TITUS
Konrad von Megenburg, Buch der Natur
Part No. 2
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Book: II     II.
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VON DEN HIMELN UND VON DEN SIBEN
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PLANÊTEN.






Chapter / Strophe: 1     1.
Line: 28    
Line: 29    
DES ÊRSTEN VON DEM SATJAR.



Line: 30    Ich lâz des puoches ordnung ze latein, wan ez ist
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hie gar ungeordent, und wil anheben des êrsten von den
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himeln und von den planêten, und dar nâch von den ele\menten.
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Manik maister und aller maist der christen und
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der juden lêrer setzent zehen himel ob ainander. der   10
Line: 35    
êrst und der obrist stêt still und welzt niht. der haizt
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ze latein empireum, daz ist der feurein himel, dar umb,
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daz er glestent und scheint mit wunderleichem grôzem
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glast. dar inne ruowet got mit seinen auzlieben. der
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ander himel ze tal gegen uns haizt der êrst walzer oder   15
Line: 40    
der cristallisch himel, dar umb, daz er klâr und lauter
Line: 41    
ist sam ain cristall, und kain stern ist an dem selben
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himel. der welzt in tag und in naht, daz ist in vier\undzwainzig
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stunden, ains mâls umb und umb daz ert\reich.
Line: 44    
der dritt himel haizt ze latein firmamentum, daz   20
Line: 45    
ist der vest himel, dar umb, daz er ain vest und ain
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grunt ist aller gesteckten stern. der welzt widerwarts
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von der sunnen underganch gegen der sunnen aufganch
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und volpringt seinen lauf in sehsunddreizigtausent jâren
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ains mâls. er haizet auch der gestirnt himel.   25
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Dar nâch sint die siben himel der siben planêten.

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Line: 1    
der hât iegleicher neur ainen stern. der êrst haizt ze
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latein Saturnus, daz ist der Satjâr, dar umb, daz er den
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frühten und dem leben wider ist, und sölt er ze reht
Line: 4    
haizen der Stœrjâr oder der Hungerjâr; haizt man in
Line: 5    
spötleichen Satjâr (wann er verderbt wein und korn),   5
Line: 6    
reht als der ainen ungestalten menschen engel hieze. der
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stern ist von seiner kraft kalt und trucken und ist sein
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lieht tunkel und volpringt seinen lauf in dreizig jârn.
Line: 9    
Plinius der spricht: alle planêten gênt ir kraiz zuo der
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lenken hant âne dér stern, der gêt alle zeit snell zuo   10
Line: 11    
der rehten hant. daz verstên ich alsô, daz er alle zeit
Line: 12    
stêt daz mêrer tail gegen der sunnen underganch über,
Line: 13    
wan er volgt der sunnen trægleich. der nun sein antlütz
Line: 14    
kêrt gegen dem himelwagen und den ruck gegen mittem
Line: 15    
tag, dem ist der stern ze der rehten hant. kêrst aber    15
Line: 16    
den sin umb in anderr weise, ist er auch wâr, wan
Line: 17    
ez ist anders niht gesprochen denne daz der stern træg
Line: 18    
ist. daz ist dar umb, als Plinius spricht, daz in der ge\stirnt
Line: 19    
himel hindert in seinem umblauf, und dar umb,
Line: 20    
daz er træg ist, ist er dester kelterr krefte, seint snel\liu   20
Line: 21    
wegung ist ain sach der hitz. aber Augustînus der
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spricht über genesim daz puoch, daz der stern dar umb
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kalt sei von den wazzern, die ob den himeln sint. wær\leich
Line: 24    
mit urlaub, daz ist ain spot, wann kain wazzer ob
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den himeln ist. wær aber wazzer , daz den stern frœrt,   25
Line: 26    
daz frœrot allermaist den gestirnten himel, und wær
Line: 27    
er dann kalt, daz er daz ertreich gar durchfrœret,
Line: 28    
daz kain fruht noch kain leben dar auf wol beleiben
Line: 29    
möht. und wenn diu hailig geschrift spricht, daz wazzer
Line: 30    
ob den himeln sei, daz verstên ich von dem cristallischen   30
Line: 31    
himel, der lauterm wazzer geleich ist, wan der ist ob
Line: 32    
dem gestirnten himel. gedenk niht, daz ich pezzer well
Line: 33    
sein wann Augustînus, wann er hât an seinem anvanch
Line: 34    
vil gesprochen, daz er hinden nâch widersprochen hât.
Line: 35    
dar umb sprich ich, daz der stern Satjâr an seinr aigenr   35
Line: 36    
nâtûr kalt ist, mit in got beschaffen hât.

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Chapter / Strophe: 2     2.
Line: 1    
Line: 2    
VON DEM HELFVATER.



Line: 3    
Der ander planêt haizet Jupiter ze latein, daz ist ze
Line: 4    
däutsch helfvater, dar umb, daz der stern sänftig ist,
Line: 5    
warm und trucken, niht sêr, daz ist sänftfäuht. und diu   5
Line: 6    
zwai, wirm und sänftfäuhten, sint ain ursprinch und ain
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beschirmung des lebens. dar umb macht er allez ertreich
Line: 8    
frühtig und pringt guoteu jâr, wenne er in seiner magen\kraft
Line: 9    
ist und in seiner besten wonung. seind er nun dem
Line: 10    
Satjâr wider ist mit seinen kreften, der sein vater haizt,   10
Line: 11    
dar umb, daz er ze næhst ob im ist, haizt man in
Line: 12    
spöttischen den helfvater, wan er hindert seinen vater mit
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seinen werken, oder er haizt dar umb der helfvater, daz
Line: 14    
er ain vater ist und ain helfer der frühten und des lebens
Line: 15    
auf erden. wan als der bedäuter spricht auf die stern\kunst   15
Line: 16    
Marciani des maisters: wær kain ander stern wann
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der helfvater, wærn alle menschen untœtleich. daz
Line: 18    
verstên ich nâch der nâtûr lauf, niht nâch gotes willen.
Line: 19    
Marcianus spricht, daz der stern zuo allen dingen hail\sam
Line: 20    
sei und tœtleichen dingen gesunthait pring. der   20
Line: 21    
stern volpringt seinen lauf in zwelf jârn.



Chapter / Strophe: 3     3.
Line: 22    
Line: 23    
VON DEM STREITGOT.



Line: 24    
Der dritt planêt haizt ze latein Mars, daz ist ze
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däutsch gehaizen der streitgot, dar umb, daz er von sei\ner   25
Line: 26    
kraft gar heiz und trucken ist. und wenne er in sei\nem
Line: 27    
aigenn satz ist, hitzt er der menschen herz und
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ir nâtûr und macht si zornich. der stern ist rôt reht als
Line: 29    
ain glüender kol und volpringt seinen lauf in zwain jâren.



Chapter / Strophe: 4     4
Line: 30 
Line: 31    
VON DER SUNNEN.



Line: 32    
Der vierd planêt haizt ze latein sol und ze däutsch
Line: 33    
diu sunne. der stern ist scheinend und leuhtend über

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Line: 1    
all ander stern, alsô daz er mit seinem lieht des tages
Line: 2    
aller anderr stern lieht vertiligt, daz man ir niht siht.
Line: 3    
diu sunn vollepringt irn lauf in drein hundert tagen und
Line: 4    
in fünfundsehzig tagen und in ainem viertail ains tages.
Line: 5    
wenne diu sunne in irm aufganch des morgens rôt scheint   5
Line: 6    
oder tunkel oder wenne si verporgen ist under den wol\ken,
Line: 7    
daz bezeichent regentage. wenne aber si des âbendes
Line: 8    
rôt scheint, bedäut ez den andern tag schœn. daz ist
Line: 9    
dar umb, daz si des âbendes durch die wolken scheinet,
Line: 10    
die si mit ir under hât gezogen von unserm luft und hât   10
Line: 11    
den gerainget; aber wenne si des morgens durch die
Line: 12    
wolken scheinet, hât si in unserm luft wolken vor ir
Line: 13    
und ist der luft trüeb. ist aber, daz si flach dunket alsô
Line: 14    
daz si ze mittelst scheint und daz si iren schein wirfet
Line: 15    
beseits gegen mittem tag und gegen den himelwagen,   15
Line: 16    
daz bedäut ain fäuhtez weter windigez. ist si plaich ân
Line: 17    
swerzen, daz bedäut wint ân regen. Diu sunne hât fünf\zehen
Line: 18    
aigenchait. si ist scheinend an ir selber und strä\wet
Line: 19    
irn schein von ir auf andreu dinch. si ist ain prunn
Line: 20    
oder ain ursprinch der hitz. si zeuht die wolken an sich.   20
Line: 21    
si ist ain form oder ain gestalt der varb. si derläuht den
Line: 22    
mônen. si pringt naht und tag. si macht die fruht zei\tig.
Line: 23    
si trückent fäuht gemachteu ding. si gêt ein, tuost
Line: 24    
auf. si zerflœzet daz eis. si gefräwet gesundeu augen
Line: 25    
und betrüebet krankeu augen. si gêt auf und unter. si   25
Line: 26    
steigt hôch und nider, wann in dem sumer ist si hôch, in
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dem winter ist si nider. die fünfzehen aigenchait vind
Line: 28    
wir an der auzerwelten sunnen, unserr frawen von himel\reich.
Line: 29    
der Salomôn spricht in der minne puoch: si ist auz\derwelt
Line: 30    
als diu sunne. unser frawe ist scheinend an ir   30
Line: 31    
selber mit aller tugent, mit aller klârhait und mit aller
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sælichait. dar umb spricht der minne puoch: wer ist diu
Line: 33    
dort her gêt als der morgenrôt, der des morgens aufpre\hend
Line: 34    
ist? ze dem andern mâl sträut unser frawe iren
Line: 35    
schein mit wunderleichen werken und mit guottæten irr   35
Line: 36    
milten sänftichait. des dritten mâls ist si ain prunne der

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Line: 1    
hitz, daz ist der haizen liebe, wan wir werden entzunt
Line: 2    
von ir als von ainem ebenpild der lieb, seit wir wizzen,
Line: 3    
daz si ir kint lieb het, als Ambrosius spricht: si ir
Line: 4    
kint sach hangen vor ir an dem cräuz, scholt ez sein
Line: 5    
gewesen, si het sich für ez lâzen cräuzigen und martern   5
Line: 6    
und was berait under dem cräuz ze sterben umb irn ain\gepornen
Line: 7    
sun. des vierden mâls zeuht si die wolken an
Line: 8    
sich, daz sint die menschen, die fliegent sam die wol\ken
Line: 9    
mit irn guoten werken und die schreiend: zeuch
Line: 10    
mich nâch dir! des fünften mâls ist si ain gestalt der   10
Line: 11    
varb, wann in der vinster mag niemd varb erkennen,
Line: 12    
dar umb gibt daz lieht der varb ir gestalt und ir form.
Line: 13    
alsô tuot unser frawe, diu gibt den rewern und den püe\zern
Line: 14    
violisch varb, den martern rôter rôsen varb, den
Line: 15    
junkfrawen lilienvarb. ze dem sehsten mâl erläuht unser   15
Line: 16    
fraw den mônen, daz ist diu cristenhait, die stêt in
Line: 17    
irm geprechen, und von singt diu christenhait von ir:
Line: 18    
hâst alle pôshait und ketzrei allain verderbet. ze dem
Line: 19    
sibenden mâl pringt unser fraw tag und naht, daz ist ge\nâd
Line: 20    
und güete den guoten, die widerkêrn wellent, und   20
Line: 21    
ungenâd den, die irn namen unêrent, als die verfluochten
Line: 22    
juden. des ahten mâls macht unser frawe die fruht
Line: 23    
zeitich, wenn wir uns vleizen, daz wir mit tugenden ir
Line: 24    
geleichen. die tugent pringt si uns zuo ganzem guotem
Line: 25    
end. ze dem neunden mâl trückent si fäuhtgemachteu   25
Line: 26    
dinch, wenn wir von irn genâden hert und stæt werden
Line: 27    
in unserm guoten fürsatz und wir uns gürten mit der
Line: 28    
gürteln der käuschait und der rainikait. des zehenden
Line: 29    
mâls gêt unser fraw ein, ist daz auf tuost. wann
Line: 30    
tuost den munt auf mit piten und mit loben, gêt   30
Line: 31    
si in dein sêl und in dein herz mit genâden und mit
Line: 32    
süezikait. ich waiz niemant, der si niht lob, wann den,
Line: 33    
der irr gnâden und irr gâb niht enpfangen hât. wizz,
Line: 34    
daz gâb und zuotætichait vil lieb und lobs enzündet.
Line: 35    
ze dem ainlften mâl zerflœzet si daz eis, daz ist daz si   35
Line: 36    
die trâghait unserr gewizzen waicht und unser unrainez

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Line: 1    
herz in zäher und in wainen ganzer rewe zerflœzet. ze dem
Line: 2    
zwelften mâl gefräwet si gesundeu augen, daz ist, daz si
Line: 3    
die guoten gesunden christen derläuht zuo der genâd der
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himelischen fräud. des dreizehenden mâls betrüebet si diu
Line: 5    
pœsen kranken augen, daz si niht mügen gesehen ir klâr\hait,   5
Line: 6    
daz sint die iren gedank und allen iren fleiz auf
Line: 7    
irdische wollüst legent, die mügent ir überflüzzig genâd
Line: 8    
und ir süez miltikait niht angesehen. ze dem vier\zehenden
Line: 9    
mâl gêt si auf und under. wan in der gepurt
Line: 10    
irs êrsten aingepornen suns unsers herren Jêsû Christi   10
Line: 11    
gieng si auf in den tag der sælichait allem menschleichem
Line: 12    
gesläht und gieng under mit dem grôzen mitleiden, daz
Line: 13    
si het in dem tôde und in der marter irs lieben kindes.
Line: 14    
naigt si sich und naigt sich heut zuo allen den her\zen,
Line: 15    
diu ir leiden under dem cräuz betrahtent. ze dem   15
Line: 16    
fünfzehenden mâl swebt unser fraw hôch und nider. si
Line: 17    
swebt des êrsten hôch, si enpfangen wart von irm
Line: 18    
lieben kind in die êwigen fräud, und swebt nâch nider
Line: 19    
alle tag und alle zeit, wenne si ir genâd uns armen sün\dern
Line: 20    
her nider geuzet auf ertreich, seind si unser für\sprecherin   20
Line: 21    
ist vor dem obristen rihter. noch ist ain aigen\chait
Line: 22    
der sunnen, daz si verr grœzer ist wann daz ganz
Line: 23    
ertreich. Alfragânus der sternseher spricht, daz si hun\dert
Line: 24    
stunt und sehzig stunt grœzer sei wann daz ganz
Line: 25    
ertreich. alsô hât unser frawe siben wirdichait an ir,    25
Line: 26    
mit si alle irdische junkfrawen übertrift und mit si
Line: 27    
derhœht ist über die kœr der engel. diu êrst wirdichait
Line: 28    
diu ist, daz si käusch gelobte in der antwurt zuo dem
Line: 29    
englischen gruoz, wan der engel sprach: sich, zuo\gefæchst
Line: 30    
und gepirst ain kindlein, sprach si: wie ge\schiht   30
Line: 31    
daz, seind ich kainen man erkenne? daz ist
Line: 32    
vil gesprochen, sam die lêrer sagent, ich wil kainen man
Line: 33    
nümmer derkennen. alsô setz wir oft den spruch der
Line: 34    
gegenwürtichait für den spruch der künftichait, als wenn
Line: 35    
mich ladest auf den künftigen samstag zuo flaisch,    35
Line: 36    
sprich ich: ich izz niht flaisch an dem samstag, daz ist:

