittelst stêt under an\dern
Line: 14    
planêten, dar umb, daz si irn schein gestrewen müg
Line: 15    
auf die andern stern über sich und under sich, alsô stêt   15
Line: 16    
des menschen herz ze mittrist in dem leib, dar umb, daz
Line: 17    
ez andern glidern craft gesenden müg. auch nimt der
Line: 18    
mensch sein narunge mit ezzen und mit trinken und
Line: 19    
wechst auf und ab. mit dem geleicht er den paumen und
Line: 20    
den kräutern und allen den dingen, die narunge pflegent.   20
Line: 21    
auch ist der mensch gemischet auz den vier elementen,
Line: 22    
die haizent feur, luft, wazzer und erd. mit dem ge\leicht
Line: 23    
er stainen und gesmeid und allem dem, daz auz den
Line: 24    
elementen wirt. dar umb als Aristotiles spricht: der
Line: 25    
mensch ain kindel ist, gêt er auf den henden, dar nâch   25

Page: 4  
Line: 1    
gêt er aufreht auf den füezen unz an daz letzt alter,
Line: 2    
pückt er sich dan wider zuo der erden, mit bezeugt
Line: 3    
er im selber, daz er von der erden komen sei und wider
Line: 4    
zuo erden werden muoz.
Line: 5    
hân ich kurz begriffen, wie der mensch der gan\zen   5
Line: 6    
werlt sei geleich. dar umb haizt er in kriechischer
Line: 7    
sprâch micrοcοsmus, daz ist als vil gesprochen als die
Line: 8    
clain werlt. dar umb sprechent hübsch leut: ich sach alle
Line: 9    
werlt in ainem rock.



Chapter / Strophe: 1     1.
Line: 10 
Line: 11    
VON DER HIRNSCHAL.



Line: 12    
schüll wir sagen von allen den stucken und ge\lidern,
Line: 13    
die an dem menschen sint, und des êrsten von
Line: 14    
dem haupt. Des menschen hirnschal ist auz hertem pain
Line: 15    
gemacht, dar inn sint vil næt und allermaist in der manne   15
Line: 16    
hirnschal. aber ain nât die umbgeit daz antlütz. iedoch
Line: 17    
ist etswenn ain menschen haupt gesehen, nindert ain
Line: 18    
nât an was, und daz bedäut des menschen gar langez
Line: 19    
leben, wan von dem alter druckt sich diu hirnschal ze\samen
Line: 20    
und wirt dik. der kindlein haupt sint niht vol\komen   20
Line: 21    
ê daz si redent, als wir her nâch sagen, wenn wir
Line: 22    
von dem hirn sagen. Diu hirnschal hât dreu kämerlein.
Line: 23    
daz ain ist vorn in dem haupt, und in dem ist der sêl
Line: 24    
kraft, die haizt fantastica oder imaginaria, daz ist als
Line: 25    
vil gesprochen sam deu pilderinne, dar umb daz si aller   25
Line: 26    
bekantleicher ding pild und geleichung in sich samnet.
Line: 27    
daz ander kämerlein ist ze mittelst in dem haupt und in
Line: 28    
dem ist der sêl kraft, die haizt intellectualis, daz
Line: 29    
ist vernunft. daz dritt kämerlein ist ze hinderst in dem
Line: 30    
haupt und in dem ist der sêl kraft, die haizt me\morialis,   30
Line: 31    
daz ist gedæchtnüss. die drei kreft der sêl die
Line: 32    
behaltent den schatz aller bekantnüss. Diu êrst wirt
Line: 33    
swanger, wenne si zuo gevæht diu pild und geleichnüss
Line: 34    
aller bekantleicher ding und diu pild antwürtend ir die

Page: 5  
Line: 1    
fünf auzwendigen sinn, die haizend gesicht, gehœrd,
Line: 2    
smeckende kraft, versuochende kraft und gerüerd. diu
Line: 3    
ander kraft in dem andern kämerlein die aht und schatzt
Line: 4    
diu dinch der vorenpfangen ebenpilde reht als ain witzi\geu
Line: 5    
êfraw. diu dritt kraft in dem hindersten kämerlein   5
Line: 6    
behüet und besleuzt getriuleich diu dinch und durchbrüeft
Line: 7    
und durchmerkt si reht als ain siehereu slüzzeltragerin.
Line: 8    
dar umb sicht man oft, daz ein mensch sein gedæchtnüss
Line: 9    
verleust, wenne ez sêr gewunt wirt hinden in daz haupt,
Line: 10    
oder daz ez sein beschaidenhait verleust, wenne ez ge\wundet   10
Line: 11    
wirt oder hart geslagen vorn an daz haupt. Ari\stotiles
Line: 12    
spricht, daz ain iegleich tier hab ain hert hirn\schal
Line: 13    
recht als ain iesleich paum hât hert wurz, wan der
Line: 14    
paumen wurzen ziehent ir narung auz der erden reht als
Line: 15    
der mensch sein narung nimpt mit dem mund. und dar   15
Line: 16    
umb haizt der mensch in kriechisch antrοpοs, daz ist ain
Line: 17    
verkêrter paum, wan der mensch hât sein haupt gekêret
Line: 18    
gên dem himel und die füez auf dei erd; hât der paum
Line: 19    
sein haupt gekêret in die erd und die füez gegen dem
Line: 20    
himel. Daz haupt ist oft siech von mangerlai sachen und   20
Line: 21    
sunderleich von hitz oder von kelten oder von vasten und
Line: 22    
von grôzer arbait. ist ez siech von hitz der sunnen in
Line: 23    
dem sumer, scholt ez twahen und salben mit po\puleon,
Line: 24    
daz vindest in der apotêken und kümpt von
Line: 25    
dem paum populus, als wir her nâch melden, wenn wir   25
Line: 26    
von den paumen sagen. scholt auch sitzen in den
Line: 27    
schaten, der wint zuo dir müg, und mach daz prunn\wazzer
Line: 28    
kalt mit stahel, mit küel dein haupt. ist aber
Line: 29    
daz haupt siech von kelten, wasch ez lang und wol
Line: 30    
mit warmem wazzer und salb ez mit dyaltea, daz vindest   30
Line: 31    
auch in der apotêken (wan sen dich nit dar nâch, daz
Line: 32    
ih dir von iedem wort ain halbez plat schreib), oder
Line: 33    
nim galgan und izz die und keuw die lang und verhab
Line: 34    
die nasen und den munt, daz dir der dunst in daz haupt
Line: 35    
. ist aber daz haupt siech von vasten und arbait,    35
Line: 36    
scholt oft ezzen und ie ain klain und twah dich mit

Page: 6  
Line: 1    
warm wazzer und izz alle tag muschât und halt negellein
Line: 2    
zuo der nasen und smack oft dar an und slâf dir gnuog.



Chapter / Strophe: 2     2.
Line: 3    
Line: 4    
VON DEM HIRN.



Line: 5    
Dar nâch schüll wir sagen von dem hirn. daz hirn   5
Line: 6    
ist kalter nâtûr, als Aristotiles spricht, und daz herz ist
Line: 7    
haizer nâtûr, und dar umb ist daz hirn gesetzt über daz
Line: 8    
herz, daz des herzen hitz des hirns kelten senftig. alsô
Line: 9    
sint auch andreu glider an dem menschen widerwärtig,
Line: 10    
wan ainz ist veucht, daz ander trucken, ainz kalt, daz   10
Line: 11    
ander warm. deu nâtûr macht daz herz des allerêrsten und
Line: 12    
dar nâch daz hirn und macht daz hirn allermaist auz erd
Line: 13    
und auz wazzer. dar umb ist ez kalt an im selber. Ga\liênus
Line: 14    
der spricht, daz sich daz hirn tail in zwai stuk.
Line: 15    
daz ain stuk ist gegen der rehten seiten, daz ander stuk   15
Line: 16    
gegen der lenken, und sprechent die maister von der nâ\tûr,
Line: 17    
daz deu zwai stuk underschaiden sein mit ainem
Line: 18    
wändlein. mit sint deu mitlisten kämerlein under\schaiden.
Line: 19    
daz hirn ist niht ain überflüzzikait in dem
Line: 20    
menschen, sam die gerben sint, die von dem menschen   20
Line: 21    
koment, noch ist von starken werhaftigen stüken. iedoch
Line: 22    
ist ez geleich alt den andern glideren in des menschen
Line: 23    
leib. daz hirn hât minner pluotes wan kainerlai ander
Line: 24    
väuhten, die in dem menschen sint, wan man sicht kain
Line: 25    
pluot in im; iedoch vleuzt colera von im in die ôrn und   25
Line: 26    
melancolica datz den augen und fleuma datz der nasen.
Line: 27    
daz hirn ist ain tail trucken als ein waicher taik, und
Line: 28    
dar umb daz ez nit pluotes hât ist kain âder in im klain
Line: 29    
noch grôz, die ain pluottragerin sei. Daz hirn hât des
Line: 30    
fünften sinnes niht, der haizt gerüerde, reht als daz   30
Line: 31    
pluot oder als ain überflüzzikait in dem menschen. und
Line: 32    
dar umb wenne mit dem vinger rüerst den wunden
Line: 33    
menschen auf sein plôz hirn, enpfint ez sein niht, reht
Line: 34    
als im sein hâr rüerst oder sein zehennagel. doch

Page: 7  
Line: 1    
wellent etleich maister, daz daz hirn hab enpfinden seins
Line: 2    
gepruches, wenne man ez zepricht; ez habe aber niht
Line: 3    
enpfindens seinr verendrung, wenn ez sich verendert von
Line: 4    
warm in kalt und von truken in fäuht. Daz hirn ist in
Line: 5    
dem menschen neur durch ain behaltung der nâtûr, reht   5
Line: 6    
als deu kelten in dem kelr ist durch die behaltung des
Line: 7    
weins. daz mensch hât ain grœzer hirn nâch seinr grœ\zen
Line: 8    
wan kain ander tier, und ain man hât ain grœzer
Line: 9    
hirn wan die fraw, und des menschen hirn hât in im vil
Line: 10    
clainr painlein, als Plinius apricht. ez spricht auch Ari\stotiles,   10
Line: 11    
daz des menschen hirn niht gar fäuht noch gar
Line: 12    
trucken sei, und ist umbvangen mit zwain häutlein, der
Line: 13    
ainz ist ze næhst pei der hirnschal, und daz ist daz ster\ker
Line: 14    
und daz enpfint versêrung; daz ander niht, dar
Line: 15    
umb, daz daz sterker etleich âdern hât, die pluottragerinne   15
Line: 16    
sint, daz ist an der stat, sich der hals veraint mit
Line: 17    
dem haupt. Plinius spricht, daz kain tier slâf, daz niht
Line: 18    
hirns habe.



Chapter / Strophe: 3     3.
Line: 19    
Line: 20    
VON DEM HAR.



Line: 21    
Des menschen hâr auf dem haupt wechst auz irdi\schem
Line: 22    
grobem rauch und haizem, der mit zæher fäuhten ist
Line: 23    
gemischt. daz hâr grâwet von der kelten des hirns, wenne
Line: 24    
diu nâtürleich hitz krank wirt, daz si des hirns kelten
Line: 25    
nicht mag gesenftigen, ez sei von alter oder von sorgen   25
Line: 26    
oder von unfuor. daz hâr reiset auz von überigem ge\presten
Line: 27    
der kost oder von fauler fäuhten in dem haupt
Line: 28    
oder in dem leib, als wir sehen an den auzsetzigen läuten
Line: 29    
und mêr an den mannen wan an den frawen und an den
Line: 30    
mannen, die maiden sint und ir gezeug niht habent, und   30
Line: 31    
daz ist von der kelten an den paiden. dar umb auch
Line: 32    
werdent die haizen man kal wenne si unkäusch pflegent,
Line: 33    
aber die frawen kalwent niht, von daz si kelterr nâtûr
Line: 34    
sint wan die man. Aristotiles spricht, daz die läut und

Page: 8  
Line: 1    
diu tier in den kalten landen habent gestracktez hâr und
Line: 2    
langez und oft weizez und hertez, aber in haizen landen
Line: 3    
als in môrnlant habent si kraus hâr und swarz. daz ist
Line: 4    
dar umb, daz die kelten den irdischen rauch strecket,
Line: 5    
daz hâr auz wirt, aber die hitz krimpft den selben rauch   5
Line: 6    
und krümpt in. Aristotiles spricht, daz ein iegeleich tier,
Line: 7    
daz vil hârs habe, und ein iegleich mensch unkäuscher
Line: 8    
sei dann ain anderz und auch ain iegleich vogel, der mêr
Line: 9    
vedern habe denn ain ander. der mensch hât mêr hârs
Line: 10    
auf dem haupt denn anderswâ, dar umb, daz sein hirn   10
Line: 11    
verhüllt sei vor starker kelten und vor überiger hitz.
Line: 12    
Plinius spricht, daz etleichen alten läuten, die tôt
Line: 13    
sint, in etswie vil tagen hâr wähst. daz ist dar umb,
Line: 14    
daz in den tagen sôgtâner rauch pei inen belaip, daz
Line: 15    
hâr auz wehst.   15



Chapter / Strophe: 4     4.
Line: 16    
Line: 17    
VON DEM SLAF.



Line: 18    
Der slâf ist niht anders wan ain einzug der sêle auf
Line: 19    
sich selber, alsô spricht Plinius. daz verstên ich alsô,
Line: 20    
daz der slâf sei ain einzug der werk der auzwendigen   20
Line: 21    
kreft der sêl. diu werk sint hœren, sehen, smecken und
Line: 22    
der andern sinne werk. und der einzug kümpt von dem,
Line: 23    
daz die gaist betrüebt sint oder sich inziehent von der
Line: 24    
glider müeden, und dar umb slâft der mensch gern von
Line: 25    
rauchigem ezzen, als knoblouch, pfarr, aschlouch und sô\gtânem   25
Line: 26    
ding oder von tunstigem tranch, ez sei stark wein
Line: 27    
oder ander tranch, wan der rauch, der auf gêt von dem
Line: 28    
magen in daz haupt, betrüebt die gaist, daz der sêl kreft
Line: 29    
si nicht gewaltigen mügent in irn werken; dar umb val\lent
Line: 30    
die läut nider in den kelern, möst inne gerent.   30
Line: 31    
auch wann der mensch gearbait hât, daz er müed ist,
Line: 32    
slâft er auch gern. ich hân gesprochen, der slâf sei ein
Line: 33    
einzug der auzwendigen kreft der sêl, dar umb, daz in
Line: 34    
dem slâf oft die inwendigen kreft der sêl wachent, als

Page: 9  
Line: 1    
wir enpfinden in den treumen und als wir sehen an den
Line: 2    
läuten, die in dem slâf auf stênt und klimment auf die
Line: 3    
dächer. den kinden treumet nieht vor dem dritten jâr
Line: 4    
oder vor dem vierden. ez spricht auch Aristotiles, daz
Line: 5    
man leut funden hab, den nie getraumt hab, und etleich,   5
Line: 6    
den neur getraumt hab in dem alter, und dar nâch stur\ben
Line: 7    
si oder wurden gar siech. etleich ômacht und des
Line: 8    
menschen enzucken sint dem slâf geleich.