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Line: 1    
ich wil sein niht ezzen an dem künftigen samstag. diu
Line: 2    
ander wirdichait ist, daz si raineu magt swanger was. dar
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umb sprach der engel zuo ir: der hailig gaist der kümpt
Line: 4    
in dich, als er spræch: von wirst swanger ân män\leich
Line: 5    
gesellschaft. diu dritt wirdichait ist, daz si got ge\par,   5
Line: 6    
und von sprach Ovidius von ir und von irm kind:
Line: 7    
ain neuwez kindel wirt iezund her ab gelâzen von dem
Line: 8    
hôhen himel. nu schaw, wie gar sælicleichen sich unser
Line: 9    
fraw für hât gesehen, daz si ir selber hât daz pest tail
Line: 10    
auzerwelt von zwain wesen, von der ê und von der käu\schait.   10
Line: 11    
diu ê hât zwuo aigenchait an ir selber: si ist
Line: 12    
fruhtpær und ist unsauber in den werken irr frühten.
Line: 13    
hât diu käuschait auch zwuo aigenchait, wan si ist un\fruhtpær
Line: 14    
und ist sauber oder rain. nu hât unser fraw
Line: 15    
auz der ê genomen frühtichait und von der käusch reini\kait.   15
Line: 16    
die andern zwai hât si gelâzen. diu vierd wirdic\hait
Line: 17    
ist, daz si alle ir tag belaib ân mail, wann si
Line: 18    
ain arch was und ain auzerwelter sal des obristen gotes,
Line: 19    
was pilleich, daz daz götleich vaz all zeit smekt nâch
Line: 20    
dem schatz, der inne was. und von spricht sant   20
Line: 21    
Augustîn in dem puoch von der güete der ê: alle die
Line: 22    
geporn werden von Adam und Even, die sint gepunden
Line: 23    
ze sprechen: vergib uns unser schuld, ân die sæligen
Line: 24    
junkfrawen. wil ich nihts von sprechen noch wil ir
Line: 25    
gedenken, wenne man von den sünden sagt, durch die   25
Line: 26    
êre unsers herren, die er an si hât gelegt. diu fünft
Line: 27    
wirdichait ist, daz si gesæliget ist mit allen tugenden,
Line: 28    
dar umb sprach der engel: gegrüezt pist voller ge\nâden,
Line: 29    
und spricht auch Salomôn von ir, als ob si von
Line: 30    
ir selber spræch: in mir ist alliu genâd des rehten weges   30
Line: 31    
und der wârhait. diu sehst wirdichait ist, daz si irm sun
Line: 32    
gepeut als ain muoter irm kind gepieten schol, und
Line: 33    
von spricht maister Adam von Sant Victor in seiner se\quenzien
Line: 34    
von unser frawen: ora patrem, jube nato, daz
Line: 35    
spricht: pit den vater, gepeut dem sun. diu sibend wir\dichait   35
Line: 36    
ist entsprungen von den allen und ist, daz si

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Line: 1    
derhœhet ist über all himel, si enpfangen wart mit
Line: 2    
leib und mit sêl in die êwigen fräud. dar umb spricht
Line: 3    
Johannes in der taugen puoch von ir: der môn ist under
Line: 4    
irn füezen, daz ist alliu wandeleicheu crêatûr.



Chapter / Strophe: 5     5
Line: 5 
Line: 6    
VON DEM MORGENSTERN.



Line: 7    
Der fünft planêt haizt Venus ze latein und haizt ze
Line: 8    
däutsch der morgenstern, wenn er des morgens aufgêt
Line: 9    
vor der sunnen, oder haizt der mettenstern dar umb, daz
Line: 10    
er ze mettenzeit gar mit klârem lieht durch die wolken   10
Line: 11    
her prehet. er haizt auch der âbentstern, wenne er des
Line: 12    
âbendes auf gêt nâch der sunnen underganch, und haizt
Line: 13    
auch dann der tierstern, dar umb, daz diu wilden tier
Line: 14    
dann her für gênt auz den wälden und auz den hölrn
Line: 15    
und ir waid dann suochent, diu des tages niht her für ge\torsten.   15
Line: 16    
er haizt auch der minnenstern dar umb, daz er
Line: 17    
seineu kint, ez sei fraw oder man, minnenzæm macht, und
Line: 18    
dar umb haizent die hofierer der minnen götinne Venus.
Line: 19    
daz ist des êrsten von dem stern genommen. dar umb
Line: 20    
spricht manger: Venus, hilf auz! der niht waiz, waz Venus   20
Line: 21    
ist. er haizt auch ze latein Lucifer, daz ist ze däutsch
Line: 22    
liehttrager, dar umb, daz er ain minnecleichez lieht
Line: 23    
pringt, daz ain iegleich herz gefräwet, daz in eben an
Line: 24    
siht. der stern volpringt seinen lauf in dreinhundert
Line: 25    
tagen und in ahtundvierzig tagen, vil nâch geleich der   25
Line: 26    
sunnen. der stern hât aht edel aigenchait. diu êrst ist,
Line: 27    
daz er ain schœn lieht tregt. diu ander, daz er taw
Line: 28    
pringt. diu dritt, daz er von seinem schœnen lieht der
Line: 29    
menschen herz gefräwet, die in an sehent. diu vierd ist,
Line: 30    
daz er wacht, daz ist, daz er wachend macht und die   30
Line: 31    
läut aufstênt gegen dem tag. diu fünft ist, daz er zim\leich
Line: 32    
ist und lustig an ze sehen. diu sehst ist, daz er
Line: 33    
vor der sunnen aufgêt des morgens. diu sibent ist, daz
Line: 34    
er dem mônen volgt in seinem scheingeprechen, wenn der

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Line: 1    
môn von der sunnen hindan kümpt für den morgenstern.
Line: 2    
diu aht ist, daz er in dem winter scheint und in dem
Line: 3    
sumer niht scheint des morgens. Pei dem morgenstern
Line: 4    
verstên wir ainen iegleichen hailigen lêrer, der den läuten
Line: 5    
daz gotswort vorsagt und dar nâch würket und lebt. der   5
Line: 6    
hât die aht aigenchait an im. des êrsten tregt er ain
Line: 7    
schœn lieht, dar umb spricht unser herre zuo seinen
Line: 8    
zwelfboten und allen seinen jungern: ir seit ain lieht
Line: 9    
der werlt, und spricht auch zuo in: ewer werk diu sülnt
Line: 10    
scheinen, und mêr spricht er: prinnend läuhter sülnt sein   10
Line: 11    
in ewern henden. dar umb sint die hailigen lêrer läuh\tend
Line: 12    
an in selber mit allen tugenden. diu ander aigen\chait
Line: 13    
ist, daz si taw pringent mit dem hailigen gotswort,
Line: 14    
daz tawet in die andæhtigen herzen und pringt dar inne
Line: 15    
pluomen und früht der êwigen sælichait. dar umb spricht   15
Line: 16    
sanctus Gregorius: daz vinster wazzer in den wolken des
Line: 17    
luftes ist diu vinster kunst in den sprüchen der weissagen.
Line: 18    
diu dritt aigenchait ist, daz die hailigen lêrer mit irm
Line: 19    
schœnem lieht, daz ist mit irm rainen leumund und mit
Line: 20    
irm êrhaften wandel frô machent den, der sitzet in der   20
Line: 21    
vinster der sünden und der tôrhait. diu vierd ist, daz si
Line: 22    
wachent alle stunt gegen gotes vorht. dar umb spricht
Line: 23    
unser herre: sælig ist der kneht, den sein herre wachend
Line: 24    
vindet, wenn er zuo ime kümpt. diu fünft ist, daz er
Line: 25    
lustig ist an ze sehen ain iegleich hailiger lêrer von   25
Line: 26    
menschleicher vernunft, wann er plüet herzecleichen
Line: 27    
schôn in tugenden und in werken reht als ain wolgeladen
Line: 28    
mandelpaum in dem maien. diu sehst ist, daz er vor der
Line: 29    
sunnen aufgêt, wann ain iegleich hailiger lêrer gêt vor
Line: 30    
der götleichen sunnen der obristen gerehtikait reht sam   30
Line: 31    
ain ritter vor seinem herren, der seins herren veint tœtt
Line: 32    
mit ainem zwischarpfen swert, daz ist, daz die hailigen
Line: 33    
lêrer die menschen tœtent in werltleichen werken und si
Line: 34    
lebendig machent in got. diu sibent ist, daz der hailig
Line: 35    
lêrer dem mônen volget in seinem scheingeprechen, daz   35
Line: 36    
ist, daz er mitleidend ist der christenhait in irer krankhait,

Page: 64  
Line: 1    
dar umb spricht sant Paulus: wer siht und ich niht sihe?
Line: 2    
diu aht ist, daz der hailig lêrer in dem winter scheint
Line: 3    
und in dem sumer niht, daz ist: in den leiden durch gotes
Line: 4    
willen scheint er mit der hitz des starken götleichen ge\lauben
Line: 5    
und der selb schein ist oft verporgen gegen den   5
Line: 6    
läuten, wenne die hailigen lêrer in gemach sint ân an\vehtung.
Line: 7    




Chapter / Strophe: 6     6.
Line: 8    
Line: 9    
VON DEM KAUFHERREN.



Line: 10    
Der sehst planêt ist ze latein gehaizen Mercurius,   10
Line: 11    
daz ist ze däutsch der kaufherre oder der kaufleut herre,
Line: 12    
dar umb, daz sein kint, die er macht in der muoter leib,
Line: 13    
wol gespræch sint, wann wolgespræchikait gehœrt die
Line: 14    
kaufläut an. er haizt auch in kriechisch stilbὂn, daz
Line: 15    
ist ze däutsch guot tröpfel, dar umb, daz er guot genâd   15
Line: 16    
geuzet und eintropft den kinden, der herr er ist. der
Line: 17    
stern volpringt seinen lauf in dreinhundert tagen und in
Line: 18    
sehsunddreizig tagen oder vil nâhen pei. ez sprechent
Line: 19    
auch etleich, daz er gelück hab ze geben auf kauf\manschaft.
Line: 20    20



Chapter / Strophe: 7     7.
Line: 21    
Line: 22    
VON DEM MONEN.



Line: 23    
Der sibend planêt und der aller niderst gegen uns
Line: 24    
haizt ze latein Luna und ist ze däutsch als vil gesprochen
Line: 25    
als ain frömdliehter, dar umb, daz der môn sein lieht   25
Line: 26    
nimpt von der sunnen und an im selber kain aigen lieht
Line: 27    
hât. iedoch sprechent etleich alt maister, daz des mônen
Line: 28    
kugel ain halbtail schein hab mit inwendigem aigem lieht
Line: 29    
und daz ander halptail vinster, und daz sich diu kugel ân
Line: 30    
underlâz umbreid, unz daz uns daz lieht halptail schein,   30
Line: 31    
und dar nâch werd daz vinster tail gegen uns gekêrt.
Line: 32    
daz ist falsch und widersprechent ez die grôzen maister
Line: 33    
und sant Augustîn in ainem sendprief, den er sant seinem

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Line: 1    
freund Januario, spricht, daz der môn erläuht werd von
Line: 2    
der sunnen. der môn verleust seinen schein, wenn daz
Line: 3    
ertreich gerihts ist gesatzt zwischen dem môn und der
Line: 4    
sunnen: mag diu sunne irn schein niht gewerfen auf
Line: 5    
den mônen. dar umb muoz er denn ân schein sein.   5
Line: 6    
wenne der môn geleich gegen der sunnen über ist, ist
Line: 7    
er vol; wenn aber in diu sunn beseits an schilhet, ist er
Line: 8    
niht ganz vol, und wenn er gar under der sunnen ist,
Line: 9    
hât er niendert kain lieht an dem tail, daz gegen uns
Line: 10    
gekêrt ist, dar umb, daz des mônen kugel dicke ist und   10
Line: 11    
vinster und mag der sunnen lieht niht genemen durch
Line: 12    
sich, als ain glas oder ain ander durchscheinendez dinch.
Line: 13    
der môn volpringt seinen lauf in dreizig tagen, alsô spricht
Line: 14    
unser puoch, oder in sibenundzwainzig tagen und in aht
Line: 15    
stunden, als die sternseher sprechent. der môn ist verr   15
Line: 16    
klainer denne diu sunne, aber er scheint uns als grôz
Line: 17    
dar umb, daz er uns verr næhender ist wan diu sunne,
Line: 18    
dar umb, daz zwên himel zwischen der sunnen himel
Line: 19    
sint und des mônen himel, als hie vor gesait ist, wann
Line: 20    
des morgenstern himel und des sprechherren himel sint    20
Line: 21    
zwischen. der môn hât in im swarz flecken, und spre\chent
Line: 22    
die laien, ez sitz ain man mit ainer dornpürd in
Line: 23    
dem mônen. daz ist aber niht wâr; ez ist dar umb, daz
Line: 24    
der môn an den stucken dicker ist an seinem antlütz
Line: 25    
wann an andern enden, und dar umb nimt er selben   25
Line: 26    
der sunnen schein niht, von scheinent uns diu selben
Line: 27    
stuck vinster. der môn ist ain vater und ain maister
Line: 28    
aller fäuhten, und dar umb sint etsleich wazzer gegen
Line: 29    
der sunnen aufganch, diu aufnement und abnement nâch
Line: 30    
des mônen aufnemen und abnemen, wann alliu fäuhten   30
Line: 31    
wehst wenn der môn wehst, si sei an gesellten dingen
Line: 32    
oder an ungesellten dingen. auch all fäuht wêtagen mê\rent
Line: 33    
sich, als diu wazzersühte und sämleich siehtum, und
Line: 34    
dar umb sint etleicher tier leip sterker wenn der môn
Line: 35    
aufnimt wan er abnimt, als man siht an den wolfen,   35
Line: 36    
wann si jagent denne mêr wan ander zeit, und die

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Line: 1    
slingenden würm, die vergiftich sint, die sint denne
Line: 2    
schedleicher wan ander zeit. daz hâr wechst auch zder
Line: 3    
zeit mêr wan zuo ander zeit, und als lang der môn
Line: 4    
gêt von der sunnen aufganch unz an daz mittel tail des
Line: 5    
himels, als lang gênt alliu mertier und alliu slingendiu   5
Line: 6    
tier auz iren wonungen, und wenn der môn sich naigt
Line: 7    
zuo seinem undervallen, verpergent si sich. wizze, daz
Line: 8    
diu naht, als Aristotiles spricht, wermer ist der môn
Line: 9    
vol ist wann ander näht; daz ist dar umb, daz der môn
Line: 10    
denne grœzern schein hât. Albumasar der sternseher   10
Line: 11    
spricht: ist daz ain mensch lang sitzt oder slæft des
Line: 12    
nahtes an dem mônschein, wirt ez træg und swær und
Line: 13    
wirt huostend und wirt oft im daz haupt flüzzich und
Line: 14    
wêtuond. ist auch daz der mônschein tôter tier flaisch
Line: 15    
begreift, daz macht er unsmeckend. ez spricht auch un\ser   15
Line: 16    
puoch, ist daz des mônen schein durch ain engez
Line: 17    
fenster gêt auf ains zerprochen pfärdes geswer auf dem
Line: 18    
rucken, ez stirbt, und stürb niht, stüend ez an der weiten
Line: 19    
in dem mônschein. des menschen haupt und sein hirn
Line: 20    
verwandelnt sich auch vast nâch des mônen lauf, als wir   20
Line: 21    
sehen an den, die ir unsinne gewinnent und verliesent
Line: 22    
nâch des mônen lauf. der môn rôt und plaich bedäut
Line: 23    
mangerlai weter, als vor gesprochen ist von der sunnen.
Line: 24    
der môn küelt der sunnen hitz und erläuht die naht und
Line: 25    
ist der erden aller næhst under allen sternen. iedoch   25
Line: 26    
mügen wir alle aigenchait des mônen besliezen mit zehen
Line: 27    
dingen, diu an unser frawen sint.
Line: 28    
Daz êrst ist, daz der môn ist ain vater aller fäuhten;
Line: 29    
alsô ist unser frawe ain muoter aller genâden, als vor
Line: 30    
gesprochen ist von der sunnen. daz ander ist, daz der   30
Line: 31    
môn küelt der sunnen hitze; alsô fäuhtigt unser frawe
Line: 32    
den zorn des obristen rihters, als wir vinden geschriben
Line: 33    
von Theophilo, der sich dem teuvel het ergeben und go\tes
Line: 34    
verlaugent, den prâht unser frawe wider, als si mangen
Line: 35    
sünder widerprâht hât. daz dritt ist, daz der môn seinen   35
Line: 36    
schein verleust wenn er die sunnen verleust; alsô ver\lôs

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Line: 1    
unser frawe iren schein kintleicher gegenwürtichait
Line: 2    
und kintleicher fräuden, ir kint, diu wâr sunn der ge\rehtikait,
Line: 3    
starb an dem cräuz. dar umb schreibt Lucas,
Line: 4    
daz Simeon hinz ir sprach in dem tempel: ain swert wirt
Line: 5    
dringen durch dein sêl. mainôt er daz swert des pit\tern   5
Line: 6    
smerzen, den si lait. daz vierd ist, daz diu sunn
Line: 7    
dem mônen schein gibt; alsô gab unser herr unserr fra\wen
Line: 8    
schein und genâd, er ir seinen hailigen gaist sant,
Line: 9    
und von sprechent etleich lêrer, daz Josep ir antlütz
Line: 10    
niht entorst angesehen die weil si swanger was, und spricht   10
Line: 11    
auch Mathæus, daz Josep si niht erkante unz daz si ge\nas
Line: 12    
ires êrstgepornen suns. daz fünft ist, daz der môn
Line: 13    
die naht erläuht; alsô erläuht unser frawe die hailigen
Line: 14    
christenhait, als man von ir singet: frewe dich, Marîâ
Line: 15    
raineu magt, wan hâst allain alle ketzerei vertilgt.   15
Line: 16    
daz sehst ist, daz der môn die werlt erläuht, wenne diu
Line: 17    
sunne hin ist, wann wenne diu sunne under der erden ist
Line: 18    
und der môn dar ob, verstêt der môn der sunnen stat.
Line: 19    
alsô tet unser frawe, unser herr ze himel fuor:
Line: 20    
liez er unser frawen hie niden seinen jungern zuo ainem   20
Line: 21    
trôst und zuo ainer läuhtenden anweisung. dar umb
Line: 22    
sprechent die hailigen lêrer, daz Lucas von irem mund
Line: 23    
hab geschriben die êwangeli. daz sibend ist, daz der
Line: 24    
môn under allen planêten dem ertreich aller næhst ist;
Line: 25    
alsô ist unser frawe under allen hailigen uns aller genæ\digst   25
Line: 26    
und ist ain mittlerin und ain fridsprecherin zwischen
Line: 27    
got und dem sünder. daz aht ist, daz der môn wehst
Line: 28    
und aufnimt; alsô wuohs unser frawe und nam auf von
Line: 29    
der zeit als ir got gekünt wart, und daz aufnemen wart
Line: 30    
volprâht, si sein genas. si nam auch ab, als vor ge\sprochen   30
Line: 31    
ist, an gegenwürtigem trôst irs kindes, si
Line: 32    
daz verlôs auf erden. nâch nam si nümmer mêr ab
Line: 33    
unz daz si enpfangen wart in die êwigen fräud, wann
Line: 34    
ist si diu allerschœnist ob allen frawen und diu aller\liebst
Line: 35    
dem obristen kaiser ân allen geprechen in ganzer   35
Line: 36    
volkumenkait. daz neund ist, daz der môn scheint und

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Line: 1    
läuht; alsô scheint unser frawe mit käuschhait und mit
Line: 2    
klârhait des leibes und der sêl, daz ist mit zwairlai klâr\hait,
Line: 3    
und dar umb haizt si ir lieb zwirschœn in der min\nen
Line: 4    
puoch, er zuo ir spricht: wie gar schœn pist,
Line: 5    
mein freundin, wie gar schœn pist! daz zehend ist,   5
Line: 6    
daz der môn tailt die zeit mit seinem lieht; alsô tailt
Line: 7    
unser frawe die zeit der genâden und der ungenâden,
Line: 8    
wann si hât uns prâht die zeit der genâden und hât ver\tilgt
Line: 9    
die zeit der ungenâden.



Chapter / Strophe: 8     8
Line: 10 
Line: 11    
VON DEN PLANÊTEN IN AINER GEMAIN.



Line: 12    
Daz sint die siben planêten, als si nâch ainander hie
Line: 13    
gesetzt sint, reht als ir siben himel ob ainander stênt, und
Line: 14    
ist ain planêt als vil gesprochen in kriechischer sprâch
Line: 15    
als ain irrgênder stern oder als ain selbwalzender stern   15
Line: 16    
dar umb, daz die siben stern von in selber walzend sint
Line: 17    
in irn aigen himeln und niht gesetzt sint an den ge\stirnten
Line: 18    
himel.
Line: 19    
Nu wil ich niht mêr von sagen, wann wer mêr
Line: 20    
von well wizzen, der zeug im und les daz däutsch puoch,   20
Line: 21    
daz ich hân gemacht von der gestalt der welt, und hai\zet
Line: 22    
die däutsch Spera, und hebt sich an:
Line: 23    
flüzz in mich aller gnâden runst,
Line: 24    
vint man vil hübscher dinge inn.



Chapter / Strophe: 9     9
Line: 25 
Line: 26    
VON DEM VEUR.



Line: 27    
Nu ist zeit, daz wir sagen von den vier elementen.
Line: 28    
der element sint viereu: feur, luft, wazzer und erd. daz
Line: 29    
feur ist haiz und trucken und ist sein sinwelliu huot gênd
Line: 30    
umb und umb ze næhst nâch des mônen himel. aber daz   30
Line: 31    
selb feur ist unsihtich reht als der luft unsihtich ist, dar
Line: 32    
umb, daz ez an der selben stat verre behender ist wann

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Line: 1    
der luft. ez verprennet auch niht diu dinch, diu hie
Line: 2    
niden sint, dar umb, daz ez verr von in ist, und auch dar
Line: 3    
umb, daz ez der luft mit seinr aigenchait sänftigt. des
Line: 4    
feures aigenchait müg wir kürzleichen begreifen mit aht
Line: 5    
dingen. daz êrst ist, daz ez zestœrt oder zepricht, als   5
Line: 6    
wir sehen an den dingen, diu ez verprennet. daz ander
Line: 7    
ist, daz ez waich macht, als wir sehen an dem plei und
Line: 8    
an anderm gesmeid. daz dritt ist, daz ez zesamen zeucht,
Line: 9    
als wir sehen an den fäuhten häuten oder an dem leder.
Line: 10    
daz vierd ist, daz ez sterkt oder starch macht, als wir   10
Line: 11    
sehen an den waichen vazzen, diu die hafner von tahen
Line: 12    
oder laime machent. daz fünft ist, daz ez die vinster er\läuht,
Line: 13    
als wir sehen an dem feur, daz flammen hât. daz
Line: 14    
sehst ist, daz ez derschrekt, als wir sehen an dem plitzen.
Line: 15    
daz sibend ist, daz ez anzündet, als wir sehen an mangen   15
Line: 16    
dingen. daz aht ist, daz ez gefrewet oder frô macht, als
Line: 17    
wir sehen in der kelten winters zeiten. Die acht aigen\chait
Line: 18    
des fewers geleichent den werken des hailigen gaistes.
Line: 19    
der hailig gaist haizt wol ain feur, dar umb spricht un\ser
Line: 20    
herr Jêsus Christus: ich pin komen ain feur ze senden.   20
Line: 21    
daz selb feur verzert des êrsten den rost der sünden. dar
Line: 22    
umb spricht diu geschrift: unser herr ist ain verzerndez
Line: 23    
feur. daz ander werch des hailigen gaistes ist, daz er
Line: 24    
herteu dinch waich macht, als herteu staineineu herzen.
Line: 25    
dar umb spricht Ezechiel auz gotes mund: ich wil ain   25
Line: 26    
stainein herz von euch nemen. daz dritt werch ist, daz
Line: 27    
der hailig gaist zesamen zeuht die flüzz der unkäusch, reht
Line: 28    
als diu sunne, diu ain prunn ist der hitz. dar umb spri\chet
Line: 29    
Salomôn in dem puoch der weishait: diu sunn ist
Line: 30    
aufgangen und macht daz ertreich dürr. daz vierd werch   30
Line: 31    
ist, daz der hailig gaist unsriu waichiu krankeu werch
Line: 32    
und unsern kurzen fürsatz sterkt und lengt. dar umb
Line: 33    
spricht diu geschrift: diu vaz des hafners bestætigt der
Line: 34    
haiz oven. daz fünft werch ist, daz der hailig gaist die
Line: 35    
vinster erläuht, daz sint diu dunkeln herzen. dar umb   35
Line: 36    
spricht Moyses in dem puoch von der welt anvanch: got

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Line: 1    
sach daz lieht, daz ez guot was, und tailt daz lieht und
Line: 2    
die vinster. daz sehst werch ist, daz der hailig gaist er\schrecket
Line: 3    
die sünder und si strâfet. von spricht diu
Line: 4    
geschrift in dem puoch von den zwelfpoten: diu
Line: 5    
stimm des hailigen gaistes an dem pfingstag wart gehœrt,   5
Line: 6    
derschrâken unsers herren junger alle; und spricht
Line: 7    
auch daz êwangeli, daz der hailig gaist die werlt strâf
Line: 8    
umb ir sünd. daz sibend werch ist, daz der hailig gaist
Line: 9    
den menschen entzünt zuo gotes minne und zuo des næh\sten
Line: 10    
lieb. daz aht werch ist, daz der hailig gaist die   10
Line: 11    
traurigen herzen trœst, und gefrewet die armen waisen
Line: 12    
in dirr werlt. von spricht diu geschrift: der hailig
Line: 13    
gaist ist paraclitus, daz ist ain trœster.
Line: 14    
Noch sint siben aigenchait an dem feur. diu êrst ist,
Line: 15    
daz ez snell wegleich ist. diu ander, daz ez trucken ist.   15
Line: 16    
diu dritt ist, daz ez rain ist. diu vierd ist, daz man ez
Line: 17    
behelt und beschirmt mit üeseln und mit luftigem aschen.
Line: 18    
diu fünft ist, daz ez leihticleichen wehst. diu sehst ist,
Line: 19    
daz ez von seinr nâtûr über sich auf gêt. diu sibend
Line: 20    
ist, daz ez von ain klain wazzers geminnert wirt.   20
Line: 21    
Die siben aigenchait des fewers mügen wir auch ge\leichen
Line: 22    
den werken des hailigen gaistes. daz êrst werch
Line: 23    
ist, daz der hailig gaist wegleich ist und snell in die
Line: 24    
geschikten sêl kümpt und macht si gênd von tugent in
Line: 25    
tugent. daz ander werch ist, daz er trucken ist in seinem   25
Line: 26    
würken, wann er trückent unstætikait, diu fliezend
Line: 27    
ist von pôshait in erger und pringet käusch und auch
Line: 28    
stætikait. daz dritt ist, daz er rain ist, wann er mag
Line: 29    
niht verunraint werden. von spricht Salomôn in dem
Line: 30    
puoch der weishait: er rüert allen enden an von seinr   30
Line: 31    
rainikait wegen. daz vierd werch des hailigen gaistes
Line: 32    
ist, daz man in bedecket und behelt mit üeseln und mit
Line: 33    
aschen, daz ist dêmüetichait. von spricht Isaias:
Line: 34    
gevangneu tohter Syôn, sitz in der aschen, daz ist in dê\müetichait.
Line: 35    
daz fünft ist, daz der hailig gaist leihtic\leichen   35
Line: 36    
wechst. von spricht diu geschrift von im: der