Chapter / Strophe: 5     5.
Line: 9    
Line: 10    
VON DEN AUGEN



Line: 11    
Diu augen sint zwai edleu glider an dem menschen,
Line: 12    
wan daz gesicht, daz in den augen sitzet, gibt uns ze
Line: 13    
erkennen mêr ding denn kain ander auzwendich sin. Ari\stotiles
Line: 14    
spricht, daz gesicht ist nâhen pei dem hirn, wan
Line: 15    
des gesihtes nâtûr ist kalt und fäuht, reht als des hirns   15
Line: 16    
nâtûr, und daz vint man an kainen andern glidern des
Line: 17    
leibes. daz gesiht ist vorn in dem haupt, wan daz tier
Line: 18    
schol sehen waz vor im ist. ain holeu âder gêt von dem
Line: 19    
hirn zuo den augen, diu haizt opticus, diu tregt die sin\nelichen
Line: 20    
gaist zuo den augen, und wirt diu verschopt,   20
Line: 21    
mag daz aug nicht gesehen. die augen an dem men\schen
Line: 22    
sint næher pei anander denne an kainem andern
Line: 23    
tier nâch seiner grœzen. ain weg ze sehen ist gegeben
Line: 24    
paiden augen offen, dar umb daz icht ain aug sehe des
Line: 25    
daz ander niht sehe. daz aug versêrt oft den luft und   25
Line: 26    
die tier, die ez ansiht, dar umb daz in dem leib des augen
Line: 27    
fauleu fäuhten ist und vergiftiger dunst. alsô seh wir an
Line: 28    
frawen, die irn mônâtganch habent, daz si die newen
Line: 29    
spiegel fleckot machent, und wenne si ainem in sein
Line: 30    
siecheu augen sehent, werdent oft plâtern dar inn.   30
Line: 31    
dar umb spricht Avicenna, daz ain weip mit irm gesicht
Line: 32    
warf ain kämlein in ainen graben. des mensehen gesicht
Line: 33    
bedarf liehtes. iedoch schreibt man, daz Titus der kaiser
Line: 34    
in der vinster sæh, wenn er wacht, reht als an dem liehten

Page: 10  
Line: 1    
tag und wurden auch seineu augen niht krenker, wenn si
Line: 2    
lang in der vinster wâren, als an andern leuten geschiht.
Line: 3    
Der augen gestalt und ir varb sint zaichen der guoten
Line: 4    
und der pœsen siten in des menschen sêl. alsô schreibent
Line: 5    
uns die maister in ainer sunderleicher kunst von den   5
Line: 6    
zaichen, dar an man siht, ob der mensch mæzik oder un\mæzik
Line: 7    
sei, vorchtig oder türstig, hazzend oder minnend,
Line: 8    
traurig oder frœleich. dar umb spricht Plinius, daz der
Line: 9    
muot wone in den augen. Daz aug ist gesetzt in siben
Line: 10    
röcke, daz sint siben häutel, mit ist diu cristallisch   10
Line: 11    
fäuht verhüllt, dar an des gesihtes kraft ligt. kalteu
Line: 12    
ding sint den augen gesunt, aber diu hitz ist in schad,
Line: 13    
wan diu hitz entsleuzt der augen kraft. der augen spie\gel
Line: 14    
ist frei, daz daz clain augäpfelein nimpt ain pild
Line: 15    
aines ganzen menschen oder ains grœzern dinges. Diu   15
Line: 16    
augen sint alsô zart, daz man si leiht betrüeben mag
Line: 17    
daz si niht mêr oder kränkleich gesehent. iedoch hât
Line: 18    
man leut funden, den ir gesiht über zehen jâr wider wart.



Chapter / Strophe: 6     6.
Line: 19    
Line: 20    
VON DEN AUGENPRAWEN



Line: 21    
Die augenprâwe sint den augen nôtdürftig, dar umb,
Line: 22    
wenn daz tier slâf, daz kain auzwendigz dinch in daz
Line: 23    
aug valle. dar umb sprechent die maister, daz die augen\prâw
Line: 24    
sein reht als die zeun umb ainen garten, die des
Line: 25    
garten hüetend. aber als ich wæn, die überprâwe hât die   25
Line: 26    
nâtûr gemaht zuo ainer zierd der augen an dem menschen,
Line: 27    
und allerzierleichst sint die praunen überprâwe an den
Line: 28    
frawen, wenn si clain gekraizelt sint, reht als si ain mâler
Line: 29    
gepinselt hab. an den mannen schüllent si grœzer sein
Line: 30    
und räuher.   30



Chapter / Strophe: 7     7.
Line: 31    
Line: 32    
VON DEN OREN.



Line: 33    
Daz ôr an dem menschen ist ain venster, hin und her
Line: 34    
gekrümpt inwendig, und haizent ez die maister ain tür

Page: 11  
Line: 1    
oder ain porten der sêl, und an des fensters ende gegen
Line: 2    
dem hirn ist ein lindez häutlein, dar inn ist des gehœr\des
Line: 3    
kraft und kümpt alliu stimme hin, und wenn daz
Line: 4    
verwarlôset wirt, wirt daz mensch ungehœrnde. Ain
Line: 5    
iegleich tier, daz ôren hât, daz mag si gewegen hin und   5
Line: 6    
her, ân den menschen. daz verstên ich an den tiern, die
Line: 7    
ir ôrn erhebt habent von dem haupt. iedoch hân ich
Line: 8    
ainen mensehen gesehen, der sein ôrn wegt und die swar\ten
Line: 9    
auf dem haupt. Diu vorgenant sidel des gehœrdes ist
Line: 10    
gegen dem hindertail des haupts, dar umb daz daz selb   10
Line: 11    
tail vol lufts ist und ist niht flaischs noch hirns. daz
Line: 12    
vorgenant häutel ist vol nâtürleichs lufts und der luft
Line: 13    
nimpt die ebenpild aller stimme. Ez geschiht auch ze
Line: 14    
stunden von siechtum oder von ezzen oder von trinken,
Line: 15    
daz ain fremder rauch beslozzen wirt in dem pälglein,   15
Line: 16    
der vert hin und her und stôzt an die wend. wenn daz
Line: 17    
geschiht, dunkt den menschen, wie im ainz in den
Line: 18    
ôrn pauk. des gehœrdes nâtûr ist sinbel gesetzet vil
Line: 19    
nâh ze mitelst in dem haupt; dar umb hœrt der mensch
Line: 20    
die stimm, von welhem satz si her kümpt, si kom von   20
Line: 21    
oben oder von unten, von hinden oder von vorn. der
Line: 22    
auzwendich luft, der die stimm füert, muoz rüern den
Line: 23    
inwendigen luft in dem pälglein, dar umb daz er die
Line: 24    
stimm unz dar gefüeren müg.



Chapter / Strophe: 8     8.
Line: 25    
Line: 26    
VON DER NASEN.



Line: 27    
Diu nase ist ain sidel der smeckenden kraft der sêl,
Line: 28    
die derkent ainen smach vor dem andern. der nasen nutz
Line: 29    
ist auch, daz der mensch den âtem zeuht durch die nasen
Line: 30    
und daz er mit niest und sich saubert von der wüe\stikait   30
Line: 31    
des hirns. daz niesen geschiht von dem, daz
Line: 32    
sich der luft wegt in dem hirn und die fäuhten auztreibt.
Line: 33    
ez ist auch ain unverschrôten weg des auzwendigen lufts
Line: 34    
mit dem inwendigen nâtürleichen luft, der beslozzen ist

Page: 12  
Line: 1    
in den behenden âdern, die entspringent in dem herzen
Line: 2    
und gênt auf in daz hirn. scholt auch wizzen, daz
Line: 3    
des smackes sidel ist oben in der nasen gegen dem hirn
Line: 4    
in zwain mäuslein; wenn die überladen werdent mit übe\riger
Line: 5    
väuhten, die her ab fleuzt von dem hirn oder   5
Line: 6    
die kümpt von väuhtem luft, smekt der mensch niht
Line: 7    
wol sam ê. dar umb wenn der mensch die strauchen
Line: 8    
hât, smekt er niht leiht sam ê. auch wenn die
Line: 9    
dorn plüent, smeckent die jagenden hund niht leiht
Line: 10    
sam zuo andern zeiten. ez ist auch manich mensch, daz   10
Line: 11    
nümmer nihtes gesmecket, dar umb, daz im die vorge\nanten
Line: 12    
mäuslein von nâtûr sint verdorben.



Chapter / Strophe: 9     9.
Line: 13    
Line: 14    
VON DEM PART.



Line: 15    
Der part an dem menschen bedäut mannes gesläht.   15
Line: 16    
er wechst von rauchiger überflüzzichait als daz hâr auf
Line: 17    
dem haupt, und ist grœzer part an den haizen mannen
Line: 18    
dann an den kalten dar umb, daz mêr dunsts und rauchs
Line: 19    
in den haizen ist wan in den kalten. iedoch vint man
Line: 20    
etleich frawen, die part habent oben an dem mund, und   20
Line: 21    
daz ist ain zaichen, daz si gar haizer nâtûr sint und gæch\zornig.
Line: 22    
ain man, der ain maiden ist von jugent auf, der
Line: 23    
hât niht parts, dar umb, daz er der hitz beraubet wirt,
Line: 24    
von der part wechst. ist auch, daz ain man beraubet wirt
Line: 25    
seiner gezeuglein, reiset im der part und verleust sei\nen   25
Line: 26    
mänleichen muot und gewinnet ainen weibleichen sin.



Chapter / Strophe: 10     10.
Line: 27    
Line: 28    
VON DEM MUND.



Line: 29    
Der munt ist ain sidel und ain geschirr der versuo\chenden
Line: 30    
kraft der sêl, mit daz tier sein narung nimpt.   30
Line: 31    
der mensch hât den klainsten munt under allen tiern nâch
Line: 32    
seiner grœzen, aber diu andern tier habent weit giner und

Page: 13  
Line: 1    
prait und der mensch hât ainen engen sinbeln munt.
Line: 2    
daz ist ain zaichen, daz er mæziger sol sein an ezzen und
Line: 3    
an trinken dann alliu andreu tier, wie daz laider sei, daz
Line: 4    
er sich vræziger macht mit pœser gewonheit dann andriu
Line: 5    
tier. Diu versuochende kraft der sêl und daz gerüerd   5
Line: 6    
habent irn grunt in dem herzen; aber die andern drei
Line: 7    
sinn sitzent in dem haupt, und ist diu smeckende kraft
Line: 8    
der sêl ze mitlist zwischen den andern zwain und daz
Line: 9    
gesiht ist ob der selben kraft in allen tiern und daz ge\hœrd
Line: 10    
ist an der seiten. aber daz gesiht ist ob dem ge\hœrd   10
Line: 11    
an allen tiern. diu versuochende kraft der sêl ligt
Line: 12    
aller maist an dem rachen des mundes und sunderleich
Line: 13    
an ainr âdern, die gespannen ist durch die zungen.



Chapter / Strophe: 11     11.
Line: 14    
Line: 15    
VON DEN ZENDEN



Line: 16    
Die zend sint auz hertem pain und dar umb ver\prinnent
Line: 17    
si niht schier in dem feur sam die andern
Line: 18    
glider an dem tier, alsô spricht Plinius. ez spricht auch
Line: 19    
Ambrosius, daz ain iegleich wazzertier, daz zend hab,
Line: 20    
dick und ze samen gestaint und scharph zend hab, dar   20
Line: 21    
umb daz ez sein ezzen schier getailn müg mit dem mund
Line: 22    
und leihticleichen ân grôz weil verslinden dar umb, daz
Line: 23    
der wazzer waschen und ir fluz in daz ezzen niht nem,
Line: 24    
wan kain visch der ydrukt wan áin visch, der haizet
Line: 25    
scaurus.   25
Line: 26    
Aristotiles spricht, daz alliu tier, die hörner auf dem
Line: 27    
haupt habent, mangeln der zend an dem obern kinpacken,
Line: 28    
dar umb habent si zwên leib. in den vodern legent si
Line: 29    
daz ezzen des êrsten unz ez dar inn derwaicht, nement
Line: 30    
si ez dann her wider und kewent ez dann anderwaid, und   30
Line: 31    
daz haizt ydrucken. alsô sicht man an den rindern unt
Line: 32    
an den schâfen und an andern tiern wilden und zamen.
Line: 33    
Plinius der spricht, daz dreierlai zend sein: sagler
Line: 34    
oder stræler, als die naternzend und der hund und der

Page: 14  
Line: 1    
visch zend, wann die sint scharf und stênd oben von
Line: 2    
ainander als ainr sagen zend oder sam die weiten zend
Line: 3    
an ainem stræl. der andernlai zend sint geleichsetzel, als
Line: 4    
des menschen, des pferds und des affen zend, dar umb
Line: 5    
daz si geleich nâch ainander gezinelt stênt. der drit\tenlai   5
Line: 6    
zend sint hawer oder auzkrümler, als der hawenden
Line: 7    
swein und der helphant zend, mit si andreu tier ver\hawent.
Line: 8    
diu tier, die hörner habent, die habent niht
Line: 9    
sagler. kain tier verändert sein stockzend. des menschen
Line: 10    
letzsten zend, die zwinlein haizent, werdent gemacht   10
Line: 11    
von der nâtûr umb daz zwaintzigist jâr und etleich umb
Line: 12    
daz achzehent jâr, dar nâch und daz alter kurz oder lang
Line: 13    
ist von nâtûr. des hundes zend verlorn wachsent niht
Line: 14    
wider. die mänlein habent mêr zend wan die fräulein
Line: 15    
und daz ist allain an dem menschen und an den gaizen.   15
Line: 16    
Aristotiles spricht, daz ain iegleich landestier, daz sag\ler
Line: 17    
hab als ain hunt, daz izzet flaisch, und wenn ez
Line: 18    
trinken wil, schöpfet ez daz wazzer mit der zungen.
Line: 19    
aber diu tier, die gleichsetzler habent, die saugent daz
Line: 20    
wazzer in sich, als diu rinder. diu tier, die vil zend ha\bent,   20
Line: 21    
die sint langes lebens.