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Line: 1    
gaist ist snell varnd. daz sibend ist, daz der hailig
Line: 2    
gaist geminnert wirt von ain klain wazzers, daz ist mit
Line: 3    
ain klain wolgelustes und unkäusch, wann wonet
Line: 4    
Vehemoth der teufel, des wazzers vil ist; fleuht der
Line: 5    
hailig gaist von danne, wann er ist zart, daz er niht   5
Line: 6    
unrainikait pei im leidt. von spricht sant Bernhart:
Line: 7    
der götleich trôst ist zart. Aristotiles sprichet auch von
Line: 8    
dem feur: waz verr von dem feur ist, daz mag erläuht
Line: 9    
werden, ez mag aber niht enzünt werden.
Line: 10    
Ez ist dreierlai feur. daz êrst ist ain lieht, daz an\der   10
Line: 11    
ist ain flamme, daz dritt ist ain kol. daz lieht ist
Line: 12    
sam an den sternen nâch der alten maister sag, wann die
Line: 13    
wânten, daz die stern feurein wærn. diu flamm ist ain
Line: 14    
angezünter rauch, der gêt von holz oder von andern
Line: 15    
prinnenden dingen. ain kol ist ain prinnend dinch, daz   15
Line: 16    
niht flammen gibt, als wir sehen an den glüenden koln.
Line: 17    
Daz feur hât die art, daz ez sein materi, dar ein ez
Line: 18    
aribaitet, ze aschen macht, si sei im dann gehôrsam.
Line: 19    
daz feur mag niht ân materi gesein, dar ein ez würk,
Line: 20    
denn allain in seiner aigenn nâtürleichen stat ze næhst   20
Line: 21    
under dem mônen. daz feur verzert niht daz ez selber
Line: 22    
ist, aber ez verzert daz, des ez niht enist. alsô sprechent
Line: 23    
die weisen maister. reht sam tuot der hailig gaist: der
Line: 24    
verzert die sünd, der er niht ist. daz feur ie in ainer
Line: 25    
hertern materi ist, ez ie sterker und hitziger ist, wann   25
Line: 26    
ez ist hitziger in eisen wann in aim hülzin koln und ist
Line: 27    
in ainem koln hitziger wann in dem strô oder in den
Line: 28    
stupfeln. alsô ist der hailig gaist sterker in den, die
Line: 29    
dicke sint in tugenden, wann die dünne sint dar inne.
Line: 30    
daz feur, enprant in grüenem holz, prennet vester wann   30
Line: 31    
in dürrem, wan ez muoz sêrer arbaiten in grüenez wann
Line: 32    
in dürrez. alsô tuot der hailig gaist, der arbait vester
Line: 33    
in die sêl der jungen läut, die sich in der jugent üebent
Line: 34    
mit tugent unz an ir end, danne in der alten sêle, die
Line: 35    
den guoten wain verkauft habent und gebent die gerben   35
Line: 36    
durch got. daz feur macht ainen verpranten stain zuo

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Line: 1    
aschen. alsô tuot der hailig gaist, der macht den sünder,
Line: 2    
der verprant ist mit der hitz der rewe, zuo aschen der
Line: 3    
dêmüetichait. daz bezeugt uns wol Marîâ Magdalênâ und
Line: 4    
Affrâ und vil ander grôz hailigen, die vor grôz sünder
Line: 5    
wâren. daz feur macht mit seiner prunst etleich weiziu   5
Line: 6    
dinch swarz. alsô tuot der hailig gaist, der macht die
Line: 7    
schein und die glüst diser werlt swarz und unlustig der
Line: 8    
götleichen sêl. solt auch wizzen, daz ain hailiger
Line: 9    
mensch vol des hailigen gaistes geleicht ainer prinnenden
Line: 10    
kerzen, wann diu kerz ist mit irm lieht nützpær andern   10
Line: 11    
dingen und ir selber schad, wann si nimpt ab in der flam\men.
Line: 12    
alsô tuot der hailig mensch: er ie mêr guoter
Line: 13    
werch der werlt erzaigt, er ie mêr hazzes und leides
Line: 14    
gewinnet gegen der werlt. dar umb sprach unser herre
Line: 15    
zuo seinen jungern: ir werdet sælig, wenne euch diu werlt   15
Line: 16    
hazzet. diu flamme an der kerzen wirt erleschet von dem
Line: 17    
wind. alsô fleuht der hailig gaist oft von dem anplâsen
Line: 18    
und von strâfen der werlt, von manig mensch verkêrt
Line: 19    
wirt. ez verlischet auch oft diu flamm von übriger ma\teri,
Line: 20    
dar ein si würkt, als wir sehen in den ampeln, die   20
Line: 21    
ze vil öls habent. alsô erlischt der hailig gaist oft in
Line: 22    
dem menschen, der ze vil reichtums hât und sein herz
Line: 23    
von niht gewenden mag. daz feur erlischt oft von
Line: 24    
übrigem plâsen und wirt wider enzunt von mæzigem plâ\sen.
Line: 25    
alsô derlischet oft der gaist der hailigen hoffenung   25
Line: 26    
von grôzer übriger puoz, mit der peihtiger den sünder
Line: 27    
erschreckt, und wirt wider enzunt von ringer sänfter an\weisung.
Line: 28    
wenn des feurs lieht erlischt, stinket der
Line: 29    
rauch, der nâch gêt. alsô wenn der hailige gaist fleuht
Line: 30    
von den menschen, äugent sich der rauch. daz feur   30
Line: 31    
mag sein hitz und sein trucknen niht gelâzen: alsô mag
Line: 32    
der hailig gaist niht unsauberkait geleiden. daz feur
Line: 33    
wirt von verrens gesehen und macht, daz man ez selber
Line: 34    
siht und andreu dinch. alsô tuot der hailig gaist: der
Line: 35    
kümt von dem obristen got in des menschen sêl und   35
Line: 36    
macht, daz der mensch in selber erkennet und andreu

Page: 73  
Line: 1    
dinch. von singt man von dem hailigen gaist, daz er
Line: 2    
die kunst und die stimm hab aller ding. ain prinnent
Line: 3    
kerz dunket ainen trunken zwuo: alsô geschicht dem
Line: 4    
menschen, der trunken ist in dem hailigen gaist, alsô
Line: 5    
daz er die üppichait diser werlt niht erkennen wil, der   5
Line: 6    
hât zwivältig fräud von ainer gâb des hailigen gaistes.
Line: 7    
der wint derweckt daz feur, alsô derweckt diu lêr der
Line: 8    
hailigen lêrer den hailigen gaist in der menschensêl. daz
Line: 9    
feur wirt enprant oder prinnet, wenn man die kerzen auf\riht,
Line: 10    
und verlischt, wenne si ze tal kêrt. alsô wirt en\zunt   10
Line: 11    
der hailig gaist, wenne sich der mensch aufriht zuo
Line: 12    
got, und verlischt in des selben menschen sêl, wenn er
Line: 13    
sich naigt under sich in die pôshait diser werlt. daz feur
Line: 14    
wert lang als daz dinch wert, daz prennet und dar
Line: 15    
auf ez sitzt. als lang wert diu lieb gegen got und gegen   15
Line: 16    
den menschen, als lang daz wert daz man lieb hât, ez sei
Line: 17    
dann daz der liebhaber sein liep verlies oder im en\pfrömdet
Line: 18    
werd. daz feur ist hitziger in grôzer materi,
Line: 19    
wann ob der selbenlai materi klainer wær. alsô sint des
Line: 20    
hailigen gaistes werch sterker in dem menschen, der grœ\zer   20
Line: 21    
ist an tugenden, wann der niht vil tugent hât.
Line: 22    
Alfragânus spricht, daz daz feur sänftig den smerzen,
Line: 23    
der kümpt von prunst. daz seh wir, wenne ainz seinen
Line: 24    
vinger verprent und in wider zuo dem feur habt, smirtzet
Line: 25    
er niht sêr sam ê. alsô sänftigt der hailig gaist den   25
Line: 26    
smerzen der sêl, den diu prunst diser werlt hât prâht.



Chapter / Strophe: 10     10.
Line: 27    
Line: 28    
VON DEM LUFT.



Line: 29    
Der luft ist von nâtûr warm und fäuht, aber diu
Line: 30    
wirm ist gaistleicher an dem luft denne an dem feur,   30
Line: 31    
alsô daz man ir minner enpfint an dem luft wann an dem
Line: 32    
feur. ez ist auch diu fäuhten an dem luft gaistleich, alsô
Line: 33    
daz man ir minner enpfint an dem luft wann an dem
Line: 34    
wazzer. der luft ist. daz næhst element nâch dem feur

Page: 74  
Line: 1    
wann des feurs huot ain end hât, hebt sich des
Line: 2    
luftes huot an und gêt umb und umb daz mer und umb
Line: 3    
die erden, reht als daz weiz in ainem ai gêt umb den
Line: 4    
totern. alsô hât got diu element geordent, wann daz
Line: 5    
aller leihtest, sam daz feur ist, hât die obristen stat.   5
Line: 6    
dar nâch ist der luft leihter wann daz wazzer oder die
Line: 7    
erd; dar umb hât er die næhsten stat nâch dem feur.
Line: 8    
Der luft hât dreu reich. daz êrst ist ze næhst dem feur
Line: 9    
und ist warm und etswie vil trückner dann diu andern
Line: 10    
reich des luftes, dar umb, daz daz reich dem feur nâhen   10
Line: 11    
ist. daz ander reich des luftes ist gar kalt, dar umb,
Line: 12    
daz ez dem feur verr ist und auch dar umb, daz der sun\nen
Line: 13    
schein und der andern stern selben gar gesträwet
Line: 14    
ist. daz dritt reich ist pei der erden und pei dem wazzer
Line: 15    
und daz ist wermer verr dann daz mitel reich dar umb,   15
Line: 16    
daz sich der sunnen schein widerpricht auf der erden
Line: 17    
und auf dem wazzer, reht als auf ainem spiegel.
Line: 18    
Nu solt wizzen, daz in den drein reichen des luf\tes
Line: 19    
vil wunderleicher ding geschehent, wann in dem ob\risten,
Line: 20    
daz hœher ist wan alle perge, siht man ze stun\den   20
Line: 21    
ainen newen stern, der ainen schopf hât oder ainen
Line: 22    
sterz. in dem andern reich siht man des nahtes manger\lai
Line: 23    
feur, der etsleichez vert alz ain langer wispaum, und
Line: 24    
haizent ez die laien den trachen. etsleichez prinnet auch
Line: 25    
als ain kerz, etsleichez hupft als ain gaiz. man siht auch   25
Line: 26    
oft, als ob in den himel ain tiefez grôzez hol , dar zuo
Line: 27    
siht man regen und snê, hagel und plitzen und hœrt man
Line: 28    
donren und her ab vallent stain mit dem donren. und
Line: 29    
ze stunden siht man, daz ez fröschlein regent oder klai\neu
Line: 30    
vischlein. dar zuo siht man taw und reif und wil\dez   30
Line: 31    
hönich her ab vallen. man siht auch mangerlai
Line: 32    
wint fliegen in dem luft und siht den regenpogen und
Line: 33    
des mônen und des sunnen hof und siht auch ze stunden
Line: 34    
zwuo sunnen oder drei. von den allen well wir sagen
Line: 35    
wir kürzleichest mügen, wie daz sei, daz daz lateinisch   35
Line: 36    
puoch hie hinke.

Page: 75  



Chapter / Strophe: 11     11.
Line: 1    
Line: 2    
VON DEM GESCHOPFTEN STERN.



Line: 3    
Der geschopft stern haizet ze latein cometa und ist
Line: 4    
niht ain rehter stern: er ist ain flamm und ain feur
Line: 5    
prinnend in dem obristen reich des luftes. dar umb   5
Line: 6    
scholt wizzen, daz daz hitzig gestirn an dem himel
Line: 7    
zeuht irdischen dunst auz der erden und wäzzerigen
Line: 8    
dunst auz dem wazzer und die dünst paide gênt auf in
Line: 9    
den luft, dar umb daz si leiht sint sam der luft. wenne
Line: 10    
nu daz ist, daz ain irdischer vaizter rauch aufgezogen   10
Line: 11    
wirt in den luft, enzündet er sich oben in dem luft
Line: 12    
pei dem feur ze næhst, und ist des dunstes vil, wert
Line: 13    
diu flamm lang, und gêt der materi ze stunden vil zuo
Line: 14    
auz dem ertreich, wert diu flamm lang und scheint
Line: 15    
uns des nahtes als ain stern, der an dem himel stêt, reht   15
Line: 16    
als ainer, der pei dunkelr naht reitt und verren siht ain
Line: 17    
lieht, den dunket daz lieht ain stern sein. diu flamm
Line: 18    
ist gehaizen von den maistern der geschopft stern, dar
Line: 19    
umb, daz funken von im vliegent und daz er zinzelt ge\gen
Line: 20    
dem tail der werlt, im der dunst zuo gêt, der in   20
Line: 21    
nert und fuort. der stern bedäut hungerjâr in dem land,
Line: 22    
er den schopf hin kêrt, dar umb, daz diu fäuhten auz
Line: 23    
dem ertreich ist gezogen und diu vaizten, dar auz süez
Line: 24    
wein und korn und ander früht schölten auz der erden
Line: 25    
gewachsen sein, und koment oft mit vil kefern und   25
Line: 26    
häuschrecken. alsô sach ich ainen comêten ze Pareis,
Line: 27    
man zalt von gotes gepürt dreuzehenhundert jâr und siben
Line: 28    
und dreizig jâr, der werte mêr denne vier wochen und
Line: 29    
stuont gegen dem himelwagen und het den sterz gekêrt
Line: 30    
gegen däutschen landen und wegt sich mit ainr überwer\tigen   30
Line: 31    
wegung gegen mittem tag, unz er verschiet. was
Line: 32    
ich gar junk und prüeft doch allez, daz nâch geschach,
Line: 33    
wann nâch kürzleich kom ich her auz in däutscheu
Line: 34    
lant, kâmen vil häuschrecken geflogen von Ungern
Line: 35    
durch Oesterreich und durch Paiern auf über den Sant   35

Page: 76  
Line: 1    
den Main ab gegen dem Rein, daz si vil getraides
Line: 2    
verderbten auf dem veld, daz manich gäuman verdarb.
Line: 3    
daz geschach von, daz der stern kraft daz wüest lant
Line: 4    
in Preuzen und an etsleichen steten in Ungern, ez
Line: 5    
hüelich was und mosich, beraubte seiner behenden fäuhten   5
Line: 6    
und liez die gerben , auz den wart ain fäuhten und
Line: 7    
ain sâm, dar auz die häuschrecken wurden, wan ain ieg\leich
Line: 8    
tier hât sein aigen materi, dar auz ez wirt, dar umb
Line: 9    
ist ain wazzer vischreich, daz ander fröschreich.
Line: 10    
Der comêt bedäut auch streit und verræterei und un\trew   10
Line: 11    
und etleicher grôzen fürsten tôt und gemaincleich vil
Line: 12    
pluotvergiezens. alsô huoben sich nâch in den næhsten
Line: 13    
jâren vil krieg und streit zwischen dem küng in Franken\reich
Line: 14    
und dem küng in Engellant, wan der von Engel\lant
Line: 15    
dertrankt dem von Frankenreich vierzigtausent man   15
Line: 16    
auf dem mer, und ains anders jârs dar nâch gesigt er
Line: 17    
im an aines grôzen veltstreites, küng Johannes von
Line: 18    
Pehaim inne derslagen wart und vil êrbæriger ritterschaft.
Line: 19    
daz geschach allez pei kaiser Ludweiges zeiten, dem vier\den
Line: 20    
seines namens. nu maht frâgen, war umb der   20
Line: 21    
stern streit bedäut und pluotvergiezen? daz ist dar umb,
Line: 22    
daz ze den zeiten der stern kreft die lebleichen gaist auz
Line: 23    
dem menschen ziehent und machent daz behend pluot auz\dünstend
Line: 24    
auz dem menschen. nu der mensch trucken
Line: 25    
ist und hitzig, ist er zornig und vicht gern, als wir   25
Line: 26    
sehen an haizen läuten: wenne si vastent, sint si un\muotig
Line: 27    
und zornich; iedoch möht man daz wol understên
Line: 28    
mit guoten ræten. daz aber die maister sprechent, daz der
Line: 29    
stern bedäut der fürsten tôt mêr denn armer läut tôt, daz
Line: 30    
ist dar umb, daz die fürsten namhafter sint dann arm   30
Line: 31    
läut und ir tôt weiter erschillet denn armer läut tôt.



Chapter / Strophe: 12     12.
Line: 32    
Line: 33    
VON DEN FEWERN IN DEN LÜFTEN.



Line: 34    
Ez werdent auch andreu feur in dem miteln reich
Line: 35    
des luftes, diu sint mangerlai, wann ez velt oft ain flamm   35

Page: 77  
Line: 1    
her ab von den lüften auf die erden sam si vall von
Line: 2    
ainem stern, und haizent ez die laien die sternfürb. daz
Line: 3    
geschiht von, daz ain langer klainer dunst vaizter auf\gêt
Line: 4    
von dem ertreich in daz mitel reich des luftes, ez
Line: 5    
gar kalt ist. seind nu der dunst warm ist an im selber,   5
Line: 6    
widerstêt im der kalt luft und treibt in snell und
Line: 7    
gæhlingen her wider ab, und in der snellen wegung wirt
Line: 8    
er entzunt und prinnet unz zuo der erden. dar umb vint
Line: 9    
man ain vaizt ziternd dinch, sam die frösch auz werdent
Line: 10    
in den pächen maienzeiten, diu flamm nider velt.   10
Line: 11    
und daz ain solich dunst entzünt werd und flammen geb,
Line: 12    
daz prüef an zwain unsliteinn kerzen: der ain derlesch
Line: 13    
und hab die prinnende oben an den rauch, entzünt
Line: 14    
sich der rauch und läuft diu flamm her ab und entzünt
Line: 15    
die derloschen kerzen wider. alsô sengent auch die   15
Line: 16    
schintfezzel und die puoben die vaizten dünst, die durch
Line: 17    
ir niderhemd fliehend, und alsô siht man oft pei der
Line: 18    
naht flammen auf der tôten greber, von der âs vaizter
Line: 19    
dunst auf gêt und denne der luft von der naht küel ist,
Line: 20    
wirt der entzunt und gibt ain flammen. oft geschiht   20
Line: 21    
denne, daz die wahter daz sehent und wænent, ain eng\lisch
Line: 22    
kerz prinne auf ains hailigen menschen grab. ez
Line: 23    
wirt auch oft gesehen ain langer rauch in den lüften sam
Line: 24    
ain wispaum und krümt sich ze mitelst und prinnet vorn
Line: 25    
sam ob aim tracken flammen auz dem hals gên. daz ist    25
Line: 26    
von, daz der vaizt rauch zæh ist an im selber und sich
Line: 27    
streckt nâch der leng. wirt er dann gejagt von dem luft,
Line: 28    
entzünt er sich, und er krenker ist, peugt er
Line: 29    
sich sam ain slang. ez stêt auch oft in dem stillen kal\ten
Line: 30    
luft ain dunst, der unden swærr ist und dicker denn   30
Line: 31    
oben, und dar umb ist er unden prait und oben spitzig
Line: 32    
und wirt oben enzünt; dar umb stêt er in dem luft als
Line: 33    
ain prinnend kerz. ez geschiht auch oft, daz der vaizt
Line: 34    
dunst zesträwet ist in vil stuck, die doch nâhent pei ain\ander
Line: 35    
swebent in dem luft, und springt denne diu flamm   35
Line: 36    
von ainem an daz ander wol snell, reht als der mit ainem

Page: 78  
Line: 1    
prinnenden schaub füer über vil kerzen und die snell
Line: 2    
nâch ainander entzünte. dunkt uns denne, daz ain
Line: 3    
flamm spring in dem lufte sam ain gaiz. dar umb haizt
Line: 4    
daz feur diu springend gaiz. ez kümpt auch ze stunden,
Line: 5    
daz der vaizt dunst zesamen gewalzen ist als ain kugel,   5
Line: 6    
und daz er an den enden umb und umb leihter ist und
Line: 7    
behender dann an seiner mitter, dar umb entzünt er sich
Line: 8    
umb und umb nâch ainem kraiz und prinnet ze mittelst
Line: 9    
niht. dar umb scheint uns der dunst als ain liehtiu krôn.
Line: 10    
wenne der feur vil scheinent in den lüften, wizz, daz   10
Line: 11    
der erden frühte niht wol gerâtent sam andreu jâr.



Chapter / Strophe: 13     13.
Line: 12    
Line: 13    
VON DER HERSTRAZ AN DEM HIMEL.



Line: 14    
Wir sehen oft an dem himel ainen praiten halben
Line: 15    
kraiz weiz und klâr reht sam ain klâreu strâz. der kraiz   15
Line: 16    
haizt von den laien die herstrâz. von habent die wei\sen
Line: 17    
mangerlai geschriben. iedoch sprich ich nu, als ich
Line: 18    
oft gesprochen hân über Aristotilis puoch von den dingen,
Line: 19    
daz diu herstrâz kümt von zwairlai sachen. diu êrst sach
Line: 20    
ist, daz an dem tail des gestirnten himels, diu strâz   20
Line: 21    
scheint, vil zesamen gesæter stern sint, und der aller
Line: 22    
lieht prehent in ainander. wenne der luft rain ist vor
Line: 23    
wolken, scheint uns daz widerprehen der gesamten
Line: 24    
stern sam ain weizeu varb. diu ander sach ist, daz der
Line: 25    
vorgenanten stern kraft under sich gerichtes zeuht klâren   25
Line: 26    
erdischen dunst und scheint der stern schein dar durch
Line: 27    
weiz. mit dem hân ich weder Aristotilî widersprochen
Line: 28    
noch Ptolomêô noch andern maistern, die den volgent.



Chapter / Strophe: 14     14.
Line: 29    
Line: 30    
VON DES HIMELS ABGRUNT



Line: 31    
Man siht auch oft des nahtes, als ob ain gruntlôs
Line: 32    
tiefen in den himel. daz ist dar umb, daz vinsterr

Page: 79  
Line: 1    
dicker rauch sich gesament hât zuo ainem kraiz, und dar
Line: 2    
umb gêt umb und umb ain liehter dünner dunst, der scheint
Line: 3    
weiz von des mônen lieht oder von der andern stern lieht.
Line: 4    
wenne man nu swarz in weiz setzet, scheint daz swarz
Line: 5    
vil verrer von uns stênde wann daz weiz. dar umb wenne   5
Line: 6    
die mâler beschetigung oder vensterwerch mâlen wellent,
Line: 7    
setzent si weiz klâr varb zuo swarzer: scheint uns
Line: 8    
diu swarz sam ain tiefen pei der weizen. reht alsô ist in
Line: 9    
den lüften, wenn der himel den wahtern des nahts offen
Line: 10    
scheint. ez scheint uns auch der himel in mangerlai varb,   10
Line: 11    
rôt, gel, grüen und mit andern varben, dar umb, daz die
Line: 12    
räuch zwischen uns und den himeln mangerlai geschickt
Line: 13    
sint, dünne und dicke, klâr und trüeb, wäzzrig und erdisch.



Chapter / Strophe: 15     15.
Line: 14    
Line: 15    
VON DEN WINDEN



Line: 16    
Die winde koment auch von irdischem rauch. dar
Line: 17    
umb schüll wir nu von den winden sagen. der wint ist
Line: 18    
ain erdischer dunst gesament in dem luft, der sich wegt
Line: 19    
mit überwärtiger wegung von ainem end des luftes gegen
Line: 20    
dem andern. dar umb sint all wind an in selber trucken   20
Line: 21    
und warm von nâtûr: trucken von der irdischen nâtûr,
Line: 22    
dannen der dunst aufgêt oder der rauch; warm von der
Line: 23    
sunnen hitz, diu den rauch macht auz dem ertreich. ie\doch
Line: 24    
verändernt die wind ir nâtûr in den steten, si
Line: 25    
durch fliegent, alsô daz ainer fäuht ist, der ander trucken,   25
Line: 26    
ainr warm, der ander kalt. Der wind sint vier, die für\sten
Line: 27    
sint aller anderr wind. der êrst haizt der sudenwint
Line: 28    
oder der sudener, dar umb, daz er von sudem fleugt, daz
Line: 29    
ist von mittem tag her gegen norden oder gegen den
Line: 30    
himelwagen. der wint haizt ze latein auster und ist fäuht   30
Line: 31    
und warm, dar umb ist er fruhtpær und den frühten
Line: 32    
nütz. der ander haizet der nordenwint oder der nordener,
Line: 33    
dar umb, daz er von norden fleugt, daz ist von dem himel\wagen
Line: 34    
auz der Sahsen lant her von Pomerâni. der wint

Page: 80  
Line: 1    
ist kalt und fäuht, denne als vil ob er sich verkêrt mit
Line: 2    
gar verr fliegen. der wint haizt ze latein aquilo. der
Line: 3    
dritt wint haizt der ôsterwint oder der ôstener, dar umb,
Line: 4    
daz er von ôsten fleugt, daz ist von der sunnen aufganch,
Line: 5    
durch Ungern von Preuzen her. der wint ist warm in   5
Line: 6    
seinem ursprinch, wann diu sunn ist warm in irm auf\gang.
Line: 7    
der vierd wint haizt der westenwint oder der
Line: 8    
westener, dar umb, daz er von westen fleugt, daz ist von
Line: 9    
der sunnen underganch. der wind iegleicher hât zwên
Line: 10    
gesellen oder zwên volger: ainen ze der rehten seiten   10
Line: 11    
und den andern ze der tenken. die mag man haizen
Line: 12    
nâch der vodern wind namen, alsô daz des sudenwindes
Line: 13    
gesellen haizent der reht sudnær und der tenk sudnær.
Line: 14    
alsô haiz auch die andern nâch iegleichs namen. alsô
Line: 15    
hab wir über al vierstunt drei wind, daz sint zwelif. ez   15
Line: 16    
geschiht oft, daz die widerwärtigen wind begegent ain\ander,
Line: 17    
als der sudner dem nordner oder der ôstner dem
Line: 18    
westner. welher denne sterker ist, der wirft den andern
Line: 19    
zuo der erden oder in ain wazzer alsô vesticleich ze stun\den,
Line: 20    
daz er scheff under kêrt. ist aber, daz si gleich starch   20
Line: 21    
sint, ringent si mit ainander vast, daz si paid zuo
Line: 22    
der erden vallent und varnt in ainer snellen werbeln
Line: 23    
weise und zuckent oft mit in auf ainen grôzen stain oder
Line: 24    
ainen menschen oder ain ander swærez dinch und füerent
Line: 25    
daz mit in auf in die lüft. wenne aber si alsô vallent   25
Line: 26    
in daz mer, werfent si daz merwazzer auf und giezent
Line: 27    
ez an daz lant und verderbent läut und guot. der winde
Line: 28    
flug wirt gesetzt, alsô daz si niht fliegent, von zwairlai
Line: 29    
sachen ze vorderst. diu êrst ist, daz der sunne und der
Line: 30    
stern kraft den irdischen dunst mit übriger hitz zesträ\wet   30
Line: 31    
auz ainander, alsô daz er sich niht gesamnen mag
Line: 32    
zuo ainem gar merkleichen stôz oder flug; fleugt aber er,
Line: 33    
daz ist ain klain. diu ander sach ist, daz den dunst der
Line: 34    
regen mit im her ab zeuht auf die erden. ê er sich dan
Line: 35    
wider auf swingt in die lüft und daz wazzer in lâz, daz   35
Line: 36    
er wider leiht wirt, sint die lüft indes still und prüeft

Page: 81  
Line: 1    
man wênig wind. dar umb ist der luft oft still nâch
Line: 2    
dem regen, wenne vor dem selben regen wind gewæt
Line: 3    
habent.