Chapter / Strophe: 12     12.
Line: 22    
Line: 23    
VON DER ZUNGEN.



Line: 24    
Diu zung hât zwaierlai ampt. daz êrst ist, daz si
Line: 25    
erkennt allez daz, daz versuochen und gerüerd erkennen   25
Line: 26    
mag, wann si erkent warm und kalt, fäuht und trucken,
Line: 27    
hert und waich an allen irn stucken. daz ander ampt
Line: 28    
ist, daz si der rede slüzzel ist, wann kain mensch gereden
Line: 29    
mag ân die zungen. Aristotiles spricht, daz diu zung diu
Line: 30    
pest sei, die weder ze prait noch ze smal sei noch ze   30
Line: 31    
dik noch ze dünn. ain löbleich zung ist mitelmæzich,
Line: 32    
wan die mag der mensch leichticleichen füern nâch seim
Line: 33    
willen. ain ledig zung, die niht haft, wirt gehindert an
Line: 34    
der sprâche oft von pœser gewonhait. als geschiht an

Page: 15  
Line: 1    
den kinden, die in ir kinthait zärtlent, die lispent gern
Line: 2    
wenn si gewachsent. Diu zung wirt ain stumminn von
Line: 3    
zwairlai sachen. des êrsten daz der mensch ungehœrnd
Line: 4    
ist von seinr gepurt. dar umb mag ez kain sprâch ge\vesten
Line: 5    
und dar umb missagent die juden, die spre\chent:   5
Line: 6    
züg man ain kint an ainer ainœd, künd ez he\braisch.
Line: 7    
wær dem also, künd ain stumme von gepurt
Line: 8    
hebraischen sprechen, und daz ist niht wâr. diu ander
Line: 9    
sach ist, daz diu zung geheft ist in den munt oder daz
Line: 10    
ireu pant, mit si der mensch zeuht, verwarlôst wer\dent.   10
Line: 11    
sam geschiht wann si daz parilis sleht. diu zung,
Line: 12    
die gar ze dick ist, macht lispend leut, und die ze dünn
Line: 13    
ist macht stamelnd und verzuckend sprâch.
Line: 14    
Aristotiles spricht, daz kain tier vil gir hab sam
Line: 15    
der mensch, dar umb ist dem menschen diu sprâch nütz   15
Line: 16    
und nôtdürftig, mit ez mangerlai aisch; aber ain taub
Line: 17    
oder ain ander tier aischt mit ainer stimm wes ez be\gert.
Line: 18    
diu zung verleust oft irn ganch und ir sprâch.
Line: 19    
daz geschiht von dem geprechen der wegenden kraft der
Line: 20    
sêl, und der geprech kümpt oft von dem hirn, wenn daz   20
Line: 21    
ain geswær hât, oder von kalter vergift, die di âdern
Line: 22    
besleuzt, oder von andern sachen.



Chapter / Strophe: 13     13.
Line: 23    
Line: 24    
VON DER STIMM.



Line: 25    
Diu stimm ist ain behender luft, geslagen oder ge\prochen   25
Line: 26    
zwischen zwain herten leibhaftigen dingen, der
Line: 27    
ainz sleht und daz ander den slak aufhebt. dar umb
Line: 28    
gehœrnt dreu dinch zuo der stimm. von êrsten der luft
Line: 29    
und dar nâch zwai leibhaftigeu dinch, die hert sein; dar
Line: 30    
umb der wollen auf wollen slüeg, würd kain stimm   30
Line: 31    
auz, si müezent auch geslagen werden auf ainander;
Line: 32    
dar umb wer ain hant gemach legt auf die andern,
Line: 33    
wirt kain stimm auz. si müezent auch ain praiten haben;
Line: 34    
dar umb wer ain nâdelspitz auf die andern stiez, würd
Line: 35    
kain stimm. zuo lustiger stimm gehœrt röscher luft, und   35

Page: 16  
Line: 1    
dar umb wenn der luft fäuht ist, sprechent die orgeln
Line: 2    
und die saitenspil niht süezleich sam wenn daz weter
Line: 3    
haiter ist. auch wenn diu kindlein fäuht öpfel und pirn
Line: 4    
ezzent, hangt in diu zæheu fäuhten in den rœrn,
Line: 5    
der luft innân gêt von der lungen in den hals, und dar   5
Line: 6    
umb sint si dann haiser. ez gehœrt auch zuo süezer
Line: 7    
stimm, daz daz leibig dinch eben sei an allen seinen
Line: 8    
stucken, daz sich der luft wider stôze. dar umb spricht
Line: 9    
ain rauheu videl niht wol sam ain wol palierteu fidel.
Line: 10    
Die stimm sint zwaierlai: aineu ist hinlaufend, diu   10
Line: 11    
ander herwiderlaufend. diu hinlaufend ist die von dem
Line: 12    
gestimten tier gêt hindan; diu widerlaufend die haizet
Line: 13    
ze latein echo, und geschiht wenn der gestimt luft sich
Line: 14    
widerstôzt an paumen oder an häusern, die in ainem tal
Line: 15    
derhœht sint und gelegen sint, daz si den gestimten   15
Line: 16    
luft ze samen haltent, daz er under der stimm form belei\ben
Line: 17    
muoz. wann lauft er kreizesweise wider zuo dem tier,
Line: 18    
daz die êrsten stimm macht, und bringt im ain geleich
Line: 19    
stimm wider. alsô siht man diu kindleu schreien vor den
Line: 20    
wälden, wan die wænent, ain holtzman antwürt in auz   20
Line: 21    
dem wald. der stimm ietwedreu ist zwairlai: schreibleich
Line: 22    
und unschreiblich. diu schreibleich ist die man geschrei\ben
Line: 23    
mag und mit puochstaben gevazzen sam diu wort
Line: 24    
Ave Marîâ. diu unschreibleich stimm ist die man niht
Line: 25    
geschreiben mag, sam der wainenden läut stimm und sam   25
Line: 26    
der voglein und der tier stimm. des menschen stimm
Line: 27    
sterkt sich von dem vierzehenden jâr unz an daz alter;
Line: 28    
krenkt si sich dann. diu stimm an dem menschen
Line: 29    
hât des antlützes weis, wan als ie der mensch sein selbes
Line: 30    
antlütz hât und dem andern niht gar geleich ist, alsô hât   30
Line: 31    
ie der mensch sein aigen stimm.



Chapter / Strophe: 14     14.
Line: 32    
Line: 33    
VON DEM AICHEL ODER WEINPERL.



Line: 34    
Daz aichelein oder daz weinperl ist ain klainez flai\schel
Line: 35    
hinten in dem mund und ist sinbel als ain aichel   35

Page: 17  
Line: 1    
oder ain weinper. dar umb haizet ez ze latein uvula, daz
Line: 2    
spricht weinper; aber die laien haizent ez daz plat und
Line: 3    
ist kain ander dinch. Aristotiles spricht, daz daz wein\perl
Line: 4    
zuo der stimm nütz sei, wenn ez niht ze grôz noch
Line: 5    
ze klain sei. ez geswillt auch ze stunden alsô, daz ez daz   5
Line: 6    
tier erstecket, und verbietent die ärtzt, daz man ez niht
Line: 7    
versneid noch gar absneid, wan stürb der mensch. ie\doch
Line: 8    
lêrent etleich, daz man zuogewachsen flaisch ab\gesneiden
Line: 9    
müg. aber ez ist mit sorgen.



Chapter / Strophe: 15     15
Line: 10 
Line: 11    
VON DEM ÜBERVALL.



Line: 12    
Der überval haizt ze latein epiglotis und spricht daz
Line: 13    
puoch, daz ich ze deutsch hie mach, daz ez niht anderz
Line: 14    
sei wann daz plat, von ietzunt gesait ist, und daz ez stê
Line: 15    
pei der zungen ursprunch. ez spricht auch, daz sein ampt   15
Line: 16    
sei, daz ez wechselleich bedeck die sluntrœrn, die daz
Line: 17    
ezzen und daz trinken in den magen tregt, und die luft\rœrn,
Line: 18    
die den luft zuo der lungen tregt, und tuot daz
Line: 19    
wechselleich; wan ez die sluntrœrn bedekt, ist diu
Line: 20    
luftrœr unbedackt, und diu luftrœr offen ist, ist diu   20
Line: 21    
ander bedackt: ez mag si paid mit anander niht ge\decken.
Line: 22    
aber Rasis und Avicenna redent anders von dem
Line: 23    
übervall und spricht Rasis, daz epiglotis gesament sei auz
Line: 24    
drein kruspeln, die sint alsô geschickt, daz si nütz sint
Line: 25    
zuo allerlaie stimm ze machen.   25



Chapter / Strophe: 16     16.
Line: 26    
Line: 27    
VON DER SLUNTRŒRN.



Line: 28    
Diu sluntrœr haizt ze latein ysophagus oder mery
Line: 29    
und ligt hinden gegen dem hals. die rœrn haizt Aristo\tiles
Line: 30    
des magen munt, dar umb, daz si rüert unz an der   30
Line: 31    
zungen ursprunch und nimt daz ezzen und daz trinken
Line: 32    
und tregt ez in den magen, daz ez diu nâtûr kocht und
Line: 33    
beraitt, daz ez nütz allen gelidern.

Page: 18  



Chapter / Strophe: 17     17.
Line: 1    
Line: 2    
VON DER LUFTRŒRN.



Line: 3    
Diu luftrœr ist ain grôziu âder und haizt ze latein
Line: 4    
trachea, und haizent si die wundertzt die lungrœr, dar
Line: 5    
umb, daz si vorn in dem hals gêt von der zungen ur\sprinch   5
Line: 6    
unz an die lungen und tregt den luft auz und
Line: 7    
ain von des menschen mund zuo der lungen. die rœrn
Line: 8    
bedeckt diu nâtûr oben, daz ihts von ezzen oder von
Line: 9    
trinken dar in vall, wan ez geschicht oft, daz etwaz dar
Line: 10    
in velt von ezzen oder von trinken: huost daz mensch   10
Line: 11    
als lang unz ez her wider auz kümpt. beleibt aber ez
Line: 12    
dar inn, stirbt der mensch. diu pest hilf wider ist,
Line: 13    
daz man den menschen mit der faust vast hinden auf
Line: 14    
den hals slach, unz daz daz ezzen her auz var. dar umb
Line: 15    
redent witzig läut wênig ob dem tisch, daz si daz be\hüeten   15
Line: 16    
wellent.



Chapter / Strophe: 18     18.
Line: 17    
Line: 18    
VON DER KELN.



Line: 19    
Diu kel ist neur in dem menschen, in den sweinen
Line: 20    
und in den vogeln und in den tiern, die den geleich sint.   20
Line: 21    
diu kel hât oben ain pain ze mitelst durchhölert an der
Line: 22    
stat, daz haupt veraint ist mit dem hals. daz pain
Line: 23    
scheint aller maist an den mannen under dem kinn, aber
Line: 24    
man siht ez an den frawen selten oder nümmer. diu kel
Line: 25    
ist voller kruspeln und knoden und hât geleich staffeln.   25
Line: 26    
die staffeln steigt und gêt diu stimm auf und schikt si
Line: 27    
, daz si ze worten werden müg. diu kel hât die kraft,
Line: 28    
daz si münzet und stellet die stimm und daz gesanch, wie
Line: 29    
daz sei, daz si der wort nicht formier.



Chapter / Strophe: 19     19
Line: 30 
Line: 31    
VON DEM HALS.



Line: 32    
Der hals ist ain säul, diu daz haupt aufhelt und
Line: 33    
veraint daz haupt mit dem leib. der hals ist auz kru\spelischem

Page: 19  
Line: 1    
flaisch gemacht aller maist inwendich, und
Line: 2    
stêt auch der hals ze næhst nâch der keln gegen dem
Line: 3    
ruck. der hals hât vil âdern, durch die vliezent die gaist
Line: 4    
und daz pluot von dem herzen und von der lebern in daz
Line: 5    
haupt und in die sideln aller sinnen und aller kreften   5
Line: 6    
der sêl.



Chapter / Strophe: 20     20.
Line: 7    
Line: 8    
VON DEN ACHSELN.



Line: 9    
Der mensch hât grœzer achseln dann kain ander tier
Line: 10    
nâch seiner grœzen, daz ez mit trag und hab sein pürd.   10
Line: 11    
die achseln sint gemacht von starken painen, dar umb,
Line: 12    
daz der mensch nôtdürftig ist, daz er an der stat stark
Line: 13    
sei. die schuldern sint den achseln zuo gesellt und die
Line: 14    
schuldern sint praiteu pain dünneu dar umb, daz si daz
Line: 15    
flaisch vast halden auf den achseln, und sint dar umb   15
Line: 16    
mæzicleichen dünne, daz si der prust schônhait mit irr
Line: 17    
übriger dicken iht unschœnen, wann ez unschœnt den
Line: 18    
menschen wenne im die achseln her für hangent gegen
Line: 19    
der prust.



Chapter / Strophe: 21     21
Line: 20 
Line: 21    
VON DEN ARMEN.



Line: 22    
Der mensch hât sein arm her für gepogen und an\dreu
Line: 23    
tier nâhent elleu habent ir arm hin hinder sich ge\pogen,
Line: 24    
ân den affen und die im geleich sint. Die arm
Line: 25    
sint gemacht auz starken painen und daz voder tail des   25
Line: 26    
arms, daz veraint ist mit der hant, ist auz zwain painen,
Line: 27    
der ainz grœzer ist wann daz ander. aber daz hinder
Line: 28    
tail, daz veraint ist mit der achseln, daz hât neur áin
Line: 29    
starkez kreftigez pain. doch wizz, daz diu glider an dem
Line: 30    
menschen aigenleich achsel haizent und an den tiern   30
Line: 31    
haizent si püeg. die arm sint gemacht stark und piegleich
Line: 32    
geschikt zuo allen werken. in den armen sint vil âdern
Line: 33    
und rœrlein, auz den man aller gemachsamist daz sched\leich
Line: 34    
pluot geziehen mag in dem menschen.