Chapter / Strophe: 16     16.
Line: 4    
Line: 5    
VON DEM REGEN



Line: 6    
Der regen kümpt von wäzzrigem dunst, den der
Line: 7    
sunnen hitz auf hât gezogen in daz mitel reich des luftes,
Line: 8    
wann von der kelten, diu ist, entsleuzt sich der
Line: 9    
dunst wider in wazzer, als wir sehen an dem dunst, der
Line: 10    
von dem wallenden hafen gêt ob dem feur: wenn der   10
Line: 11    
dunst die kalten eisneinne hafendecken rüert, entsleuzt
Line: 12    
er sich in wazzers tropfen. alsô geschiht auch dem dunst,
Line: 13    
der kümt von rôsen prennen oder von wein prennen:
Line: 14    
wenne der den kalten pleienne huot rüert, entsleuzt
Line: 15    
er sich auch in wazzer, und smeckt daz selbig wazzer   15
Line: 16    
von dem ding, von der dunst kümt. dar umb wizz,
Line: 17    
wenn sich der dunst gesament in den luft, gestêt er
Line: 18    
zesamen und wirt dicke, des êrsten von der kelten,
Line: 19    
und scheint uns dann als ain hauf weizer wollen oder
Line: 20    
swarzer. daz haiz wir wolken. wan vil erdisches   20
Line: 21    
rauches ist gemischt zuo dem wäzzerigen dunst oder
Line: 22    
der wäzzerig dunst gar dicke zesamen stêt, scheint daz
Line: 23    
wolken swarz; wenne aber der dunst clâr ist, scheint
Line: 24    
ez weiz; ist aber der erdisch rauch dünner etswie vil,
Line: 25    
scheint daz wolken rôt, und alsô ändert ez sich an der   25
Line: 26    
varb, reht als der dunst sich ändert an im selber. nu
Line: 27    
diu kelten vast arbaitt in daz wolken, entsleuzt ez sich
Line: 28    
in wazzer, und von seind diu kelten sänfticleichen
Line: 29    
anrüert diu wolken, macht si klaineu tröpflein auz gar
Line: 30    
klainen stükleinn des dunstes, und vellet daz wazzer dar   30
Line: 31    
umb her ab in tropfen weise. ist aber diu kelten gar
Line: 32    
grôz, verkêrt si grôzeu stükel des dunstes ze mâl mit
Line: 33    
ainander, vallent gar grôz tropfen. dar umb seh wir
Line: 34    
sumerzeiten ze stunden gar grôz tropfen vallen. daz

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Line: 1    
ist dar umb, daz diu grôz hitz die kelten hât vertriben
Line: 2    
an ain stat der wolken, und ist diu kelten denn gar starch
Line: 3    
an ir selber, dar umb daz si veraint ist, und wil der hitz
Line: 4    
widerstên, entsleuzt si dann die wäzrigen dünst in grôz
Line: 5    
tropfen. von den sachen geschiht auch oft, daz ain grôz   5
Line: 6    
wazzer ze mâl mit ainander her ab vellet, alsô daz ez
Line: 7    
ain haus oder ain ganz dorf hin füert. ez geschiht auch
Line: 8    
ze stunden, daz rôtez wazzer regent sam pluotstropfen.
Line: 9    
daz ist von, daz vil verprunnens erdisches rauchs ge\mischet
Line: 10    
ist zuo dem wäzrigen dunst: von verbt sich   10
Line: 11    
daz regenwazzer rôt. alsô vindet man auch oft, daz sich
Line: 12    
daz wazzer verbt in der erden und gar rôt her für vleuzt;
Line: 13    
wænent die ainvältigen läut, daz ain hailtum sei.
Line: 14    
alsô pauten Kelhaimer ain hülzen cappeln über ainen
Line: 15    
rôten wazzerfluz an der Tuonaw oberhalb Regenspurch.   15
Line: 16    
ez geschiht auch oft, daz ez klaineu fröschel regent oder
Line: 17    
klaineu vischel. daz ist von, daz der wäzzrig dunst alsô
Line: 18    
an im selb geschickt ist, wenn er sich in wazzer entsleuzt,
Line: 19    
sam diu wäzzrig pruot, dar auz die fröschleu werdent oder
Line: 20    
die vischel, und der stern kraft würkt diu tierl auz der   20
Line: 21    
geschickten materi und geuzt ain leben dar ein. ich rât
Line: 22    
aber niht, daz der vischel ezzest, wann si sint von
Line: 23    
rôher materi und sint vergiftig. dar umb geschiht auch
Line: 24    
oft, daz ain stain oder ain eisen her nider vellt; daz
Line: 25    
wirt auch paidez auz dem erdischem rauch und auz dem   25
Line: 26    
wäzrigen dunst alsô zesamen gemischt, als ez der nâtûr
Line: 27    
der dinger eben kümt. und alsô viel ain eisen oben
Line: 28    
her ab hie vor, daz was hert, daz ain küng ain swert
Line: 29    
dar auz wolt haben gemacht. wolt daz eisen von feur
Line: 30    
nie derwaichen, dar umb, daz ez niht reht nâch eisens   30
Line: 31    
nâtûr gemischt was auz den vier elementen. regenwazzer,
Line: 32    
gesament in den zistern, ez gestêt, vellet diu erd
Line: 33    
ze podem, diu dar zuo gemischt was von irdischem rauch,
Line: 34    
wirt ez denn gar lauter und süez und ist guot zuo der
Line: 35    
ruor, daz diu verstê, und zuo dem rôten fluz. die visch   35
Line: 36    
werdent vaizt von regenwazzer und dar umb swimment si

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Line: 1    
ob gegen dem regen und fräwent sich des. solt auch
Line: 2    
wizzen, daz des luftes reich, daz wolken stêt und der
Line: 3    
regen wirt und der wint wæt und allez weter geschiht,
Line: 4    
niderr ist dann die hœhsten perg, die auf erden sint,
Line: 5    
wan man vindet perg hôch, nie kain regen auf   5
Line: 6    
kom noch kain wint noch taw noch kain ander werch
Line: 7    
des weters. daz habent die alten maister an etleichen
Line: 8    
hôhen pergen versuocht, alsô daz si nâmen ainen pad\swamp
Line: 9    
und fäuhten den mit wazzer und hielten in für
Line: 10    
den munt, wenn si hôch kômen an den pergen, daz si   10
Line: 11    
niht mêr fäuhtes luftes heten, der in daz herz erkuolte,
Line: 12    
und schriben mit den vingern an die erden auf den per\gen.
Line: 13    
wenn si dann über ain jâr hin wider kômen,
Line: 14    
funden si die geschrift ganz sam an dem êrsten tag. daz
Line: 15    
möht niht gesein, wær regen oder wint dar auf gewesen.   15



Chapter / Strophe: 17     17.
Line: 16    
Line: 17    
VON DEM TAWE.



Line: 18    
Taw wirt auz gar behendem zartem wäzrigem luft,
Line: 19    
der lind und zart ist, daz er die kelten des miteln
Line: 20    
reichs des luftes niht erleiden mag. dar umb beleibt er   20
Line: 21    
oben in dem nidristen reich des luftes, der luft sänft
Line: 22    
und lind ist. nu der naht kelten sumerzeiten kümt,
Line: 23    
entsleuzt sich der gar edel dunst in zartez wazzer und
Line: 24    
in unsihtigeu tröpfel, daz man sein nidervallen niht
Line: 25    
prüeft unz daz diu löckel naz sint auf dem haupt den,   25
Line: 26    
die des nahtes der naht dienent. dem zarten wazzer ist
Line: 27    
behendez ertreich zuo gemischt und zärtleich wirm,
Line: 28    
daz alle die paum, kräuter und pluomen grüenent und
Line: 29    
zuonement, dar auf ez gevellt. maht sein zarthait
Line: 30    
prüefen dar an. nim ain gar rain leinen tuoch und prait   30
Line: 31    
ez auf ain rainez gras in ainem garten sumerzeiten, unz
Line: 32    
des nahtes daz taw gevâhst; twing ez dann mit
Line: 33    
rainen henden in ain lær airschaln, auz der ir toter und
Line: 34    
allez ir weiz datz ainem klainen löchlein gezogen sei,

Page: 84  
Line: 1    
und lain ez denn des tages an ain aufgestecktez sper an
Line: 2    
der stat, diu sunn an schein. ez denn derwarmet,
Line: 3    
wirt ez leiht, daz ez die schaln ze perg füert an
Line: 4    
dem sper.
Line: 5    
Ach wie schôn möht man daz geleichen den gâben   5
Line: 6    
des hailigen gaistes, die die pluomen Christum machten
Line: 7    
grüenend in der zarten schaln unser frawen und si der\hœht
Line: 8    
habent an dem sper der stætikait! prüef auch des
Line: 9    
tawes edel nâtûr dar an, daz ez menschleicher nâtûre
Line: 10    
eben kümt und güetleich zuolacht, wenn ez reudik ist   10
Line: 11    
worden in dem lenzen; ez sich dann wescht mit tawe
Line: 12    
und dar inne welzet des morgens, ê diu sunne den taw
Line: 13    
benem, wirt ez sleht an seiner haut und frœleich an
Line: 14    
seinem muot. Ach helferinne, hilf und tawe mit deinen
Line: 15    
genâden auf uns räudig sünder, himelischeu frawe, gotes   15
Line: 16    
gepärerinne!



Chapter / Strophe: 18     18.
Line: 17    
Line: 18    
VON DEM SNÊWE.



Line: 19    
Snê wirt auz wässrigem dunst recht als der regen in
Line: 20    
dem miteln reich des luftes, aber ez muoz der luft    20
Line: 21    
kalt sein, daz er kreftig sei, wenne daz wolken sich
Line: 22    
zesamen zeuht und wirt dick sam die wollenstückel,
Line: 23    
daz in diu kelten zehant durchgê und derfrœr und
Line: 24    
mach in hert mit ainer linden herten, ê daz er zuo wazzer
Line: 25    
werd oder wazzers form gevâh. dar umb vellt der snê   25
Line: 26    
her ab in wollen weis. wizz, daz etleich perg durch daz
Line: 27    
lang jâr snê habent, dar umb daz si gar hôch sint und
Line: 28    
an dem gar kalten tail des luftes. ez sint auch etleich,
Line: 29    
nümmer kain snê auf kümt, reht als kain regen. alsô
Line: 30    
schreibent die kriechischen maister von dem perg in   30
Line: 31    
Kriechenland, der haizt Οlympus.

Page: 85  


Chapter / Strophe: 19     19.
Line: 1    
Line: 2    
VON DEM REIFEN.



Line: 3    
Der reif wirt auz der selbenlai dunst, dar auz daz
Line: 4    
taw wirt, iedoch muoz diu kelten verr grœzer sein, diu
Line: 5    
den reifen macht, wan diu daz taw macht. wan ze gleicher   5
Line: 6    
weis als sich der snê zuo dem regen hât, alsô hât sich
Line: 7    
der reif zuo dem tawe, und als daz taw allen frühten
Line: 8    
nütz ist und frumen pringet, alsô ist in der reif schad und
Line: 9    
verderbt die früht auf den paumen und auf den wein\reben
Line: 10    
und durchgêt si gar, daz si vallent oder swar\zent   10
Line: 11    
sam si verprant sein. daz ist dar umb, daz der reif
Line: 12    
von gar behendem dunst ist und gar kalt, und von
Line: 13    
durchgêt er diu klainen luftlöchlein an den frühten und
Line: 14    
erleschet die nâtürleichen hitz dar inn. daz geschiht,
Line: 15    
müezent die fruhtpluomen sterben und swarzen. ez   15
Line: 16    
ist auch der reif hertgriffiger dann der snê, dar umb,
Line: 17    
daz den dunst, dar auz der reif wirt, diu grôz kelten
Line: 18    
herticleicher durchgêt und sich tiefer dar ein senket
Line: 19    
wann in den snê und machet gar klaineu körnlein in dem
Line: 20    
reifen und gar herteu; dar umb læt sich der reif niht   20
Line: 21    
schôn pallen sam der snê. scholt auch wizzen, daz
Line: 22    
daz reimeln an der paum esten winterszeiten kümt von
Line: 23    
den selben sachen, wann der fäuht warm dunst, der von
Line: 24    
der esten nâtûr gêt, verkêrt sich von der grôzen kelten
Line: 25    
in reifes gestalt, und seind der dunst klain ist, wirt   25
Line: 26    
er zehant verkêrt, er neur her für kümt. dar umb
Line: 27    
beleibt er auf den esten hangend. alsô bereimelt ainem
Line: 28    
menschen auch sein part oder hâr oder ander dinch auf dem
Line: 29    
haupt von dem fäuhten âtem, der im von dem mund und
Line: 30    
von der nasen gêt, der luft gar kalt ist. ez vallent   30
Line: 31    
auch oft körnlein, allermaist in dem lenzen, diu sint
Line: 32    
sinbel sam die arwaiz und sint herter an dem griff wan
Line: 33    
der snê und waicher wan der reif, die koment von,
Line: 34    
daz diu kelten grœzer ist wan zuo dem snê und klainer
Line: 35    
wan zuo dem reifen, alsô daz si den dunst niht gar   35

Page: 86  
Line: 1    
durchgêt sam in dem reifen. diu körnlein haizent ze
Line: 2    
latein granula.



Chapter / Strophe: 20     20.
Line: 3    
Line: 4    
VON DEM SCHAWR.



Line: 5    
Der schaur haizt in anderr däutsch der hagel, und   5
Line: 6    
kümt von, daz der wäzzrig dunst des êrsten sich ent\sleuzt
Line: 7    
in regentropfen an ainer niht übrig kalter stat in
Line: 8    
dem luft, der regen wirt, und die tropfen dar nâch
Line: 9    
vallent durch ain gar kalte stat, diu hitz in dem
Line: 10    
sumer die kelten zesamen hât getriben, wan diu selb   10
Line: 11    
übrig kelten verkêrt die tropfen in eis, reht als si daz
Line: 12    
wazzer tuot hie niden winterzeiten. dar umb sint des
Line: 13    
schaurn körner gestalt sam die cristallen und sint sinbel,
Line: 14    
dar umb, daz si sich sleifent durch den luft her ab zuo
Line: 15    
allen enden. ez kümt auch oft, daz regentropfen vallent   15
Line: 16    
mit dem schaurn; daz ist von, daz der schaur her
Line: 17    
nider paz in seinem vallen linden luft begreift: dar umb
Line: 18    
zefleuzt er an den enden und die tropfen vallent mit im
Line: 19    
her ab in regens weis.



Chapter / Strophe: 21     21
Line: 20 
Line: 21    
VON DEM MILTAWE.



Line: 22    
Ez haizet ainz miltaw, daz verderbt den hopfen oft
Line: 23    
und daz korn und ander getraid. daz kümpt von, daz
Line: 24    
der erdisch dunst, dar auz daz miltaw wirt, gar behend
Line: 25    
ist an im selber und daz er sêr geprant ist von der   25
Line: 26    
sunne, diu in auf hât gehebt von der erden. dar umb
Line: 27    
wenn sich der dunst entsleuzt in haimleichez nidertropfen
Line: 28    
mit regen oder ân regen und er gevellt auf die plüet
Line: 29    
der frühten, verprent er daz fruhtpær march der
Line: 30    
frühten, reht sam ain nazzer wolgepranter asch tæt, ob   30
Line: 31    
man in dar auf legt. und daz dem alsô sei, daz er kome
Line: 32    
von erdischem dunst, daz vind ich alsô. wenne daz

Page: 87  
Line: 1    
miltaw gevallen ist, prüeft man ez aller êrst an dem
Line: 2    
dritten tag oder an dem vierden und ist danne daz gel
Line: 3    
oder swarz worden, dar auf ez sitzet, und diu varb bedäut
Line: 4    
prunst der materi. ez geschiht oft, daz daz selb getraid,
Line: 5    
dar auf ez vellt, steubt, wenn ez gedorret, sam ez mit   5
Line: 6    
aschen sei besträut. daz wær allez niht, kæme daz miltaw
Line: 7    
niht von erdischem verprantem dunst, der daz getraid
Line: 8    
alsô negt. scholt auch wizzen, daz ez den frühten
Line: 9    
aller maist schadet, si plüent, wan ir plüet ist lind
Line: 10    
und zart. wenne aber ir früht von den pluomen koment   10
Line: 11    
und ain tail erstarkt sint, schat ez in niht als vil.
Line: 12    
ez haizt auch miltaw niht von miltikait, wan ez ist ark
Line: 13    
und übel: ez ist gehaizen von milwen miltaw, wan als
Line: 14    
die milwen daz gewant frezzent und verderbent, alsô
Line: 15    
verderbt ez die fruht. dar umb hieze ez wol milwentaw,   15
Line: 16    
wan man vint an vil dingen klaineu würmlein swarzeu
Line: 17    
nâch etleichen tagen, dar auf daz miltaw gevallen ist.
Line: 18    
iedoch wizz, daz ich den sin von dem miltaw von andern
Line: 19    
maistern niht hân genomen.



Chapter / Strophe: 22     22
Line: 20 
Line: 21    
VON DEM HONIG.



Line: 22    
Ez kümt auch ze stunden in dem sumer, daz hönig
Line: 23    
vellet von den lüften auf die paum und auf daz gras,
Line: 24    
und fliegent die peinen dar auf und sament daz. daz
Line: 25    
haizt man trôr. daz kümpt von, daz der fäuht dunst   25
Line: 26    
von der sunnen aufgezogen wirt sumerzeiten auz den
Line: 27    
pluomen, auz den kräutern und auz den frühten unz in
Line: 28    
daz reich des luftes, daz ob den wolken stêt. wirt
Line: 29    
der dunst dann aber gedicket an im selber von der sänf\ten
Line: 30    
kelten, diu ist gar nâhent pei dem obristen reich   30
Line: 31    
des luftes, und von der dicken und von dem frost ent\sleuzt
Line: 32    
sich der dunst in süeze fäuhten und vellt her wider
Line: 33    
ab auf die früht und auf die pluomen, und daz haiz wir
Line: 34    
wildez honig. iedoch scholt wizzen, daz zwairlai honig

Page: 88  
Line: 1    
ist; ainz ist nâtürleich, daz ander maisterleich. daz
Line: 2    
nâtürleich ist von wir ietzo gesagt haben. daz maister\leich
Line: 3    
ist daz der pein maisterschaft ze haufen tregt in
Line: 4    
ir wonung. scholt auch wizzen, daz des nâtürleichen
Line: 5    
hönigs in unserr wonung wênig vellet, sein vellt aber vil   5
Line: 6    
in den landen gegen der sunnen aufganch. daz ist dar
Line: 7    
umb, daz der behend zart dunst, dar auz daz höng wirt,
Line: 8    
von den pluomen und von den frühten in unserr wonung
Line: 9    
niht mag aufgên durch den zæhen slipfrigen luft unz
Line: 10    
an sein reht stat, er zuo höng würd. wan unser luft,   10
Line: 11    
wir wonen, der ist vol wäzriger wolken und der ver\kêrt
Line: 12    
den selben dunst und verderbt in. iedoch vellt daz
Line: 13    
honig sumerzeiten pei uns auch, wenn unser luft rain und
Line: 14    
schœn ist, und daz geschiht in dem prâchmônn, der ze
Line: 15    
næhst nâch dem maien ist, allermaist pei den sumerleichen   15
Line: 16    
sünwenden. wenne daz geschiht, sterbent diu schâf
Line: 17    
und die gaiz gern, dar umb, daz daz hong coleram macht
Line: 18    
in der tier leib. des vindest ain zaichen: wenne si
Line: 19    
tôt sint und man si aufsneidet, sint si inwendig gel
Line: 20    
von der prunst colora. aber in den landen gên der   20
Line: 21    
sunnen aufganch ist der luft gar lauter und still durch
Line: 22    
daz ganz jâr gar vil; dar umb vellt ez in den landen
Line: 23    
oft. wenn ez gevallen ist, schol man daz vich heim
Line: 24    
lâzen und schol den kinden wern, daz si ez niht ab den
Line: 25    
paumpletern saugen. iedoch hân ich des vil gezzen auf   25
Line: 26    
dem geu, ich ain kindel was; nâch tet mir mein
Line: 27    
leibel gar und west niht, von daz wær. waz kraft
Line: 28    
daz hönig hab, daz sag wir her nâch, wenn wir von den
Line: 29    
peinn sagen.



Chapter / Strophe: 23     23
Line: 30 
Line: 31    
VON DEM HIMELFLAD.



Line: 32    
Ainz haizt ze latein ladanum und mag ze däutsch
Line: 33    
haizen himelflad oder himeltrôr, reht sam daz vorder hiez
Line: 34    
honigtrôr. daz himeltrôr vellt auch nider sam daz hong\trôr,

Page: 89  
Line: 1    
dann daz ez ain wênich hœher vellt, und kümt von
Line: 2    
dem selben dunst, denne daz der dunst dicker ist und
Line: 3    
zæher an im selber. wenne daz himeltrôr vellt auf diu
Line: 4    
kräuter, tailt man daz kraut mit riemen und under\schait
Line: 5    
ez, behanget diu edel fäuhten an den riemen;   5
Line: 6    
diu gehertt wirt, haizt si ladanum. daz vellt in
Line: 7    
unsern landen niht, durch der sach willen, die wir vor
Line: 8    
gesagt haben von dem honigtrôr. daz himeltrôr lauter
Line: 9    
ist und niht gemischt mit andern dingen, ist ez gar
Line: 10    
edel smeckend und zelt man ez zuo den edelsmeckenden   10
Line: 11    
dingen, diu man ze latein aromata haizt. daz ist gar
Line: 12    
schatzpær, aber man velscht ez mit gaizmist und mit
Line: 13    
sölchen swarzen dingen, diu man wol kewen mag. man
Line: 14    
velscht ez auch sêr, daz man in zehen pfunden kaum
Line: 15    
ain unz vint. aber man schol daz auzweln für daz   15
Line: 16    
pest, daz swær ist und swarz und daz man kewen mag
Line: 17    
und daz wol smecket. aber daz rœtlot ist und zwischen
Line: 18    
den henden zerpricht oder zereiset, daz bedeut, daz ez
Line: 19    
veraltet ist oder alze sêr gevelschet. daz himeltrôr hât
Line: 20    
die kraft, daz ez die flüzz verstênd macht, die wäzrig sint,   20
Line: 21    
und daz ez hitzt. diu zwai hât ez von seiner nâtûr adel,
Line: 22    
dar umb geit man ez für die huosten und für den fluz,
Line: 23    
der von dem hirn gêt zuo der prust, ist daz der huost
Line: 24    
kümt von kalter sach, wan habt man ez für die nasen
Line: 25    
und smeckt dar zuo, hilft ez für den fluz. ist auch,   25
Line: 26    
daz man daz himeltrôr mischt zuo rôsen und wellet ez
Line: 27    
in ainem regenwazzer und deckt daz vaz unz daz ez
Line: 28    
wider lâw wirt, wem denn die zend wagent, nimt er des
Line: 29    
wazzers in den munt und tweht man im die füez mit,
Line: 30    
alsô daz sich die âdern entsliezent, werdent die zend   30
Line: 31    
gevestent von. alsô geschiht auch, ob man ladanum
Line: 32    
mischt mit dem kraut, daz haizt mastix. ob man daz
Line: 33    
gemischt legt inwendig und auzwendig an daz zandflaisch
Line: 34    
und an die zend, werdent die zend gevestent. daz
Line: 35    
himeltrôr sterkt auch der frawen muoter und hilft der   35
Line: 36    
fruht in dem leib. ez ist auch guot dem, der ainen kranken

Page: 90  
Line: 1    
magen hât von kalter sach, und wer den magen sterken
Line: 2    
well, daz er wol gekochen müg sein ezzen, der nem fünf
Line: 3    
pillulas, daz sint fünf kügellein, in der apoteken gemacht
Line: 4    
von ladano und nem die in kæswazzer oder in molken,
Line: 5    
daz haiz ich allz ainz.   5



Chapter / Strophe: 24     24.
Line: 6    
Line: 7    
VON DEM HIMELPROT.



Line: 8    
Manna haizt ze däutsch himelprôt und vellt auch
Line: 9    
oben her ab von den lüften, iedoch ain wênig hœher
Line: 10    
wann daz himeltrôr, sam etleich maister sprechent. ez   10
Line: 11    
wirt auch auz der selbenlai dunst, dar auz daz himeltrôr
Line: 12    
wirt, denn daz sein dunst auz den elementen gleicher
Line: 13    
oder zimleicher gemischt ist und sein fäuhten paz gekocht
Line: 14    
ist, und vellt auch in tawes weis her ab des nahtes auf
Line: 15    
diu kräuter oder auf die vels und wirt hert,    15
Line: 16    
sament ez die läut dann. aber dar umb, daz sein wênig
Line: 17    
vellt, velscht man ez gar sêr. wizz, daz ez in unsern
Line: 18    
landen niht vellt von der selben sach wegen, diu gesagt
Line: 19    
ist von dem honigtrôr und von dem himeltrôr. wenne
Line: 20    
daz himelprôt lauter ist und niht gemischt mit andern   20
Line: 21    
dingen, ist ez edel smeckend und gar schatzpær. man
Line: 22    
derkennet aber daz lauter von dem unlautern alsô, daz
Line: 23    
daz lauter weizlot ist und inwendich etleich hölr hât sam
Line: 24    
der honigsaim, und daz gar lauter ist, daz ist süez und
Line: 25    
gar lustig und zimleich in dem mund. nu maht    25
Line: 26    
frâgen, ob ez daz himelprôt sei, daz got dem gläubischen
Line: 27    
volk sante in der wüesten hie vor, ez vlôch auz
Line: 28    
Egiptô. sprich ich: nain, wann got der speist daz
Line: 29    
volk vierzig jâr von dem selben himelprôt in übernâtür\leichen
Line: 30    
werken, kümt daz himelprôt, ich nu von   30
Line: 31    
sag, von nâtürleichen werken. auch het der alten väter
Line: 32    
himelprôt vil aigenchait an im, der ditz niht hât. ob
Line: 33    
aber ez an dem smach und in dem mund wær sam ditz,
Line: 34    
daz widersprich ich niht. daz himelprôt, wir hie von

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Line: 1    
reden, daz wirt oft gevelscht mit honig, oft mit lekritzen,
Line: 2    
diu gepulvert ist. aber wenne man ez velscht, ist ez
Line: 3    
unlustichleichen süez, alsô daz dem menschen dar ab
Line: 4    
wüllet. daz himelprôt hât die kraft, daz ez daz pluot
Line: 5    
läutert und rainigt, und dar umb ist ez guot in hitzigen   5
Line: 6    
sühten, die koment von der colera, und schol man ez
Line: 7    
den siechen beraiten in warm wazzer, sam man ainz be\rait
Line: 8    
in der apoteken, haizt cassia fistula. iedoch gehœrt
Line: 9    
daz den ärzten, wan ain mensch möht sich leiht ver\greifen.
Line: 10    
kœm daz von meinen schulden, daz wær mir   10
Line: 11    
lait.



Chapter / Strophe: 25     25.
Line: 12    
Line: 13    
VON DEM DONR UND VON DEM PLITZEN.