Page: 20  



Chapter / Strophe: 22     22.
Line: 1    
Line: 2    
VON DEN MÄUSLEIN.



Line: 3    
Etleich maister sprechent, daz sechs mäuslein in dem
Line: 4    
menschen sein, zwai in den henden, zwai in den armen
Line: 5    
und zwai in den painen. den sechsen gesellent etleich   5
Line: 6    
noch vier stuck, die haizent si auch mäuslein. diu vier
Line: 7    
stuck sint daz herz, daz hirn und diu zwai gezeuglein an
Line: 8    
den mannen, und diu letzsten dreu setzt Galiênus. aber
Line: 9    
daz hirn haizt er niht ain mäuslein. Nu sprechent die
Line: 10    
andern maister, daz ez niht zimleich sei, daz man diu   10
Line: 11    
edeln stuck des leibs mäuslein haiz , wan ain mäuslein,
Line: 12    
als wir ez hie nemen, ist ain geschirr der willicleichen
Line: 13    
wegung an den glidern und ist gesamnet auz flaisch und
Line: 14    
auz âdern und auz nâtürleichen panden, und spricht Rasis,
Line: 15    
daz ir fünfhundert und aht und zwainzig sein nâch der   15
Line: 16    
lêr Galiêni. Nu schreibt unser buoch neur von den grô\zen
Line: 17    
mäuslein. scholt auch wizzen, daz diu zwai mäus\lein
Line: 18    
an den armen pei den elnpogen niht wunden geleiden
Line: 19    
mügen: werden si aber verwunt, stirbt der mensch.
Line: 20    
iedoch leidet daz leben, daz man den arm absneidet mit   20
Line: 21    
den mäuslein. daz selb spricht man auch von den mäus\lein
Line: 22    
an den painen und an den henden. iedoch sprechent
Line: 23    
si, daz der tôt niht gewis sei an den mäuslein sam in
Line: 24    
den armen.



Chapter / Strophe: 23     23
Line: 25 
Line: 26    
VON DEN HENDEN.



Line: 27    
Die hend an dem menschen sint an der vordern
Line: 28    
füeze stat gemacht, alsô Aristotiles spricht. seind der
Line: 29    
mensch vernuoft hât und witz über alliu tier, hât im
Line: 30    
diu nâtûr die hend geben, mit er vil gewürken mag,   30
Line: 31    
und dar umb sprechent die weisen, daz man des men\schen
Line: 32    
sin aller maist brüef an den augen und an den
Line: 33    
henden. Plinius spricht, daz man der rehten hant

Page: 21  
Line: 1    
wünsch in angsten und in nœten und daz man si raich
Line: 2    
in trewen.



Chapter / Strophe: 24     24.
Line: 3    
Line: 4    
VON DEN VINGERN.



Line: 5    
Die vinger sint in die hend gepelzet dar umb, daz   5
Line: 6    
die hend geschickt und gemachsam sein zuo allen werken,
Line: 7    
wan Aristotiles spricht, daz der vinger adel gemachsam
Line: 8    
sei ze nemen, ze behalten, ze geben und aller maist ze
Line: 9    
underschaiden. des daumen kraft ist geleicht den kreften
Line: 10    
aller anderr vinger.   10



Chapter / Strophe: 25     25.
Line: 11    
Line: 12    
VON DEN NEGELN.



Line: 13    
Der negel ist nôtdürft, dar umb daz si der vinger
Line: 14    
end bedecken an den henden und an den füezen. der
Line: 15    
negel nâtûr ist ein mitel zwischen dem pain und der   15
Line: 16    
kruspeln, wan der nagel ist waicher dan ain pain und ist
Line: 17    
herter dan ain kruspel. der nagel enpfindet niht, wenn
Line: 18    
man in versneit, dann an der stat, er dem flaisch ist
Line: 19    
zuogesellet; daz ist dar umb, daz er der gesinten kreft
Line: 20    
der sêl niht hât, recht als daz hâr. die negel verwan\delnt   20
Line: 21    
ir varb in dem tôde und in etleichen wêtagen. der
Line: 22    
andern tier negel sint scharf und hert, dar umb daz si ir
Line: 23    
waffen sint und daz si mit andreu dinch reizent. des
Line: 24    
menschen negel, wenn die klain sint, daz bedäut des
Line: 25    
menschen leichtikait, und wenn si dünn sint rôtvar durch   25
Line: 26    
weiz gemischet, daz bedäut des menschen behenden sin.
Line: 27    
ain iegleich vogel, der krump klâen hât, der trinket niht
Line: 28    
wazzers dar umb, daz er flaisch izzet, daz fäuhter ist wan
Line: 29    
daz ezzen anderr vogel. all vogel krummer klâen sint
Line: 30    
scherphers gesihts und fliegent hœher dan ander vogel,   30
Line: 31    
dar umb, daz si ir ezzen von vern mügen gesehen, wan
Line: 32    
die vogel lebent neur raubens.


Page: 22  
Chapter / Strophe: 26     26.
Line: 1    
Line: 2    
VON DEN PAINEN IN DEN GLIDERN.



Line: 3    
Galiênus spricht, daz daz pain der êrsten glider ainz
Line: 4    
sei, diu geleicher stuck sint, und ist daz pain hert gemacht
Line: 5    
von nâtûr dar umb, daz ez ain aufhaltung sei des leibs   5
Line: 6    
und der waichen gelider, wenn sich die von stat ze stat
Line: 7    
wegent, wie daz sei, daz ain pain herter sei wan daz an\der
Line: 8    
in dem leib. dar umb sint diu pain des kranken
Line: 9    
flaisches aufhaltung, recht als die pfæl in ainer klänten
Line: 10    
want den laim aufhaltent. die herten pain sint inwendig   10
Line: 11    
hol, weiz und gar werhaft. der manne pain sint sterker
Line: 12    
wan der frawen pain, ân allain an den frawen, die Amazône
Line: 13    
haizent: sint der frawen pain sterker wann der manne
Line: 14    
und der frawen lant haizt von etleichen der maide lant.



Chapter / Strophe: 27     27
Line: 15 
Line: 16    
VON DEM MARK.



Line: 17    
Daz mark ist ain überflüzzichait des pluots und ist
Line: 18    
in den painen, diu hol sint nâch Galiêni lêre, und daz
Line: 19    
bezaichent uns, daz ain iegleich tier, daz vil ünslits hât
Line: 20    
und vaizten, daz hât vil markes, als wir allermaist sehen   20
Line: 21    
an den kinden: wenn diu gesterbent, vint man vil
Line: 22    
pluotes in irn painen und wênich marks. daz ist dar umb,
Line: 23    
daz daz pluot niht wol gekocht mag werden ze mark,
Line: 24    
wan diu hitz ist noch niht stark in den kinden, daz si
Line: 25    
daz kocht pluot weiz müg gemachen und in mark müg   25
Line: 26    
verkêrn. dar umb ist daz mark ain überflüzzichait des
Line: 27    
pluots, daz diu pain speist und fuoret. daz bezaichent
Line: 28    
uns, daz daz mark warm ist und fäuht und diu pain sint
Line: 29    
kalt und trucken. und dar umb ist verseheleich, daz daz
Line: 30    
mark mêr sei ain überflüzzichait in den painen wann daz   30
Line: 31    
ez ir narung sei. daz ist bezaichent mit, daz man vil
Line: 32    
marks vindet in den painen der kalten tier, wann diu hitz
Line: 33    
mag in den painen niht vaizten gemachen noch enmag
Line: 34    
daz mark verzern, und dar umb hât der leb niht marks,

Page: 23  
Line: 1    
wann ez wirt verzert von der übrigen nâtürleichen hitz,
Line: 2    
die in des lewen painen ist. iedoch bringt daz mark den
Line: 3    
painen die hilf, daz ez si fäuhtet und waicht oder zæch
Line: 4    
macht, dar umb, daz si niht zerbrechent. übrigeu wegung
Line: 5    
und arbait trückent diu pain und macht si alle ze dürr.   5
Line: 6    
daz mark ist rôt in den jungen leuten und ist weiz in
Line: 7    
den alten. alsô spricht Plinius. Diu wazzertier habent
Line: 8    
niht markes.



Chapter / Strophe: 28     28.
Line: 9    
Line: 10    
VON DEM FLAISCH.



Line: 11    
Daz flaisch ist krank, waich und zart und wirt leicht
Line: 12    
zerbrochen. diu pest schickung des flaischs ist, daz ez
Line: 13    
niht ze mager noch ze vaizt sei und daz brüeft man dar
Line: 14    
an, daz diu glider mæzik sint und zimleichen dervollet.
Line: 15    
des flaischs vaizten ist pei dem nabel und pei den lenden.   15
Line: 16    
wir brüefen auch dar an wol, wenn daz flaisch wol ge\schickt
Line: 17    
ist, daz der leip leicht enpfint wol oder . aber
Line: 18    
ungeschickt flaisch ist daz niht leicht enpfint. Galiênus
Line: 19    
spricht, daz daz flaisch dar zuo nütz sei, daz ez die klun\sen
Line: 20    
zwischen den painen und den âdern derfülle und daz   20
Line: 21    
ez diu gelider ze samen hab. daz flaisch daz hât man\gerlai
Line: 22    
gestalt in mangerlai glidern, wann daz flaisch in
Line: 23    
der lungen ist von rôter rôsenvarb und ist satrôt in dem
Line: 24    
herzen, in der lebern ist ez purpervar, in der milz ist ez
Line: 25    
swarz oder swarzlot.   25



Chapter / Strophe: 29     29.
Line: 26    
Line: 27    
VON DER HAUT.



Line: 28    
Diu haut oder daz vel an dem tier ist gestrecket über
Line: 29    
alliu glider, dar umb, daz ain alsô grôzeu samnung der
Line: 30    
glider mit einer decke gepunden sei. des menschen vel   30
Line: 31    
ist dünn und mag leicht versêrt werden. daz ist dar umb,
Line: 32    
daz der mensch kan im selber ander decke machen,
Line: 33    
mit er sich bewart, des andreu tier niht künnen. Ga\liênus
Line: 34    
spricht, daz daz vel mangerlai sei an dem men\schen,

Page: 24  
Line: 1    
wann ainz ist dünn, daz ander dik. daz vel
Line: 2    
dik ist, ist ez sleht und ains senften griffs, ez dünn
Line: 3    
ist und zesträut auz ainander, ist ez oft gar rauch
Line: 4    
und hertgriffig. daz trückner vel ist räuher und daz
Line: 5    
fäuht ist senftiger an dem griff.   5



Chapter / Strophe: 30     30.
Line: 6    
Line: 7    
VON DEM RUCKEN.



Line: 8    
Der ruck hât seinen anvanch an dem hals und strecket
Line: 9    
sein leng unz an die mistporten, und der dorn, der den
Line: 10    
rucken zesamen helt, ist auz vil painen, diu sint alliu ze   10
Line: 11    
mitelst durchlöchert, und den selben painen sint diu ripp
Line: 12    
ze paiden seiten zuo gesellt. diu selben pain in dem
Line: 13    
rucken sint gezalt nâch der zal der ripp, und gêt ain
Line: 14    
langez mark durch diu pain oben in dem ruck von dem
Line: 15    
hals unz an daz end geleich ainem strick.   15



Chapter / Strophe: 31     31.
Line: 16    
Line: 17    
VON DER PRUST.



Line: 18    
Diu prust an dem menschen ist zart, alsô daz si niht
Line: 19    
wol arbait mag geleiden ân irn schaden, und daz ist des
Line: 20    
êrsten von des herzen wegen, daz in der prust sitzet, und   20
Line: 21    
ist auch von der gaistleichen ding wegen, die ir sideln
Line: 22    
habent etswie vil in der prust. ez ist ain praitz pain
Line: 23    
voller rœrlein in im selber ze mitelst in der prust, dem
Line: 24    
sint die ripp und die âdern zuo gesellt, und under dem
Line: 25    
selben pain entspringent die vodersten âdern, daz pluot   25
Line: 26    
inne lauft und die ze latein vene haizent. die selben
Line: 27    
âdern estent sich überal zuo den andern glidern reht als
Line: 28    
die est an ainem weinreben. aber von den âdern werden
Line: 29    
wir her nâch sagen. Aristotiles spricht, daz der mensch
Line: 30    
ainr praiten prust sei in seiner grœze gegen andern tiern.   30
Line: 31    
dar umb, lieber mensch, strek dein prust gegen deinem
Line: 32    
schöpfer, und mach dein gir prait und grôz gegen im.

Page: 25  



Chapter / Strophe: 32     32.
Line: 1    
Line: 2    
VON DEN PRÜSTLEIN.



Line: 3    
Diu prüstel an den frawen sint gemacht von der nâ\tûr
Line: 4    
auz waichem lindem flaisch und die schüllent an den
Line: 5    
juncfrawen klain sein und tapfer. ez spricht auch Ari\stotiles,   5
Line: 6    
wenn die juncfrawen habent prüstel zwaier twerh\vinger
Line: 7    
lang, beginnent si die man liep haben. der
Line: 8    
swarzen frawen milch ist pezzer wan der weizen. aber
Line: 9    
an den gaizen ist ez anders: wan der weizen gaize milch
Line: 10    
ist pezzer wan der swarzen. daz verstên ich also. die   10
Line: 11    
frawen, die swarz sint von grôzer hitz, habent pezzer
Line: 12    
milch wan die frawen, die weiz sint von kalter nâtûr.
Line: 13    
wilt aber gemainleich wizzen, welher frawen milch
Line: 14    
pezzer sei, nim ain glas oder ain glate tafeln von holz
Line: 15    
und des gespüns tropfen dar auf: sint si dann dick   15
Line: 16    
und zevliezent niht, ist daz gespünn guot, zevliezent
Line: 17    
si aber, ist ez niht guot. scholt auch wizzen, daz
Line: 18    
der unvernünftigen tier milchwäppel aigenleichen äuter
Line: 19    
haizent, aber an der frawen haizent si prüstel oder tütel.
Line: 20    
iedoch ist ez underschaiden, wan an den juncfrawen, die   20
Line: 21    
noch niht swanger sint gewesen, haizent si aigenleichen
Line: 22    
prüstel von der prust, si an stênt, und an den frawen,
Line: 23    
die kindlein genesen sint, haizent si aigenleich tütel oder
Line: 24    
fruhttragerlein, dar umb, daz si den kinden ir fruht tra\gent
Line: 25    
und ir narung. kain tier hat seineu äuter vorn an   25
Line: 26    
der prust sam der mensch hât seineu prüstel.