Line: 14    
Der donr kümt von erdischem vaiztem dunst, von
Line: 15    
diu feur in den lüften werdent, als vor gesait ist, und   15
Line: 16    
kümpt in dér weis. seind der dunst an im selber warm
Line: 17    
ist und der wolken stat kalt, er dann kümt an die
Line: 18    
stat der wolken, wellt er über sich auf zuo dem feur
Line: 19    
oder in daz obrist reich des luftes, dar umb, daz er leiht
Line: 20    
ist und warm, sam daz feur leiht ist und haiz. wenn er   20
Line: 21    
denne an diu kalten wolken stœzt, stôzent si in her
Line: 22    
wider ab. von dem stôzen vert er snell hin wider,
Line: 23    
stœzt den dunst diu kelten noch vester her wider. daz
Line: 24    
geschiht lang, unz daz er gar snell und vesticlei\chen
Line: 25    
wirt her nider geworfen, sam ain geschôz, daz man   25
Line: 26    
auz pühsen scheuzet. von wirt der vaizt dunst enprant
Line: 27    
in seinem snellen flug, alsô daz er flammen geit, und die
Line: 28    
flammen haiz wir plitzen. aber daz reizen, daz der dunst
Line: 29    
tuot in den wolken und in den lüften, daz haizt der
Line: 30    
tonr. dar umb koment diu zwai mit enander donr und   30
Line: 31    
plitzen. iedoch siht man den plitzen, ê wir den tonr
Line: 32    
hœrn, wann daz gesiht streckt sich verrer und sneller
Line: 33    
dan daz gehœrd. alsô seh wir oft auf den püeheln ob
Line: 34    
den pächen, die weschen waschent, den slag mit den

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Line: 1    
pleueln, ê wir den galm hœren. nu möhst sprechen:
Line: 2    
wir sehen oft plitzen ân den donr und hœrn oft den donr
Line: 3    
ân plitzen. daz ist dar umb, daz oft die wäzzrigen
Line: 4    
wolken gar vinster und dicke sint und derleschent die
Line: 5    
flammen ob der dicken, alsô daz wir ir niht sehen. wenne   5
Line: 6    
daz geschiht, hœr wir donr ân plitzen. ez geschiht
Line: 7    
auch, wenn ez gar haiz ist gewesen des tages in sumer\zeiten,
Line: 8    
daz die vaizten dünst verr von uns entzünt wer\dent,
Line: 9    
alsô daz sich der galm verstôzt, daz er niht zuo
Line: 10    
uns kümt: seh wir den himelitzen oder den plitzen   10
Line: 11    
ân donr. iedoch sint läut, die wænent, daz der donr ain
Line: 12    
stain sei, dar umb, daz oft ain stain her ab vellt mit dem
Line: 13    
donr in grôzem weter. daz ist niht wâr, wan wær der
Line: 14    
donr ain stain, machte er wunden den läuten und den
Line: 15    
tiern, die er dersleht, sam ander vallend stain tuont. des   15
Line: 16    
geschiht doch niht, wan wir sehen, daz die läut, die der
Line: 17    
donr sleht, kain wunden habent. si sint aber swarz an
Line: 18    
dem slag, daz ist dar umb, daz der haiz dunst si ver\prent
Line: 19    
und verprent in daz pluot in dem herzen, dar umb
Line: 20    
erstickent si ân wunden. ez kêrt auch der mensch daz   20
Line: 21    
antlütz gegen dem slag, dar umb, wenn ez der donr
Line: 22    
sleht, wil ez warten, waz daz sei, und hêrt daz antlütz
Line: 23    
umb, und in dem kêren stirbt ez. wizz auch, daz der
Line: 24    
donr allermaist schat hertem ding sam stahel ist und vels
Line: 25    
und stain. daz ist dar umb, daz diu selben dinch den   25
Line: 26    
dunst niht durch varn lâzent, dar umb zerpricht er si
Line: 27    
und zekleubt si oft ze stucken. aber lindem ding schadet
Line: 28    
er niht sêr, dar umb zerpricht er oft daz swert in
Line: 29    
der schaiden und die spæn, alsô daz daz leder ganz be\leibt
Line: 30    
an der schaiden. der donr ist mangerlai, wann oft   30
Line: 31    
gillt er sam der ainem ain plâtern voller luftes auf dem
Line: 32    
haupt zerslüeg. daz ist dar umb, daz daz wolken sich
Line: 33    
umb und umb hât gesament umb den donrigen dunst,
Line: 34    
mag er nindert auz, unz er daz wolken zerpricht an
Line: 35    
ainer seiten sam der luft die plâtern tuot. er hillt auch   35
Line: 36    
oft sam der ain leinein tuoch nâch der leng rizze, daz

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Line: 1    
ist, wenn er nâch der tiefen diu wolken und den luft reizt.
Line: 2    
er prastelt auch oft sam tännein holz prastelt in ainem
Line: 3    
feur. daz ist dar umb, daz der dunst stückelot oder in
Line: 4    
stuckes weise beslozzen ist und in mangen stücken nâch
Line: 5    
ainander auz prichet, reht sam der haiz luft in dem feur   5
Line: 6    
auz luftigem holz oder sam der luft tuot auz vil castanien
Line: 7    
oder auz aicheln, die man ganz in ain feur richt. der
Line: 8    
plitzen wirkt auch gar wunderleicheu werch und ist schäd\leich
Line: 9    
gar an vil dingen. daz êrst ist, daz er dem men\schen
Line: 10    
diu augen oft verplendet, daz in reht ansiht. daz   10
Line: 11    
ist von, daz er im die cristallischen fäuhten verprent
Line: 12    
in dem augapfel, dar an des gesihtes kraft ligt. daz
Line: 13    
ander ist, daz er die plüet verderbt auf den paumen und
Line: 14    
aller maist die zarten plüet an dem weinreben; dar umb
Line: 15    
verhüllet diu nâtûr diu fruhttragerlein, daz sint die   15
Line: 16    
frühtigen knödel auf den paumen, mit pletern, sam
Line: 17    
ain amme ir kint verhüllet mit windeln, und macht dem
Line: 18    
weinreben gar praiteu pleter, daz er sein weintrauben
Line: 19    
mit verhüll vor dem plitzen. daz dritt ist, daz er oft dem
Line: 20    
menschen daz hâr verprent under den üehsen und an\derswâ   20
Line: 21    
und doch seinem leib niht schadet. daz ist dar
Line: 22    
umb, daz der dunst niht vast vert, daz er dem men\schen
Line: 23    
schad; seind aber er prinnet und hin und her
Line: 24    
lauft an dem menschen gar snell, verprennet er daz
Line: 25    
dürr lind hâr an im ân des menschen versêrung. alsô   25
Line: 26    
geschach, daz Marcia, der Rœmer fürstinne, von ainem
Line: 27    
donr geslagen wart und starp daz kint in irm leib. aber
Line: 28    
ir geschach niht. daz was dar umb, daz diu fruht in
Line: 29    
dem leib dannoch kranch was und daz von der frawen
Line: 30    
derschrecken diu pant sich rizzen, mit daz kint ge\punden   30
Line: 31    
was, und daz selb reizen raiz auch dem kind sein
Line: 32    
âdern und sein herzlein ab. ez spricht unser puoch, daz
Line: 33    
der donr oder der plitzen niemant schad, der in vor hœr
Line: 34    
oder sehe, ê der slag zuo im kom. wærleich daz dünket
Line: 35    
mich ain leihter spruch ân maisterschaft, wan unser vor\sehen   35
Line: 36    
hilft niht dar zuo, sich möht dann der mensch

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Line: 1    
snell vor dem slag verpergen. ez spricht auch daz puoch
Line: 2    
mêr, daz der plitzen oder der donr niht alle zeit den
Line: 3    
menschen ertœd, wenne er ez trift; aber er tœd ander
Line: 4    
gesellteu dinch wenn er si trift, ez sei paum oder tier,
Line: 5    
und under den tiern sêrt er allermaist den adlarn, aber   5
Line: 6    
under den paumen allermaist den lorpaum, alsô spricht
Line: 7    
Plinius. Seneca spricht, daz ze seinen zeiten der donr
Line: 8    
ain vaz voller weins zeslüeg, alsô daz der wein ain kurzez
Line: 9    
stündel stüend pei ainander âne vaz, sam er in dem vaz
Line: 10    
gestanden was. daz was dar umb, daz der slag snell   10
Line: 11    
was, daz der wein niht snell zervliezen moht. alsô
Line: 12    
seh wir, daz ainr ain offen glas mit wein oder mit wazzer
Line: 13    
snell umbslingt in ainer slingen oder in der hant, daz
Line: 14    
nihts her auz fleuzt. auch ist der wein leiht zæh ge\wesen,
Line: 15    
daz hât auch dar zuo geholfen.   15
Line: 16    
Nu maht frâgen, seind der dunst, dar auz der
Line: 17    
donr und der plitzen wirt, aufgêt winterszeiten und
Line: 18    
sumerzeiten, war umb donrt ez niht in dem winter sam
Line: 19    
in dem sumer? daz ist dar umb, daz in dem winter diu
Line: 20    
hitz niht grôz ist, daz si starken vesten rauch aufge\heben   20
Line: 21    
müg sam zuo dem donr gehœrt, und mag in auch
Line: 22    
hôch niht geheben in die lüft, daz er mit grôzer
Line: 23    
ungestüemikait her nider valle. dar umb hebt diu sunne
Line: 24    
in dem winter neur dunst auf, der zuo regen gehœrt oder
Line: 25    
zuo snê oder zuo winden und zuo feurn, diu niht plitzen   25
Line: 26    
haizent. diu selb sach ist auch in dem herbst und in dem
Line: 27    
lenzen, ez sei dann gar selten. ez sprechent auch etleich,
Line: 28    
daz in den landen pei der sunnen aufganch sumerzeiten
Line: 29    
niht donr werden, aber si werdent selben winters\zeiten.
Line: 30    
daz ist dar umb, daz in den landen sumerzeiten   30
Line: 31    
diu hitz gar übrigs grôz ist, daz kain dunst in den
Line: 32    
lüften zuo wolken getwungen wirt, wan diu grôz hitz diu
Line: 33    
zesträut den dunst und lâzt in niht dick werden. aber
Line: 34    
winterszeiten ist diu hitz in den landen sänft, reht
Line: 35    
sam si ist in dem sumer mit uns. dar umb donrt ez;   35
Line: 36    
in dem winter in den selben landen. ez ist auch in den

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Line: 1    
landen gegen der sunnen underganch sam mit uns, wan
Line: 2    
ist ez niht übrigs haiz sumerzeiten. Plinius spricht,
Line: 3    
daz dreierlai donr sein oder plitzen. die êrsten sint die
Line: 4    
niht spaltent, aber si prennent und die sint trucken an
Line: 5    
in selber. die andern dönr sint fäuht, die prennent niht,   5
Line: 6    
aber si spaltent und swerzent diu dinch, dar auf si vallent.
Line: 7    
die dritten haizt man clâr oder behend dönr, die sint
Line: 8    
aller selzeinst und aller wunderleichst und gar haimlei\cheu
Line: 9    
dinch der nâtûr: diu verstelnt und schöpfent den
Line: 10    
wein haimleichen aus den vazzen, alsô daz si der vaz niht   10
Line: 11    
rüernt mit ainem merkleichem schall, si lâzent aber ir
Line: 12    
fuozstapfen an den vazzen.



Chapter / Strophe: 26     26.
Line: 13    
Line: 14    
VON DEM NEBEL.



Line: 15    
Der nebel kümt von wäzzrigem grobem dunst,    15
Line: 16    
vil swærs erdisches rauchs zuo gemischt ist, alsô daz in
Line: 17    
diu sunne niht aufgeheben mag hôch von der erden in
Line: 18    
die lüft. dar umb sint die nebel gern des morgens oder
Line: 19    
des âbends, wenn diu sunne niht gar starch ist, und aller\maist
Line: 20    
in dem herbst, in dem winter und in dem lenzen   20
Line: 21    
mêr denn in dem sumer. ist, daz der nebel aufgêt in
Line: 22    
die lüft, kümt gern ain regen dar nâch, dar umb, daz
Line: 23    
sich der dunst in regenwolken verkêrt in den lüften.
Line: 24    
ist aber, daz er auf die erden vellt, daz bedäutet schœn
Line: 25    
weter und frühtigz dem ertreich in dem sumer, wan    25
Line: 26    
mag taw gevallen, daz den frühten kraft gibt, wan daz
Line: 27    
taw vellt niht denn der luft schœn und rain ist. sich
Line: 28    
legt der nebel gern zuo den wazzern und zuo den fäuhten
Line: 29    
steten, dar umb, daz er auch fäuht ist, dar umb fräut
Line: 30    
er sich der gesellschaft seins geleichen. aber auf hôhen   30
Line: 31    
steten zersträut in der sunnen schein gar schier, dar umb
Line: 32    
wonten die alten gern auf hôhen trucknen steten.
Line: 33    
wonent nu die newen läut gern in genaigten steten durch
Line: 34    
gemach der wazzer und pawent pei den wazzern; daz ist
Line: 35    
gar schad und pringt vil siehtums und vil unzeitiger tœd.   35

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Line: 1    
der nebel stinkt oft und ist dicke. daz ist dar umb, daz
Line: 2    
der dunst, dar auz er wirt, kümt von fauler fäuhten und
Line: 3    
von unrainem ertreich, und dar umb von dem nebel kümt
Line: 4    
oft grôzer siehtum und manigem der tôt, dar umb, daz
Line: 5    
der nebel die prust versêrt und daz hirn und macht   5
Line: 6    
oft ainen unrainen fluz von dem hirn in die prust, der
Line: 7    
unrain ist, daz er oft zuo ainem swern oder zuo ainem
Line: 8    
apostem wirt in der prust. dar umb schol man sich
Line: 9    
inn halten und besliezen schôn die slâfkamern und die
Line: 10    
wonung zuo den zeiten. muoz aber der mensch auz gên,   10
Line: 11    
der schol vor ezzen und trinken, daz der luft den leib
Line: 12    
iht lærn begreif. der nebel ist aller schädest in dem
Line: 13    
häumôn und pei den sumerleichen sünwenden und in
Line: 14    
dem andern augst, daz ist dar umb, daz der dunst dann
Line: 15    
gar verprant ist, daz er des menschen inwendig gäng   15
Line: 16    
durchsleuft und durchizzet.



Chapter / Strophe: 27     27.
Line: 17    
Line: 18    
VON DER SUNNEN HOF.



Line: 19    
Man siht oft ainen plaichen kraiz umb die sunnen oder
Line: 20    
umb den mônen und haizent in die laien der sunnen oder   20
Line: 21    
des mônen hof. der kraiz kümt von, daz diu sunne
Line: 22    
oder der môn ainen clâren dunst hât under sich gezogen,
Line: 23