Chapter / Strophe: 33     33.
Line: 27    
Line: 28    
VON DEM HERZEN.



Line: 29    
Daz herz ist ain anvanch des lebens, und der anvanch
Line: 30    
ainr iegleichen wegung ist in dem herzen. Plinius spricht,   30
Line: 31    
daz daz herz sei ain lucern des leibes, wan diu nâtûr hât
Line: 32    
daz herz gesetzt ze mitelst in den leip, dar umb, daz ez

Page: 26  
Line: 1    
ain prunn und ain ursprinch ist der kreften aller andern
Line: 2    
glider, und ist ain schatzlädlein des lebens. dar umb
Line: 3    
hât ez diu nâtûr ze mitelst verporgen. daz herz ist daz
Line: 4    
êrst, daz an dem tier lebt in der muoter leib, und ist
Line: 5    
daz letzst, daz stirbt. ez ist auch kain glit, vil   5
Line: 6    
pluots inne sei unflüzzich und beleibend stên in im selber
Line: 7    
denn neur daz herz. wan daz herz hât zwai kämerlein,
Line: 8    
daz ain gegen der rehten seiten und daz ander gegen der
Line: 9    
denken, und dar inne ist edelz pluot und die edeln gaist,
Line: 10    
dar an daz leben ligt. und die gaist und daz pluot   10
Line: 11    
laufent in den âdern von dem herzen in die andern gli\der,
Line: 12    
als wir her nâch sagen von den âdern. daz herz ist
Line: 13    
gesetzt zuo der lungen, dar umb, daz diu lung waich ist
Line: 14    
und luftvängik, dar umb gibt si dem herzen ain küeln,
Line: 15    
daz ez iht erstick von seiner aigen hitz, wann daz herz   15
Line: 16    
ist daz allerhaizist glid, daz in dem tier ist. ez ist auch
Line: 17    
daz herz oben prait und unden spitzik und ist ze mitelst
Line: 18    
in der prust, ân daz ez sich ain klain naigt gegen dem
Line: 19    
denken prüstlein, ez wær anders diu tenk seit gar ze kalt.
Line: 20    
daz herz ist auz hertem dickem flaisch und ist in aim   20
Line: 21    
menschen grœzer denn in dem andern. des menschen
Line: 22    
herz ist waicher denn anderr tier herz. welhez tier ain
Line: 23    
grôz herz hât gegen seinem leib, daz ist vorhtich, und
Line: 24    
welhez ain mitelmæzigz herz hât, daz ist dürstich. daz ist
Line: 25    
dar umb, daz diu nâtürleich hitz und kraft ain grôz herz   25
Line: 26    
niht erfüllen mag sam ain mitelmæzigz. seind nun diu
Line: 27    
kelten ist ain sach der vorht, ist der spruch wâr, und
Line: 28    
dar umb sint die hirz und die esel und die hasen vorh\tiger
Line: 29    
wan andreu tier, wann si habent vil grœzereu herz
Line: 30    
nâch irn leiben wan andreu tier. Daz herz mag niht   30
Line: 31    
geleiden als andreu inwendigeu glider, wann man sicht
Line: 32    
an der tôten herz kain versêrung als an andern glidern,
Line: 33    
wunden, genagung, swern, stain und sämleich dinch. ie\doch
Line: 34    
beleibt daz leben in dem tier lang daz herz
Line: 35    
lebet. daz aber daz herz leit auch sam diu andern gli\der,   35
Line: 36    
des entuot ez niht, wann der tôt vürkümpt des her\zen

Page: 27  
Line: 1    
siehtagen. alsô spricht daz puoch ze latein und
Line: 2    
etleich ander sprüch der alten maister, die mir zweivel\haftig
Line: 3    
sint. Plinius spricht, daz der menschen herz niht
Line: 4    
verprant müg werden, die sterbent von des herzen
Line: 5    
siehtagen, der haizt des herzen suht, und haizt ze   5
Line: 6    
latein cardiaca und kümpt von übrigem zorn und von
Line: 7    
übriger vorht. ez sprechent auch etleich maister, daz
Line: 8    
der menschen herz, die sterbent von wârer vergift,
Line: 9    
niht verprant mügen werden, und dar umb strâft der
Line: 10    
maister Vitellus den arzt, der hiez Pîsô, und spricht,   10
Line: 11    
daz der deutsch kaiser pei im tôt sei von vergift, wan
Line: 12    
des kaisers herz wolt niht prinnen. spricht Pîsô her
Line: 13    
wider, daz daz niht sei von vergift, ez sei von des herzen
Line: 14    
suht gewesen, die der kaiser het. wærleich der arzt Pîsô
Line: 15    
missagt, und wær gar lang von ze reden, daz wil ich   15
Line: 16    
under wegen lâzen. Egiptii die weisen läut, die vil weis\hait
Line: 17    
funden habent, wânten, daz daz herz alliu jâr auf
Line: 18    
næm ain klain grœzin und daz daz werte unz in daz
Line: 19    
fünfzigist jâr, und daz ez dann als vil abnæm alliu jâr
Line: 20    
unz in daz hundrist jâr, und sprâchen, daz wênich läut   20
Line: 21    
lebten mit ganzen sinnen unz in daz hundrist jâr, dar
Line: 22    
umb, daz daz herz alsô sêr abnæm. daz aufnemen der
Line: 23    
grœzen des herzen und daz abnemen ist niht redleich,
Line: 24    
wann daz herz würd in fünftzig jâren alsô grôz als ain
Line: 25    
grôzeu pôzkugel und würd in den andern fünftzigen jâren   25
Line: 26    
alsô klain als ain pôn. daz envindet man niht. daz herz
Line: 27    
ist gesetzt in ain pälglein, daz ist wol als dicke sam
Line: 28    
aines menschen haut, und daz haizt des herzen huot oder
Line: 29    
sein kasel, und hât diu nâtûr daz herz mit verhüllet
Line: 30    
durch ain sicherhait, daz ez niht leihticleichen leid.   30



Chapter / Strophe: 34     34.
Line: 31    
Line: 32    
VON DER LEBERN.



Line: 33    
Diu leber ligt gegen der rehten seiten in dem tier
Line: 34    
und daz milz gegen der lenken seiten, und daz ist wâr

Page: 28  
Line: 1    
in allen tiern, die lebern habent. ist aber, daz sich der
Line: 2    
satz verendert, daz ist gar wunderleich, sam Aristotiles
Line: 3    
spricht. diu leber ist süez und ir nâtûr ist ainr senftigen
Line: 4    
gestalt und ainr milten schickung. des menschen leber
Line: 5    
ist sinbel reht als ains ochsen leber ist. Clemens der   5
Line: 6    
maister spricht, daz diu leber dar umb in der rehten sei\ten
Line: 7    
lig, daz si hitz geb dem magen, dar umb, daz daz
Line: 8    
ezzen in dem magen wol gekocht werd; auch dar umb,
Line: 9    
daz diu leber pluot gesenden müg allen andern glidern.
Line: 10    
wann daz ezzen nu gekocht ist in dem magen, wirt   10
Line: 11    
daz weiz und klâr gestalt sam ain weiz gerstenwazzer und
Line: 12    
daz schait diu nâtûr von den gerben und füert ez in sun\derleich
Line: 13    
âdern in daz flach tail der lebern, wirt ez
Line: 14    
dann anderweit gekocht und schait diu nâtûr daz klâr
Line: 15    
von den gerben und sent die gerben ab zuo den niern   15
Line: 16    
und zuo der plâsen; värbt diu nâtûr daz klâr in der
Line: 17    
lebern, daz ez zuo pluot wirt und sent ez dann allen an\dern
Line: 18    
glidern, die kochent ez dann fürbaz, iegleich glid
Line: 19    
nâch seiner art, unz daz ez im eben wirt. von dem ko\chen
Line: 20    
sag wir mêr, wenn wir von dem magen schreiben.   20



Chapter / Strophe: 35     35.
Line: 21    
Line: 22    
VON DER GALLEN.



Line: 23    
Diu gall ist haiz und trucken und feureinr nâtûr.
Line: 24    
daz ist als vil gesprochen, daz diu gall die kraft hât, daz
Line: 25    
si hitzt und trückent reht sam ain feur, und dar umb hât   25
Line: 26    
si got der lebern zuo gesellt, daz si ir helf kochen daz
Line: 27    
ezzen, daz ir gesant wirt von dem magen. der gallen
Line: 28    
aigenkait ist unstætichait, tobung, behendichait, scher\pfen
Line: 29    
der sinn, newvindichait, gedürstichait, hôhvart, gir,
Line: 30    
unkäusch, gedæhtnüss, snell antwürt, und ganz der leib   30
Line: 31    
des menschen, der ain grôz gallen hât, ist hitzig und
Line: 32    
trucken. Plinius der spricht, daz etsleich leut niht gal\len
Line: 33    
haben (iedoch vinde man ir wênich) und daz si lang
Line: 34    
leben und lange stark sein. Aristotiles spricht, daz et\leich

Page: 29  
Line: 1    
leut ir gallen haben gesetzt von der lebern, und die
Line: 2    
sint sänftiger von nâtûr wan die ir gallen habent pei der
Line: 3    
lebern. iedoch gewonhait verändert vil der nâtûr an dem
Line: 4    
menschen zuo guotem oder zuo pœsem, und dar umb list
Line: 5    
man, daz ein alter maister von der nâtûr frâgt ainen an\dern   5
Line: 6    
grôzen maister in nâtürleichen dingen und sprach
Line: 7    
'sag mir, waz menschleicher nâtûr hab ich an mir.'
Line: 8    
antwurt im der grôz maister und sprach 'ich hân kainen
Line: 9    
pœsern noch scherpfern menschen gesehen von nâtûr wann
Line: 10    
dich und hân kainen pezzern gesehen von üebung der   10
Line: 11    
tugend und von gewonhait guoter siten wann dich. ich
Line: 12    
hân auch kainen menschen nie gesehen, der pœsleicher
Line: 13    
geschickt wær zuo kunst und zuo weishait wann , und
Line: 14    
der durchsihticleicher und behendicleicher alliu dinch
Line: 15    
durchbrüeft mit fleiziger arbait und auch mit ämzigem   15
Line: 16    
betrahten wann .' dar umb ist der spruch wâr, der
Line: 17    
spricht: diu gewonhait ist ain wechslerin der nâtûr. Ari\stotiles
Line: 18    
spricht, daz ain iegleich tier, daz niht gallen hab,
Line: 19    
lang leb, als der helfant, der hirz, daz kamel, der del\phin
Line: 20    
oder daz merswein.   20



Chapter / Strophe: 36     36.
Line: 21    
Line: 22    
VON DER LUNGEN.



Line: 23    
Aristotiles spricht, daz diu lung sei ain wintvanch,
Line: 24    
der den luft auz und ain füert, von daz herz erküelt
Line: 25    
wirt. und dar umb ist diu lung lind sam ain padswamp,   25
Line: 26    
daz si den luft gevâhen müg; und wenn si den luft in
Line: 27    
sich zeucht, grœzt si sich, wenn aber si den luft von
Line: 28    
ir sleht, klaint si sich. ain iegleich tier hât ain lungen
Line: 29    
daz auf dem land gêt und den luft in sich zeucht zuo
Line: 30    
ainer küelung des herzen. aber andriu tier, sam die visch   30
Line: 31    
in dem wâg, bedürfent der lungen niht. iedoch habent
Line: 32    
etleich mervisch lungen, die haiz pluot habent. dar umb
Line: 33    
merk, daz ain iegleich tier, daz im sein geleich gepirt mit
Line: 34    
swanger machen sein zuozuht, hât ain lungen von der

Page: 30  
Line: 1    
grôzen hitz wegen seiner nâtûr, und ist diu lung grôz
Line: 2    
und fäuht mit pluot; aber diu tier, die airnt, als die
Line: 3    
vogel, die habent ain klain lungen und trucken an ir sel\ber,
Line: 4    
und dar umb dürst si wênig und mügent ungetrunken
Line: 5    
sein lange zeit, wan si klain nâtürleich hitz habent in irm   5
Line: 6    
leib und erküelent sich mit der wegung der lungen; wann
Line: 7    
diu zeuht grôzen luft zuo ir. ez sint auch diu selben tier
Line: 8    
klainer dann andriu tier, dar umb daz diu nâtürleich hitz
Line: 9    
ist ain sach der grœzen und diu mêrung des pluots ist
Line: 10    
ain zaichen der nâtürleichen hitz. diu nâtürleich hitz   10
Line: 11    
rehtvertigt die leib der tier, und dar umb ist der mensch
Line: 12    
ains aufgerihten leibes gegen dem himel, wan er mêr
Line: 13    
pluots und hitz hât nâch seiner grœzen denn andreu tier.
Line: 14    
diu lung hât mêr pluots wann andreu glider, dar umb,
Line: 15    
daz si von waichem lindem flaisch ist. alsô spricht unser   15
Line: 16    
puoch, aber ich wæn, daz si trukner sei und plœzer von
Line: 17    
pluot wan diu leber, dar umb, daz si den luft in sich
Line: 18    
gevazzen müg. Plinius spricht, der ein holz reib mit et\leicher
Line: 19    
mervisch lungen, daz prünn sam öl. man macht
Line: 20    
auch gar lauter schœn öl von etleicher mervisch lungen.   20
Line: 21    
Aristotiles spricht, daz ain iegleich tier, daz der lungen
Line: 22    
mangelt, müez auch rehter stimm mangeln. iedoch hât
Line: 23    
manik tier niht stimm, daz doch ain lungen hât.



Chapter / Strophe: 37     37.
Line: 24    
Line: 25    
VON DEM MILZ



Line: 26    
Ez spricht Aristotiles, daz der mensch hab ain milz
Line: 27    
sam ain swein, lang und smal. daz milz ligt in der den\ken
Line: 28    
seiten und zeuht in etleicher mâz an sich die un\sauberkait
Line: 29    
des pluotes, und daz geschiht aller maist in
Line: 30    
den menschen, die den viertägleichen riten habent. daz   30
Line: 31    
milz leidet oft und beswært den menschen, ez sei dan,
Line: 32    
daz man auf der denken hant oder auf dem denken arm
Line: 33    
für lâz. Galiênus spricht, daz melancolia ir sideln
Line: 34    
hab in dem milz, und wenn diu melancoli ain oberhant

Page: 31  
Line: 1    
nimpt und sich zeucht zuo dem haupt, kümpt dem
Line: 2    
menschen sweigen und betrahten, und swærikait, wainen
Line: 3    
und trâkheit, vorht und sorg und klainmüetichait. under
Line: 4    
den vint man etleich, die wænent, si sein tôt, und ander
Line: 5    
die wænent, si sein glesein. Plinius spricht, daz daz milz   5
Line: 6    
ain hindernüss sei des laufens, und dar umb sleht man
Line: 7    
den laufern die milzâdern. ez sint auch etleich läut, die
Line: 8    
wænent, daz sich des menschen lachen mêre nâch des
Line: 9    
milzen grœzen und sich minder nâch des milzen klainen.



Chapter / Strophe: 38     38
Line: 10 
Line: 11    
VON DEM PAUCH.



Line: 12    
Der pauch ze latein ist gehaizen zwairlai. des êrsten
Line: 13    
haizt daz der pauch, daz wir haizen den magen oder den
Line: 14    
sack, daz ezzen des êrsten eingêt. iedoch nimpt Pli\nius
Line: 15    
den pauch in der weis ze vierlai sinnen und spricht   15
Line: 16    
alsô. ain iegleich tier, daz pluot hât und vier füez hât,
Line: 17    
daz hât vier päuch. der êrst pauch nimpt daz ezzen alsô
Line: 18    
rôch, der ander nimpt ez gekocht, der dritt kocht ez paz,
Line: 19    
der vierd nimpt daz ezzen wol gekocht und læzt ez auz.
Line: 20    
dar umb nimpt Plinius den pauch für den magen und   20
Line: 21    
für die andern seck, die under dem magen sint, dar ein
Line: 22    
daz ezzen gêt ie von aim in den andern. aber aigenleich
Line: 23    
ze nemen haizt der pauch die ganz samnung auz den
Line: 24    
secken allen mit der haut bedackt, die oben her ab gêt
Line: 25    
über den nabel. der pauch ist ze stunden übrig vaizt,   25
Line: 26    
daz der mensch von sterben muoz. Aristotiles spricht,
Line: 27    
daz die menschen geleich sein den hunden an dem obern
Line: 28    
pauch und den sweinen an dem undern pauch. Plinius
Line: 29    
spricht, daz die unbehender und unvindiger sein, die grôz
Line: 30    
geitig päuch haben, wann die andern leut; aber die mæ\zig   30
Line: 31    
päuch haben die sein behend, weis, fürsihtig, kündig
Line: 32    
oder sinnreich. die ripp sint dem pauch zuo gesellt zuo
Line: 33    
ainr huot und zuo ainr sicherheit, daz er iht leichticleich
Line: 34    
versêrt werd.

Page: 32  



Chapter / Strophe: 39     39.
Line: 1    
Line: 2    
VON DEM MAGEN.



Line: 3    
Der mag ist der êrst haven, dar inn daz ezzen ge\kocht
Line: 4    
wirt in dem menschen. der mag nimpt daz rôch
Line: 5    
ezzen von der sluntrœrn und kocht ez in im selber, wie   5
Line: 6    
daz sei, daz ez etswie vil geschickt werd in dem mund
Line: 7    
und in der sluntrœrn. der mag hât inwendig vil häutel\vasen
Line: 8    
reht sam klaineu plätlein an ainem püechlein, dar
Line: 9    
umb, daz von der selben häutlein hitz daz ezzen dester
Line: 10    
paz gekocht werd, und auch dar umb, daz daz ezzen   10
Line: 11    
dester lenger in dem magen beleib; wan wær der mag
Line: 12    
sleht und glat, sliff daz ezzen ê der zeit ze tal und
Line: 13    
belib ungekocht. ain gedärm ân ander grôz gedärm gêt
Line: 14    
von dem magen ze tal, daz haizt daz vastend gedirm,
Line: 15    
dar umb, daz ez alle zeit wan ist von den gerben des   15
Line: 16    
ezzens, wan ez nimpt allein die klâren fäuhten von dem
Line: 17    
magen, aber die gerben gênt irn weg zuo der mistporten.
Line: 18    
in dem vastendem gedirm sint fünf âdern gestecket, die
Line: 19    
haizent die pärmleichen âdern, dar umb, daz si mit allen
Line: 20    
andern âdern mitleident. die selben âdern streckent sich   20
Line: 21    
unz an die lebern und ziehent die klâren fäuhten unz an
Line: 22    
die lebern von dem vorgenanten gedirm, und kocht diu
Line: 23    
leber denn die fäuhten und sendet daz wazzer ab zuo den
Line: 24    
niern und von den niern in die plâsen, und diu leber be\helt
Line: 25    
daz bezzer und kocht ez zuo pluot und gibt von   25
Line: 26    
allen andern glidern narung, und daz lautrer tail des
Line: 27    
bluots wirt gesant dem herzen und der lebern in ainer
Line: 28    
âdern, die sich streckt von der lebern an daz herz.
Line: 29    
wirt dann zwaierlai auz dem lautern pluot: daz ain ist
Line: 30    
nâtürleich hitz, daz ander lebleicher gaist. daz scholt   30
Line: 31    
verstên alsô. der gaist und diu sêl sint underschaiden,
Line: 32    
wan diu sêl ist ain selpwesigeu form, der werk leben\tigeu
Line: 33    
werk sint, und von ain iegleich dinch mit
Line: 34    
geformt förmleich sein leben hât. alsô lêrt uns Aristo\tiles
Line: 35    
in dem andern puoch von der sêl. verstêst des   35

Page: 33  
Line: 1    
niht, gib dir die schult, daz in den dingen niht ge\üebt
Line: 2    
pist. wan wer daz deutsch zuo der latein mizzet
Line: 3    
gänzleich und reht, beleib ich ân strâf. aber als wir
Line: 4    
ez hie nemen, ist der gaist ain nâtürleich luftig dunst,
Line: 5    
dar an daz leben stêt, und der gaist haizt in dem herzen   5
Line: 6    
lebleich, in der lebern nâtürleich, in dem hirn tierleich.
Line: 7    
ich verstên daz alsô. der gaist haizt in der lebern nâ\türleich,
Line: 8    
wan als vor gesprochen ist, diu leber geit der
Line: 9    
ganzen nâtûr aller glider ir narung; und in dem herzen
Line: 10    
haizt der gaist lebleich, wan daz herz ist ain schatzläd\lein   10
Line: 11    
und ain anvanch des lebens; in dem hirn haizt der
Line: 12    
gaist tierlich dar umb, daz ains iesleichen tiers sinn in
Line: 13    
dem haupt sint, und daz der gaist ain wägenlein ist, dar
Line: 14    
auf diu ebenpild anderr ding varnt von ainem sinn und
Line: 15    
von ainr sêle kraft hintz der andern. der gaist ist ain   15
Line: 16    
pant, mit leib und sêl zesamen sint gepunden.



Chapter / Strophe: 40     40.
Line: 17    
Line: 18    
VON DEM NABELN.



Line: 19    
Der nabel ist ain mitel oder nâhent pei der mitel
Line: 20    
menschleichs leibs. mit dem nabeln ist daz kindel an ge\punden   20
Line: 21    
in der muoter leib und nimt sein narung mit dem
Line: 22    
nabeln in der muoter leib und diu narung ist pluot und
Line: 23    
dar umb ist der mônâtleich fluz verslozzen an den swan\gern
Line: 24    
frawen, ez sei dann daz kint tôt oder diu fraw hab
Line: 25    
gar vil übrigs pluots. der hân ich ain gesehen, diu mit   25
Line: 26    
lebentigem kind ir gewonhait het. iedoch lebten iriu kint
Line: 27    
niht lang nâch der gepurt. ez sprechent etleich, daz ain
Line: 28    
âder von der kindenpfâherin unz an des kindleins na\bel,
Line: 29    
und mit der âdern oder mit dem pand zeuht daz
Line: 30    
kint in sich daz pluot von der muoter lebern, und von   30
Line: 31    
dem selben pluot nert sich daz kint in der muoter und
Line: 32    
nimt kain speise mit dem mund. noch ain grœzer wun\der
Line: 33    
ist, daz daz kint niht ætempt in der muoter leib und
Line: 34    
doch, wenn ez geporn wirt, mag ez ain klain zeit un\geætempt

Page: 34  
Line: 1    
niht beleiben noch geleben. daz sint diu wun\der
Line: 2    
gots. seit nun daz kint nimt sein narung, daz pluot,
Line: 3    
von der muoter lebern, dar umb bedarf ez niht auzgeng
Line: 4    
seiner gerben, wan ez der niht hât. alsô spricht unser
Line: 5    
puoch. aber ander maister sprechent, daz sich daz kint   5
Line: 6    
fürb und sauber von wäzzriger überflüzzichait in ainem
Line: 7    
gänglein, daz hât diu nâtûr gemacht zwischen dem pälg\lein,
Line: 8    
mit si daz kint umbhüllet in der muoter leib.



Chapter / Strophe: 41     41.
Line: 9    
Line: 10    
VON DER PLASEN



Line: 11    
Diu plâse oder diu plâter ist ain vaz des harmprun\nens
Line: 12    
und ist gesetzt zwischen der hüff und dem aftern,
Line: 13    
und ist diu plâse gesament auz zwain röcken oder auz
Line: 14    
zwain häuten. Rasis spricht, daz auf der plâsen mund
Line: 15    
sein zwai mäuslein, diu sich ze samen ziehen und wern,   15
Line: 16    
daz der prunn iht unwillicleich auz der plâter . der
Line: 17    
prunn vleuzt von den niern durch zwên häls oder durch
Line: 18    
zwuo âdern, und die âdern die plâsen begreifent,
Line: 19    
durchgênt si den obern rok der plâsen und dar nâch
Line: 20    
gênt si lang zwischen den zwain röcken der plâsen,   20
Line: 21    
unz daz si koment zuo der plâsen hals. durchgênt
Line: 22    
si dann den andern rok und koment in daz hol tail der
Line: 23    
plâsen. alsô tragent si daz wazzer in die plâsen. allez
Line: 24    
gefügel mangelt der plâsen, wan si prunnent niht, dar
Line: 25    
umb, daz ir fäuhten sich verkêrt in der vedern nâtûr.   25
Line: 26    
aber ain iegsleich tier vierfüezig hât ain plâsen.



Chapter / Strophe: 42     42.
Line: 27    
Line: 28    
VON DEN NIERN.



Line: 29    
Die niern sint pei der lebern gesetzet, und der reht
Line: 30    
nier ist hœher gesetzt wan der denke; ez ist aber der   30
Line: 31    
denke vaizter denn der reht. der niern ietweder hât zwên
Line: 32    
häls oder zwuo âdern. der häls ainen streckt der nier

Page: 35  
Line: 1    
auf in der seiten, er inne ligt, unz an die grôzen âdern,
Line: 2    
diu ist an dem auzwendigen tail der lebern, und den
Line: 3    
andern hals streckt er ze tal unz an die plâsen, als vor
Line: 4    
gesait ist von der plâsen. Aristotiles spricht, daz des
Line: 5    
menschen niern geleich sein den niern ains rindes. der   5
Line: 6    
unkäusch sidel ist den mannen in den niern sam den
Line: 7    
frawen in dem nabeln. Nu wil ich für paz niht mêr sa\gen
Line: 8    
von den glidern, wan guot siten und zuht mahten
Line: 9    
ez niht geleiden in gemainer sprâch, daz si doch wol
Line: 10    
leident in seltsamer sprâch.   10



Chapter / Strophe: 43     43.
Line: 11    
Line: 12    
VON DEN ADERN.



Line: 13    
Nun schüll wir sagen von den âdern, als daz puoch
Line: 14    
sagt, wie daz sei, daz der ärzt püecher anders von
Line: 15    
reden; wan hie ist ain krieg zwischen den ärzten und den   15
Line: 16    
maistern von der nâtûr, und daz man daz dester paz ver\stê
Line: 17    
daz unser puoch sagt, schol man wizzen, daz dreier\lai
Line: 18    
âdern sint in dem menschen. die êrsten sint runst\âdern,
Line: 19    
daz pluot inne rint und fleuzt von dem herzen
Line: 20    
oder von der lebern in alliu andriu glider, und daz sint   20
Line: 21    
rœrn neur von ainem rock und haizent ze latein vene.
Line: 22    
die andern âdern sint gaistâdern und haizent ze la\tein
Line: 23    
arterie, daz ist als vil gesprochen sam eng weg,
Line: 24    
und in den vliezent die nâtürleichen gaist und die leb\leichen
Line: 25    
gaist, und sint von zwain röcken und sint auch   25
Line: 26    
klainer dann die runstâdern. wie auch daz sei, daz in
Line: 27    
den zwairlai âdern pluot vlieze etswie vil und auch
Line: 28    
gaist, doch nenne ich si ze deutsch nâch der mêrung. ez
Line: 29    
sprichet auch Rasis, daz die runstâdern irn ursprinch
Line: 30    
haben von dem auzwendigen tail der lebern, und daz   30
Line: 31    
die gaistâdern alle entspringen von dem lenken tail
Line: 32    
des herzen. die dritten âdern sint pantâdern und haizent
Line: 33    
ze latein nervi. mit den pint diu nâtûr diu herten pain
Line: 34    
in den glidern zesamen. nun spricht unser puoch alsô.

Page: 36  
Line: 1    
die runstâdern sint die, durch daz pluot vleuzt von
Line: 2    
dem herzen in alliu glider, wan Aristotiles wil, daz si
Line: 3    
ursprinch haben von dem herzen, wann der mensche
Line: 4    
sich fürht, lauft daz pluot zuo dem herzen sam zuo
Line: 5    
seinr enthaltung, und des menschen vel beraubet wirt   5
Line: 6    
des pluotes, rimpft ez sich und gêt im daz hâr ze
Line: 7    
perg und wirt der mensch plaich. die runstâdern glei\chent
Line: 8    
den gaistâdern an etleichen dingen, sam Galiênus
Line: 9    
spricht. iedoch slahent die runstâdern niht sam die gaist\âdern,
Line: 10    
dar umb haizent si auch die gerüewigen âdern.   10
Line: 11    
der runstâdern sint zwuo fürstinne, daz sint die zwuo, die
Line: 12    
in dem herzen entspringent, sam Aristotiles spricht, oder
Line: 13    
in der lebern, als Galiênus spricht und die andern ärzt,
Line: 14    
und ist der zwair âdern ainiu grœzer, diu ander klainer.
Line: 15    
ietwedriu der runstâdern ist ain wurzel vil anderr runst\âdern,   15
Line: 16    
wan, sam Plinius spricht, die zwuo âdern estent
Line: 17    
sich über all den leib und fäuhtent in mit lebleichem
Line: 18    
pluot über al. si sendent ir este zuo dem hirn und von
Line: 19    
dem hirn estent si sich zuo den ôrn und auch zuo den
Line: 20    
augen, zuo der nasen und zuo dem munde. alsô estent   20
Line: 21    
si sich auch under sich. Galiênus spricht, daz zuo aim
Line: 22    
iegleichen geampten glid, daz ain ampt hât, sich estent
Line: 23    
zwuo slahend âder, der slahen man enpfint auzwendig
Line: 24    
auf etleichen glidern sam auf den armen, pei den henden
Line: 25    
und auf dem slâf pei den ôrn. daz slahen der âdern   25
Line: 26    
bezaichent uns des herzen krankhait und sein sterken,
Line: 27    
auch des leibes hitz und sein kelten. aber ander âder,
Line: 28    
die niht slahend sint, tragent daz pluot in diu glider, daz
Line: 29    
diu glider von fäuht werdent. daz geschiht der nâtûr
Line: 30    
zuo ainer hilf und dem leib zuo ainer narung, und sint   30
Line: 31    
die este der âdern klain dar umb, daz daz pluot von sei\ner
Line: 32    
klainhait dester sneller werde verkêrt in der glider
Line: 33    
nâtûr, und auch dar umb, daz sich daz pluot dester paz
Line: 34    
dar inn enthalt und niht leiht auzfliez. Ez gênt auch
Line: 35    
âdern durch die rœrloten mitten der prust unz in des   35
Line: 36    
hauptes spitzen, und von der spitzen gênt wider ab durch

Page: 37  
Line: 1    
die arm drei fäuht âdern mit pluot, diu ain von dem
Line: 2    
haupt und diu haizet diu hauptâder und ze latein cepha\lica;
Line: 3    
diu ander von der leber, deu haizt ze latein epatica.
Line: 4    
aber als daz puoch spricht haizet si basilica, daz ist ge\sprochen
Line: 5    
diu gruntâder, dar umb, daz diu leber ain grunt   5
Line: 6    
ist und ain ursprinch des pluotes; diu dritt âder gêt von
Line: 7    
dem herzen und ist ze mitelst zwischen den zwain in dem
Line: 8    
arm. dar umb haizt si ze latein mediana, daz spricht
Line: 9    
diu mitlerinne. von den vodersten âdern des herzen
Line: 10    
estent sich ander âdern ze tal zuo den niern, von den   10
Line: 11    
niern zuo dem manstab, dar umb, daz des herzen lust
Line: 12    
gesant werd zuo den zwain steten und gemêrt werd
Line: 13    
und mit werken volprâht. scholt auch wizzen, daz
Line: 14    
all âdern gemainschaft habent mit den âdern, die sich
Line: 15    
sament in dem manstab, und der âdern sint vil und gar   15
Line: 16    
manig, die sich sament. von den steten des obersten
Line: 17    
tails des herzen gênt auch âdern ze tal in diu pain und
Line: 18    
in die füez, dar umb, daz die füeze gemaistert werden
Line: 19    
von dem herzen, hin si gên schüllen.



Chapter / Strophe: 44     44
Line: 20 
Line: 21    
VON DEN PANTADERN.



Line: 22    
Die pantâdern pindent diu pain zesamen in allen
Line: 23    
glidern. etleich sprechent, daz si entspringen in dem
Line: 24    
hirn. in den pantâdern ist niht pluotes sam in den runst\âdern.
Line: 25    
die pantâdern sint von nâtûr lang und niht dick.   25
Line: 26    
die runstâdern verainent sich wider, wenn si gezwaiet
Line: 27    
werdent mit sniten oder mit slegen, aber die pantâdern
Line: 28    
niht. kain pantâder ist in des menschen haupt, si sint
Line: 29    
aber in den henden und in den füezen. ain iegleich tier,
Line: 30    
daz pluot hât, daz hât pantâdern. die pantâdern werdent   30
Line: 31    
beraubt ze stunden irr zimleichen fäuhten: ziehent si
Line: 32    
sich zesamen, und daz ziehen martert den menschen jæ\merleichen.
Line: 33    
die pantâdern sint auch dar zuo nütz, daz
Line: 34    
si die sinnleichen und die wegenden kräft tragent von

Page: 38  
Line: 1    
dem hirn in alliu andriu glider und daz si den ganzen
Line: 2    
leip sterkent. etleich tier habent der âdern niht, sam
Line: 3    
die visch, die der gaistâdern niht habent. scholt auch
Line: 4    
wizzen, daz man in den reden von den âdern oft ain
Line: 5    
für die andern nimt, alsô daz man die gaistâdern nimt   5
Line: 6    
für die pantâdern und daz man ze latein nervos arterias
Line: 7    
haizet. alsô hât unser puoch ietzo gerett von den pant\âdern
Line: 8    
an vil sprüchen, wan die rehten pantâdern, die
Line: 9    
Galiênus ligamenta haizt, entspringent in den painen und
Line: 10    
dar umb enpfindent si als wênich als diu pain, die si   10
Line: 11    
zesamen pindent.



Chapter / Strophe: 45     45.
Line: 12    
Line: 13    
VON DEN ZAICHEN, OB AIN FRAW SWANGER SEI ODER NIHT.



Line: 14    
Wir haben nu gesait von des menschen glidern, nu
Line: 15    
schüll wir ain tail sagen, wie er in die werlt kom, und   15
Line: 16    
von der underschait, diu ist in der muoter leib zwischen
Line: 17    
dem degenkind und dem diernkind. des êrsten scholt
Line: 18    
wizzen diu zaichen, von man waiz, ob ain fraw swan\ger
Line: 19    
sei worden. der zaichen setzt Avicenna vil. daz
Line: 20    
êrst zaichen ist diu zuosât paider sâmen weibes und man\nes;   20
Line: 21    
aber daz dunket mich ain ungewiss zaichen, wan
Line: 22    
daz oft geschiht, daz doch diu frawe niht swanger wirt.
Line: 23    
daz ander zaichen ist, daz diu wünschelruot oben trucken
Line: 24    
ist an dem haupt und daz si die muoter vast seugt. daz
Line: 25    
dritte zaichen ist daz vest besliezen des mundes an der   25
Line: 26    
muoter, wan der munt wirt vast beslozzen, daz ain
Line: 27    
nâdelspitz niht dar ein möchte. daz vierd ist, daz sich
Line: 28    
diu muoter über sich hebt und für sich in der frawen
Line: 29    
leib. daz fünft ist, daz diu frawe den mônâtleichen fluz
Line: 30    
niht hât dar nâch und si swanger wirt. geschiht aber   30
Line: 31    
der fluz, daz ist gar selten. daz sehst, daz diu fraw
Line: 32    
ainen klainen smerzen zwischen dem nabeln und dem
Line: 33    
püschlein hât. daz sibend ist, daz diu frawe irn prun\nen
Line: 34    
ze stunden niht wol gehaben mag; doch ist daz niht

Page: 39  
Line: 1    
allen frawen. daz aht ist an etleichen frawen dar nâch
Line: 2    
und si swanger werdent, daz si der manne geselschaft
Line: 3    
hazzent oder ir haimlichait fliehent. daz wæn ich, daz daz
Line: 4    
wâr sei an den selben frawen in der êrsten new irs zuo\vâhens.
Line: 5    
daz neund zaichen ist, daz diu fraw træg wirt   5
Line: 6    
und swær an irm leib. daz zehend ist, daz ir ain klain
Line: 7    
wüllet. daz ainleft ist, daz etleich frawen köppelnt, und
Line: 8    
daz köppeln ezzicht in der keln. daz zwelft ist, daz der
Line: 9    
frawen diu haut kräuzelt und daz ir swindelt in dem haupt.
Line: 10    
daz dreizehend zaichen ist, daz etleicher frawen diu augen   10
Line: 11    
vinster werdent und tief. daz vierzehend ist, daz diu
Line: 12    
frawe nâch ainem mônât oder nâch zwain pœs gelust hât.
Line: 13    
daz fünfzehend ist, daz daz weiz in den augen plaichet
Line: 14    
und gelbet. Daz sint diu zaichen, diu Avicenna setzt.
Line: 15    46   15
Line: 16    
VON WELHEN SACHEN AIN FRAW SWANGER WERDE
Line: 17    
AINS KNÄBLEINS.



Line: 18    
Wilt auch wizzen, von welhen sachen ain fraw
Line: 19    
swanger werde ains knäbleins und welhez diu zaichen
Line: 20    
sein, ob diu fraw ain knäblein trag, scholt wizzen,   20
Line: 21    
wenn des mannes sâm haiz ist und daz sein vil ist,
Line: 22    
hât er die kraft und den sig, daz er ain knäblein machet.
Line: 23    
diu ander sach ist, wenn des mannes sâm nâch dem mai\sten
Line: 24    
tail kümpt aus dem rehten gezeuglein des mannes
Line: 25    
und genomen wirt in der muoter rehten seiten; daz ist   25
Line: 26    
dar umb, daz diu reht seit hitziger ist wan diu lenke,
Line: 27    
und der sâm auz dem rehten gezeuglein ist kreftiger wan
Line: 28    
der auz dem denken. dar umb ist mein rât, daz sich die
Line: 29    
frawen auf die rehten seiten naigen zehant nâch dem
Line: 30    
werch, ob si gern knäblein tragen. ez sprechent auch   30
Line: 31    
etleich, sei daz des mannes sâm springe auz seim rehten
Line: 32    
gezeuglein in die rehten seiten der muoter, werd ain
Line: 33    
knäblein dar auz, als vor gesprochen ist; spring aber der
Line: 34    
sâm auz dem lenken gezeuglein des mannes in die rehten

Page: 40  
Line: 1    
seiten der muoter, werde dar auz ain mänleich weib
Line: 2    
oder ain männinne; spring aber der sâm auz dem rehten
Line: 3    
gezeuglein in die lenken seiten, werd dar auz ain wei\bisch
Line: 4    
man; spring aber er auz dem lenken gezeuglein
Line: 5    
in die lenken seiten der muoter, werd dar auz ain   5
Line: 6    
fräwlein oder ain dirnkint. dar zuo hilft auch diu kelten
Line: 7    
des luftes und diu kelten des landes und der wint, der
Line: 8    
von dem wagen an dem himel fleugt gegen mittem tag
Line: 9    
über, der haizet ze latein aquilo. daz ist dar umb, daz
Line: 10    
diu kelten die nâtürleichen hitz hin ein treibt in den leib   10
Line: 11    
und si inwendig sterkt, wan ez muoz daz knäblein haizer
Line: 12    
haben zuo seiner machung wan daz dirnlein.



Chapter / Strophe: 47     47.
Line: 13    
Line: 14    
VON DEN ZAICHEN, OB AIN FRAW AIN KNÄBLEIN TRAGE.



Line: 15    
Wenne nu ain fraw swanger ist worden, wilt wiz\zen,   15
Line: 16    
ob si ain knäblein trag, merk disiu zaichen. daz
Line: 17    
êrst ist, daz diu fraw paz gevar ist wann si ain dirn\lein
Line: 18    
tregt. daz ander zaichen ist, daz ir daz reht prü\stel
Line: 19    
ê grœzer wirt wan daz lenk. daz dritt zaichen ist
Line: 20    
daz daz häuptlein an dem prüstel rœter wirt und auch   20
Line: 21    
die âdern an dem selben häuptlein werdent rœter wan
Line: 22    
zuo dem dirnlein. daz vierd, daz der frawen der leib
Line: 23    
sinweller ist. daz fünft ist, daz diu frawe sterker und
Line: 24    
sneller ist wan mit dem dirnlein. daz sechst ist, daz si
Line: 25    
niht pœse lüst hât als mit dem dirnlein. daz sibend ist,   25
Line: 26    
daz der frawen diu reht seit swærr ist wan diu lenke.
Line: 27    
daz aht ist, daz sich daz kindlein wegt in der rehten
Line: 28    
seiten. daz neund ist, daz sich daz knäblein wegt in der
Line: 29    
muoter leib nâch dreien mônâden und daz dirnlein nâch
Line: 30    
viern. daz zehend ist, wenn diu frawe von stat gêt,    30
Line: 31    
hebt si des êrsten den rehten fuoz. daz ainleft ist, wenn
Line: 32    
si auf stêt, steurt si sich auf die rehten hant. daz
Line: 33    
zwelft ist, daz sich daz reht aug sanfter und snellicleicher
Line: 34    
wegt. daz dreizehend ist, daz daz âderslahen des rehten

Page: 41  
Line: 1    
arms grœzer und vollekumener ist. daz vierzehend ist,
Line: 2    
daz diu frawe mêr hazzt daz slâfen mit den mannen
Line: 3    
wenne si ain knäblein trägt wann si ain dirnlein trait.
Line: 4    
daz verstên ich wâr sein an etleichen frawen, niht an
Line: 5    
allen, und aller maist in der neuw irs zuovâhens. daz   5
Line: 6    
fünfzehend ist, daz auz dem rehten prüstel ê milich gêt
Line: 7    
wanne auz dem lenken. daz sehzehend ist, daz der fra\wen
Line: 8    
milich dick ist und zæh, alsô der si sprengt auf ein
Line: 9    
glas, stênt die tropfen dar auf als die arwaiz und
Line: 10    
fliezent niht. aber diu frawe mit aim dirnlein gêt,    10
Line: 11    
ist ir milich dünn und wäzzrig und zerfliezent ir tropfen.
Line: 12    
von den zaichen allen maht wol erkennen, ob diu
Line: 13    
fraw mit ainem knäblein oder mit aim dirnlein.



Chapter / Strophe: 48     48.
Line: 14    
Line: 15    
WIE DIU GEPURT AN DIE WERLT KOME



Line: 16    
nun diu fruht zeitig ist in der muoter leib,
Line: 17    
entsliezent sich die âdern und diu pant, diu vor die fruht
Line: 18    
hielten, reht ze geleicher weis als diu æderlein an den
Line: 19    
frühten auf den päumen, und naigt sich danne diu
Line: 20    
fruht in der muoter leib ze tal gegen der porten in die   20
Line: 21    
werlt, sam Aristotiles spricht, mit offem mund und daz
Line: 22    
kindlein besleuzt den offenen munt mit seim hendlein,
Line: 23    
daz ist sein êrstez menschleichez werch. ez gêt auch daz
Line: 24    
kindel in die werlt des êrsten mit dem haupt. aber ez
Line: 25    
gêt wider auz der werlt des êrsten mit den füezen, wan   25
Line: 26    
man kêrt im die füez für, man ez ze grab tregt.
Line: 27    
ist auch, daz daz kint zuo der porten niht kümpt des
Line: 28    
êrsten mit dem haupt, kümpt ez gar swærleichen in
Line: 29    
die werlt und mit der muoter grôzem leiden, alsô daz
Line: 30    
diu muoter oft stirbt an dem kindlein. daz geschiht dar   30
Line: 31    
umb, daz sich diu fraw niht auf gerihtes helt in dem ge\pern.
Line: 32    
man hœrt auch des kindes kain stimm, ê daz ez
Line: 33    
ganz her für köm auz der muoter leib. ez geschiht auch
Line: 34    
oft, daz die frawen der kindlein genesent ê der zeit; daz

Page: 42  
Line: 1    
geschiht von mangerlai sachen , von derschrecken, von
Line: 2    
slegen, daz man die swangern frawen vast sleht, und von
Line: 3    
grôzen sprüngen, die die frawen tuont, von swærem schüt\teln,
Line: 4    
von reiten oder von varn, wan von den sachen
Line: 5    
allen prechent diu pant ê der zeit, mit daz kint ge\punden   5
Line: 6    
ist in der muoter leib, reht sam der ain pirn ê
Line: 7    
der zeit wirft mit ainem stain ab dem paum. ez spre\chent
Line: 8    
auch etleich, daz der frawen daz kindlein ab
Line: 9    
von dem gestanch ainr erleschten kerzen. daz verstên
Line: 10    
ich gar von zarten frawen, die gar clârer nâtûr sint.   10
Line: 11    
man spricht auch, ob diu frawe irn âtem halt in der
Line: 12    
gepurt, daz si dester leihticleicher geper.


Chapter / Strophe: 49     49.
Line: 13    
Line: 14    
VON DEN ZAICHEN DER NATÜRLEICHEN SITEN

Chapter / Strophe: 49a     
a. UND DES ERSTEN VON DEM HAR



Line: 16    
Seind wir nu haben gesait von des menschen leibs gli\dern,
Line: 17    
schüll wir nu sagen, wie des menschen gestalt
Line: 18    
und seiner glider schickung uns bezaichent sein nâtür\leich
Line: 19    
siten, und die lêr wil ich setzen als si Rasis hât ge\setzt
Line: 20    
in seiner ärznei. in diser lêr solt des êrsten   20
Line: 21    
merken. wilt gewisleichen prüefen, waz neigung und
Line: 22    
waz siten der mensch von seiner aigenr nâtûr hab,
Line: 23    
scholt niht an ain zaichen sehen, solt der zaichen
Line: 24    
samnen maist maht und vindest si widerwärtig
Line: 25    
gegen ainander, volg dem sterkern und den, die mêr   25
Line: 26    
kreft habent. solt auch wizzen, daz daz maist prüefen
Line: 27    
und daz gewist ist an den augen und an dem ganzen
Line: 28    
antlütz; dar nâch vil an den henden.
Line: 29    
Nun schüll wir anheben an dem hâr auf dem haupt
Line: 30    
und an andern stücken des leibs. slehtez hâr und lindez   30
Line: 31    
bedäut ainen vorchtigen menschen. des nem wir ain ge\leichnüss
Line: 32    
an dem hasen und an dem hirzen. aber kraus
Line: 33    
hâr bedäut kuonhait. vil hârs an dem pauch daz bedäut
Line: 34    
ainen unkäuschen menschen. ist aber vil hârs auf den

Page: 43  
Line: 1    
rippen, daz bedäut kuonhait, und vil hârs auf den schul\tern
Line: 2    
und auf dem hals bedäut klainmüetichait und wider\streben
Line: 3    
oder widerspenichait, alsô daz den menschen
Line: 4    
niemd leiht bekêrt von seinem fürsatz. vil hârs an dem
Line: 5    
pauch und an der prust bedäut klain weishait. aufra\gendez   5
Line: 6    
hâr sam die sweinporsten auf dem haupt oder
Line: 7    
über al den leib bedäut vorht.



Chapter / Strophe: 49b     b. VON DER VARB.
Line: 8    



Line: 9    
Rôtiu varb oder rœtlotiu bedäut vil hitz und vil
Line: 10    
pluots, aber mitelvarb zwischen rôt und weiz bedäut ain   10
Line: 11    
geleich nâtûr, deu niht ze vil noch ze wênig hât hitz
Line: 12    
noch pluots, ist daz diu haut niht rauch ist mit hâr.
Line: 13    
welhes menschen varb ist feurein als ain flamme, der ist
Line: 14    
unstæt und töbig. aber welher mensch rôt ist und clâr,
Line: 15    
der ist schamich. welhes menschen varb grüen ist oder   15
Line: 16    
swarz, der ist pœser site.



Chapter / Strophe: 49c     c. VON DEN AUGEN.
Line: 17    



Line: 18    
Welher mensch grôz augen hât, der ist træg, und
Line: 19    
welher mensch tief augen hât vast hin ein gesetzt in daz
Line: 20    
haupt, der ist kündig oder hinderlistig und ain betrieger.   20
Line: 21    
welhes augen her für pauzent auz dem haupt, der ist
Line: 22    
unschämich und kleppisch und ain tôr. aber wenne diu
Line: 23    
augen nâch der lengen gesetzt sint, ist der mensch
Line: 24    
hinderlistich und ain betrieger. welhes augen vil swerzen
Line: 25    
habent, der ist vörhtig, und welher gaizaugen hât nâch   25
Line: 26    
der varb, der ist ain tôr. welhes augen snell varend
Line: 27    
sint und scharpfsihtig, der ist ain betrieger, ain hinder\lister
Line: 28    
und ain diep. welhes augen gar still stênde
Line: 29    
sint als die stain, der ist listig, und welhes anpliek ge\leicht
Line: 30    
ains weibs anplick, der ist unkäusch und unschä\mig.   30
Line: 31    
ist aber sein anplick kintleich und ist allez sein
Line: 32    
antlütz und seineu augen sam si lachen oder lächerleich
Line: 33    
gestalt, ist der mensch frœleich und ist von nâtûr ains
Line: 34    
langen lebens, welhes menschen augen grôz sint und

Page: 44  
Line: 1    
zittrend und manigvirbig, der ist træg und hât die frawen
Line: 2    
liep. aber welhes augen klain sint und bidmend und
Line: 3    
manigvirbig, der ist gar zornik und hât auch die frawen
Line: 4    
liep. welhes augen an der rœten dem feur geleichent,
Line: 5    
daz ist ain gruntpœsez mensch und gar widerprüechig   5
Line: 6    
oder ungevölgig. ist des selben augapfel swarz, daz be\däut
Line: 7    
ainen trægen und ainen stumpfen menschen. manig\virbig
Line: 8    
augen, deu ain gelb varb habent zuo geselt sam
Line: 9    
ob si mit safrân geverbt sein, bedäutent durchpœse siten.
Line: 10    
vil fleken pei den augapfeln bedäutent ainen pœsen men\schen,   10
Line: 11    
und sint sein augen mit manigverbig, ist er
Line: 12    
dester pœser. sint diu augen klain und her für pauzend
Line: 13    
auz dem haupt, sam ains krebs augen, diu bezaichent
Line: 14    
tôrhait und närrischait und ainen menschen, der seinen
Line: 15    
flaischleichen gelüsten nâch volget. klaineu äugel vil   15
Line: 16    
hin und her varend, der augenprâwe sich oft auf und
Line: 17    
zuo tuont, bedäutent ainen gruntpœsen menschen. welhes
Line: 18    
menschen augäpfel in irs endes umbganch habent ainen
Line: 19    
geleichen umbkraiz, die bedäutent ainen häzzigen men\schen,
Line: 20    
ainen claffer, ainen vorchtigen und durchpœsen   20
Line: 21    
menschen. welhes augen rindesaugen geleichent, die be\zaichent
Line: 22    
krankmüetichait. der augapfel swarz ist und
Line: 23    
ain gelb varb hât sam ob er übergoldet sei, der bedäut
Line: 24    
ainen pœsen menschen, ainen morder, der menschleich
Line: 25    
pluot gern vergeuzt. über sich aufkapfend augen als   25
Line: 26    
der ochsen augen und diu auch rôt sint und gar grôz,
Line: 27    
diu bezaichent ainen gar pœsen menschen, ainen tôrn,
Line: 28    
ainen narren, ainen trunkenpolt. diu pesten augen sint
Line: 29    
die zwischen swarz und manigvirbig ain mitel habent und
Line: 30    
die niht gar scheinplitzent sint und daz kain rœten noch   30
Line: 31    
kain gelb varb in in scheint: diu augen bedäutent ain
Line: 32    
guot nâtûr. manigvirbig augen mit ainer gelben varb
Line: 33    
scheinplitzend oder der varb grüen sint als ains stains
Line: 34    
varb bedäutent ainen pœsen menschen, und die läut,
Line: 35    
die dar zuo fleckot sint in den augen, die sint die   35
Line: 36    
pœsten under allen menschen und die grœsten betrieger.

Page: 45  
Line: 1    
wer sein augöpfel her für pauzend hât mit der ganzen
Line: 2    
grœzen der augen, der ist klainmüetig. wem diu augen
Line: 3    
tief sint und klain, der ist listig, ain betrieger und ain
Line: 4    
häzziger mensch. wem daz hâr der überprâw her nider
Line: 5    
gekrümt ist oder an ain stat getwungen von nâtûr, der   5
Line: 6    
ist ain lieger, ain listiger und ain tôr. wer gar sêr zit\ternd
Line: 7    
augen hât, der ist pœs. wer klain augen hât, der
Line: 8    
ist poes und ain tôr. sint aber diu augen grôz, ist der
Line: 9    
mensch niht pœs, aber er ist ain grœzer tôr wan der
Line: 10    
mit den klainen augen. wer manigvirbig augen hât oder   10
Line: 11    
grüen augen, der ist pœs und ain diep. welhes menschen
Line: 12    
augenprâw sich gar oft auf und zuo tuont, der ist vorh\tig
Line: 13    
und ain töbig mensch.


Chapter / Strophe: 49d     d. VON DEN ÜBERPRAWEN.
Line: 14    



Line: 15    
Welhes menschen überprâwe vil hârs habent und   15
Line: 16    
rauch sint, der hât vil gedänk und tief trahten und vil
Line: 17    
traurichait und ist sein sprâch unrain und grob. wer
Line: 18    
lang überprâwe hât, der ist hôchvertig und unschämig.
Line: 19    
wes überprâwe sich ze tal naigent gegen der nasen und
Line: 20    
sich oben aufrihtent gegen dem slâf, der ist unschämig   20
Line: 21    
und ains stumpfen sinnes.



Chapter / Strophe: 49e     e. VON DEN NASLÖCHERN.
Line: 22    



Line: 23    
Wer spitzig dünneu naslöcher hât, der ist ain krie\ger
Line: 24    
und kriegt gern. wer grôzeu naslöcher hât und
Line: 25    
weiteu, der hât klain weishait. wer an der nasen langeu   25
Line: 26    
naslöcher hat und dünneu, der ist gæch und ain tôr und
Line: 27    
leiht. wer praiteu naslöcher hât, der ist unkäusch. wem
Line: 28    
diu naslöcher sêr offen sint, der ist zornig von nâtûr.


Chapter / Strophe: 49f     f. VON DER STIRN.
Line: 29    



Line: 30    
Welhes stirn sleht ist und niht gerunzelt, der ist krie\gik   30
Line: 31    
und macht gern krieg. welhes menschen stirn sich
Line: 32    
gesamnet hât auf ir mitel, der ist zornich. wer ain klain
Line: 33    
stirn hât, der ist ain tôr, und wer ain grôz stirn hât, der

Page: 46  
Line: 1    
ist gar træg. wer ain gar gerunzelt stirn hât, der ist
Line: 2    
unschämig.


Chapter / Strophe: 49g     g. VON DEM MUNDE.
Line: 3    



Line: 4    
Wer ainen grôzen munt hât, der ist ain vrâz und
Line: 5    
ist küen. wes lefsen grôz sint, der ist ain tôr und stum\pfes   5
Line: 6    
sinnes. wes lefsen niht wol geverwt sint, der ist
Line: 7    
hôchvertig. wes zend krank sint, dünn und klain, des
Line: 8    
ganzer leib ist krank. wes zend hündisch zend sint, lang
Line: 9    
und stark, der ist ain vrâz und pœs.



Chapter / Strophe: 49h     h. VON DES MENSCHEN ANTLÜTZ.
Line: 10    



Line: 11    
Welhes menschen antlütz geleicht aines trunken
Line: 12    
menschen antlütz, der ist ain trunkenpolt von nâtûr.
Line: 13    
aber welhes menschen antlütz geleicht aines zornigen
Line: 14    
menschen antlütz, der ist von nâtûr zornig, und wenn
Line: 15    
des menschen antlütz geleicht ains schämigen antlütz,   15
Line: 16    
der ist von nâtûr schämig. welhes antlütz vol flaischs
Line: 17    
ist, der ist træg und ain tôr. welhes wangen grobez
Line: 18    
flaisch habent, der ist ainr groben nâtûr. wer ain be\hendez
Line: 19    
antlütz hât, daz ist ain antlütz niht zerplâsen und
Line: 20    
niht mit grobem flaisch<